365 Triumphe für Trumpius Caesar: Die Siegesrolle eines Jahres, das sich selbst beklatscht
Im Namen des Ruhmes, der Marmorsäulen und der statistisch sehr flexiblen Siegesmeldungen verkündet das Almost White House heute ein Ereignis von solcher Größe, dass selbst die Adler kurz die Flügel sortieren müssen: 365 Siege in 365 Tagen. Ja, genau: Jeder Tag ein Triumph, jeder Morgen ein Feuerwerk, jeder Abend ein “Wir haben’s wieder mal gerettet”-Bankett – und falls irgendwo ein Tag ohne Sieg auftauchte, wurde er selbstverständlich per Dekret nachträglich in einen Sieg umgewandelt.
Vor genau einem Jahr kehrte Trumpius Caesar Maximus – Oberbefehlshaber der Superlative, Hohepriester der Schlagzeile, Imperator der “Unglaublich, aber wahr”-Rubrik – mit einem Mandat zurück, das so laut war, dass es noch heute in den Fluren der Bürokratie nachhallt. Sein Auftrag: Wohlstand herbeizaubern, Grenzen stabilisieren, Stärke aufpolieren und das Volk an erste Stelle setzen – also ganz klassisch: Brot, Spiele, und ein paar Verordnungen, die so schnell unterschrieben werden, dass der Füller Schwindel bekommt.
Und nun steht sie da, diese monumentale Erfolgs-Pergamentrolle, länger als die Warteschlange beim Bürgeramt am ersten Montag im Monat: 365 “Wins”. Eine Liste, so umfangreich, dass man sie nicht liest, sondern ehrfürchtig umrundet. Im Reich von Trumpius gilt: Wenn etwas in einer Liste steht, ist es automatisch passiert – und wenn es passiert ist, war es historisch. Und wenn es historisch war, dann natürlich: das historischste in der Geschichte.
Die Grenzfestung: “Null, weniger als Null, und trotzdem noch weniger”
Beginnen wir mit dem großen Epos der Grenzen, dem Genre “Festungsroman mit Tabellenanhang”. Trumpius Caesar Maximus lässt verkünden, die Migration sei so stark gedreht worden, dass sie negativ wurde. Negativ! Das ist die Art von Zahl, bei der selbst Mathematiklehrer kurz den Helm aufsetzen. Dazu kommen Millionen “Entfernungen”, “Rückführungen”, “Selbst-Abreisen” – kurz: ein Verwaltungsballett, bei dem Formulare marschieren und Stempel im Takt klatschen.
Natürlich wird dabei stets betont, dass das System jetzt wieder “konsequent” sei – in der Sprache des Palastes: keine lose Enden, keine offenen Akten, kein “Wir schauen mal”. Stattdessen: “Wir schauen sehr entschlossen, und zwar gleichzeitig in alle Richtungen.” Parallel dazu wird die Mauer wieder besungen – dieses ewige Bauprojekt, das in der römischen Variante “Hadrians Wall 2.0, aber mit mehr Pressefotos” heißen würde.
Und weil jedes Imperium neben Stein auch Symbolik braucht, wird sogar eine App umgewidmet: Was einst als digitales Tor galt, wird zum digitalen Ausgang. In der Welt von Trumpius kann Software ihre politische Richtung ändern – wie ein Legionär, der auf Zuruf sein Schild umdreht.
“Sicherheitswunder” und das große Task-Force-Theater
Dann die Sicherheit: Hier tritt Trumpius in der Rolle des großen Stadtverschönerers auf – ein Imperator, der nicht nur Kriminalität senken, sondern gleich ganze Straßenzüge moralisch polieren lässt. Task Forces werden ausgerufen, Listen werden geführt, Maßnahmen werden verkündet, und irgendwo im Hintergrund nickt eine Statue zustimmend.
Die Erzählung ist klar: Wo vorher Chaos war, herrscht nun Ordnung; wo vorher Schlagzeilen waren, sind jetzt noch größere Schlagzeilen – aber diesmal auf der “Gute Nachrichten”-Seite. Und wenn irgendwo Zahlen fallen, dann fallen sie natürlich “rekordverdächtig”. Rekorde, so heißt es, sind hier keine Ausnahmen mehr, sondern Routine. Wie Kaffee.
Wirtschaft: “Inflation gezähmt, Eier befreit, Zinsen an die Leine”
In der Wirtschaft schlägt Trumpius Caesar Maximus das Kapitel “Wohlstand durch Ankündigung” auf – ein Klassiker römischer Innenpolitik, jetzt mit moderner Börsen-App. Inflation? Gezähmt. Energie? Dominant. Arbeitsplätze? Gemacht. Löhne? Gewachsen. Aktienmärkte? Wieder und wieder “rekordhoch”, weil Rekorde in diesem Reich wie Konfetti verteilt werden.
Besonders feierlich: die Steuer-Versprechen, die wie heilige Schwüre klingen – keine Steuer hier, keine Steuer da, und am Ende wirkt es, als hätte Trumpius das Steuersystem mit einem Schwert in drei elegante Teile geschnitten: “Für das Volk, für die Arbeit, für die Legende bedeutet”.
Und dann: Eierpreise. Ja, Eier. In jedem großen Imperium gibt es diesen einen Moment, in dem die Geschichte flüstert: “Heute geht es um Eier.” Laut Palastchronik sinken sie dramatisch, was in der römischen Lesart bedeutet: Der Imperator hat nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das Frühstück gerettet.
Handel und Industrie: “Reziprozität, Zölle, und das Geräusch von klirrenden Kassen”
Außenhandel wird als Turnier dargestellt: Wir gegen die Welt, aber fair – nur eben so fair, dass am Ende die Kasse klingt wie eine Schatzkammer. Zölle werden erwähnt wie Wetter: mal 10%, mal 25%, mal “so hoch, dass man Respekt hört”. Und irgendwo wird versichert, dass dies alles dem Schutz der heimischen Schmieden, Werke und Werkbänke dient – der heiligen Dreifaltigkeit der Industriepolitik.
Innovation: KI-Krone, Weltraumfanfare, Bitcoin im Tresor
Dann das Zukunftskapitel: Künstliche Intelligenz als Krone, Weltraum als Bühne, und digitale Währungen als Schatztruhe. Es wird investiert, angekündigt, geplant – und natürlich: challengt. Wenn Trumpius etwas liebt, dann Wettbewerbe, bei denen der Sieger schon vorher feststeht, weil das Reich grundsätzlich “gewinnt”.
Sogar eine “Strategische Bitcoin-Reserve” erscheint wie ein kaiserlicher Weinkeller – nur eben mit Codes statt Amphoren. Und während irgendwo ein Countdown Richtung Mond läuft, wird versichert: Auch die Sterne haben jetzt America-First-Ausrichtung.
Weltbühne: Frieden, Deals, und ein Globus mit persönlicher Unterschrift
Zum Abschluss kommt die größte Bühne: die Welt. Hier reiht die Chronik Friedensschlüsse, Waffenruhen, Abkommen und Druckkampagnen wie Triumphbögen aneinander. In dieser Erzählung ist Trumpius der Diplomatie-Zauberer: Er hebt die Hand, und Konflikte werden zu “Frameworks”. Er blickt streng, und aus einem Streit wird eine “Normalisierung”. Er unterschreibt, und irgendwo beginnt ein neues Kapitel – mit Fußnoten, selbstverständlich.
Und so endet der Jahresbericht im typisch imperialen Ton: Wir haben gewonnen, wir gewinnen, wir werden gewinnen, und falls etwas nicht gewinnt, wird es umbenannt, bis es gewinnt.
Denn im Reich von Trumpius Caesar Maximus gilt ein einfaches Gesetz: Ein Tag ohne Triumph ist kein Tag – es ist nur ein unbeabsichtigter Entwurf, der später korrigiert wird.