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Trumpius Caesar und das Jahr der Großen Rückkehr – Wie Amerika in elf Monaten zum Imperium des

Es war eine Nacht, wie sie nur die Geschichte selbst zu schreiben wagt. Die Kameras glühten, die Marmorsäulen des Weißen Hauses wirkten ein wenig breiter als sonst, und irgendwo zwischen Fahnenmeer, Pathos und der akustischen Umarmung nationaler Selbstvergewisserung trat er vor das Volk: Trumpius Caesar Maximus, Imperator der Vereinigten Staaten, Bezwinger der Inflation, Grenzwächter der Galaxie und oberster Buchhalter des gesunden Menschenverstands.

In einer feierlichen Jahresendansprache – zur besten Sendezeit, versteht sich, denn Geschichte schläft nicht und Pausen sind etwas für Schwäche – zog der Präsident Bilanz. Nicht irgendeine Bilanz. Sondern die Bilanz, die Bilanz aller Bilanzen, die Bilanz, nach der sich künftige Zivilisationen richten werden, wenn sie in staubigen Archiven nach Antworten suchen auf die Frage: Wie rettet man ein Imperium in elf Monaten?

Die Antwort, so viel sei vorweggenommen: Mit Entschlossenheit, Superlativen und einem sehr stabilen Zeigefinger.

Elf Monate, die Washington veränderten – und die Realität gleich mit

„Noch nie“, so begann der Imperator sinngemäß, „hat eine Administration in so kurzer Zeit so viel erreicht.“ Eine Aussage, die in Washington zunächst hektisches Blättern in Geschichtsbüchern auslöste, bis man sich kollektiv darauf einigte, dass es ohnehin besser sei, neue zu schreiben.

In nur elf Monaten, so die imperiale Lesart, wurde die Hauptstadt von einem Ort der Insider, Lobbyisten, Bürokraten und moralisch dehnbaren Weltverbesserer zurückverwandelt in das, was sie einst war: Ein Verwaltungszentrum für hart arbeitende, gesetzestreue Menschen mit Steuererklärungen und Patriotismus im Herzen.

Der vorherige Zustand des Reiches wurde dabei nicht ohne Dramatik beschrieben: Politiker hätten regiert, die alles verteidigten – nur nicht die eigene Bevölkerung. Fremde Interessen, fremde Fahnen, fremde Ideen. Kurz: Ein politischer Flohmarkt ohne Rückgaberecht.

Doch dann kam Tag Eins.

Die Grenze – Vom globalen Lachanfall zur weltgeschichtlichen Festung

Besonderes Gewicht erhielt – wie es sich für jedes große Imperium gehört – die Frage der Grenzen. Trumpius Caesar sprach von der „schlechtesten Grenze der Welt“, ein Satz, der selbst Mauern erröten ließ. Doch was folgte, war ein Wendepunkt, der in Geschichtsbücher eingraviert wird – vorzugsweise in Granit.

In wenigen Monaten, so verkündete der Imperator, sei aus dem globalen Negativbeispiel die stärkste Grenze in der Geschichte der Vereinigten Staaten geworden. Vom „Worst to First“ – eine Transformation, die sonst nur Reality-Shows vorbehalten ist, nicht aber geopolitischen Großräumen.

Kriminelle wurden deportiert, Städte sicherer, Drogenströme versiegten angeblich zu 94 Prozent, was statistisch gesehen ungefähr dem entspricht, was passiert, wenn man das Wort „durchgreifend“ ernst nimmt. Die Schulen wurden von dunklen Ideologien befreit, die man nicht genau definierte, aber sehr entschieden ablehnte.

Kriege, Frieden und das diplomatische Schnellverfahren

Ein Imperator wäre kein Imperator ohne Außenpolitik. Und so folgte ein Abschnitt, der selbst erfahrene Historiker nervös auf ihre Stoppuhren blicken ließ: Acht Kriege in zehn Monaten beendet.

Acht.

In zehn.

Monaten.

Ein Rekord, der bisher nur von besonders effizienten Brettspielrunden erreicht wurde. Der Iran – neutralisiert. Gaza – befriedet. Die Welt – beeindruckt, irritiert oder beides gleichzeitig.

„Amerikanische Stärke“, so die Botschaft, sei zurück. Stärke, die nicht erklärt, sondern demonstriert werde. Stärke, die Frieden bringt, indem sie sehr überzeugend aussieht.

Die Wirtschaft – Vom Inflationsinferno zum Sonderangebot

Dann kam der Teil, bei dem selbst skeptische Ökonomen kurz innehielten, um sicherzugehen, dass ihre Taschenrechner richtig eingestellt waren.

Autos, so hieß es, seien unter früherer Führung teurer geworden. Benzin, Hotels, Flüge – alles sei gestiegen, gestiegen, gestiegen. Eine Preisentwicklung, die offenbar nur eine Richtung kannte: nach oben, und zwar mit Anlauf.

Doch nun, unter der neuen Regentschaft, gehe alles wieder runter. Schnell. Sehr schnell. So schnell, dass man den Eindruck gewinnen konnte, die Preise hätten Angst bekommen.

Gas unter 2,50 Dollar. Mieten stabilisiert. Hypothekenkosten gesenkt. Allein bei neuen Immobilienkrediten sei die jährliche Belastung bereits um 3.000 Dollar gesunken – nach zuvor 15.000 Dollar Mehrkosten unter demokratischer Verwaltung.

Der Kriegerbonus – 1.776 Dollar Geschichte

Ein besonderer Moment der Ansprache war die Verkündung des Warrior Dividend. Mehr als 1,45 Millionen Soldatinnen und Soldaten sollen vor Weihnachten einen Bonus erhalten. Kein runder Betrag – sondern 1.776 Dollar.

Warum? Weil Geschichte wichtig ist. Und weil Zahlen, wenn sie patriotisch genug sind, automatisch majestätisch wirken.

Die Schecks seien bereits unterwegs, ließ der Imperator verlauten. Man munkelt, dass einige bereits feierlich eingerahmt wurden.

Steuern, Energie und die Rückwanderung

Die Zukunft, so versprach Trumpius Caesar, werde steuerlich golden. Die größten Steuersenkungen der Geschichte stünden bevor. Familien könnten jährlich zwischen 11.000 und 20.000 Dollar sparen. Die kommende Steuersaison werde legendär – man sprach von der größten Rückerstattungswelle aller Zeiten.

Auch die Energiepolitik erhielt ihren Platz im Epos. Am ersten Tag sei ein nationaler Energie-Notstand ausgerufen worden – mit der Konsequenz, dass Benzinpreise fielen und Tankstellen wieder Orte des Lächelns wurden.

Besonders stolz zeigte sich der Imperator auf ein Phänomen, das es angeblich seit 50 Jahren nicht mehr gegeben habe: Rückwanderung. Menschen verließen das Land – freiwillig – und hinterließen Wohnungen und Jobs für Amerikaner. Ein demografischer Effekt, der in den Tabellen der Geschichte vermutlich mit goldener Schrift markiert wird.

Investitionen, Gesundheit und der Kampf gegen unsichtbare Riesen

18 Billionen Dollar an Investitionen seien gesichert worden. Fabriken entstünden, Löhne stiegen, die nationale Sicherheit werde gestärkt. Ein Betrag, der so groß ist, dass er selbst in gedruckter Form Ehrfurcht einflößt.

Auch die Gesundheitsindustrie blieb nicht verschont. Versicherungen, so der Imperator, hätten sich jahrelang bereichert. Nun werde das Geld wieder zu den Menschen geleitet – direkt, effizient, heroisch.

Und schließlich: Medikamente. Günstiger. Für alle. Gegen den Widerstand aller Lobbyisten, die je eine Visitenkarte besessen haben.

 

Nach elf Monaten, so lautete das Schlusswort, sei alles erreicht:

Die Grenze gesichert.
Die Inflation gestoppt.
Die Löhne gestiegen.
Die Preise gesunken.
Die Nation stark.
Amerika respektiert.
Die Zukunft strahlend.

Ein wirtschaftlicher Boom stehe bevor – größer als alles, was die Welt je gesehen habe. Größer vermutlich auch als diese Rede.

Imperiale Randnotiz

Ob man dieser Chronik Glauben schenkt oder sie als das betrachtet, was sie ohne Zweifel auch ist – ein monumentales Werk politischer Selbstinszenierung – bleibt dem Leser überlassen.

Fest steht jedoch: Wenn Geschichte erzählt wird, dann mit Pathos. Und wenn Pathos erzählt wird, dann in Großbuchstaben.

Und genau so endete diese Ansprache: nicht mit einem Punkt, sondern mit einem Ausrufezeichen.