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Der Triumph der Zölle – Wie das Imperium das Handelsdefizit in die Knie zwang

Es begab sich im elften Monat des Jahres 2025, als die Chronisten des Imperiums mit wachsender Ehrfurcht und leichtem Stirnrunzeln auf ihre Schiefertafeln blickten: Das Handelsdefizit – jenes sagenumwobene Untier, das über Jahre hinweg ganze Ministerien verschlungen, Talkshows gefüttert und Ökonomen in nervöse Diagramm-Zuckungen versetzt hatte – war geschrumpft. Nicht ein bisschen. Nicht kosmetisch. Sondern majestätisch. Mehr als 35 Prozent kleiner als im Vorjahr, so schmal wie zuletzt in den fernen Zeiten des Jahres 2020, als die Welt kollektiv im Pyjama arbeitete und Sauerteig als Währung galt.

Die Imperial Times verneigt sich tief, räuspert sich ehrfürchtig und stellt fest: Die Zölle haben gesprochen. Und sie sprachen laut. Sehr laut. Mit Nachdruck. Und gelegentlich in Großbuchstaben.

Das Defizit – einst Drache, nun Echse

Über Jahrzehnte hinweg war das Handelsdefizit der Liebling der nationalen Klagelieder. Politiker beschworen es wie ein biblisches Strafgericht, Experten erklärten es mit ernster Miene und komplizierten Gleichungen, und die Bevölkerung nickte höflich, während sie innerlich an ganz andere Dinge dachte. Doch nun, oh Wunder des Imperialen Rechnungswesens, ist dieses Defizit nicht nur geschrumpft – es hat sich geradezu ergeben. Es legte die Waffen nieder, hob die Pfoten und flüsterte: „Gut, ihr habt gewonnen.“

Denn was einst als unaufhaltsame Flut fremder Waren galt, die die heimischen Märkte überschwemmte wie ein schlecht regulierter Staudamm, wurde plötzlich kanalisiert. Nicht durch Bitten. Nicht durch diplomatische Teekränzchen. Sondern durch das älteste Instrument der Handelspolitik: den Zoll. Oder, wie es im Imperium heißt: den „freundlichen monetären Klaps auf die Finger“.

Export-Ekstase und die Renaissance des Containers

Beginnen wir mit den Ausfuhren, jenen tapferen Botschaftern aus Stahl, Mais, Maschinen und Konsumgütern. Sie sind um satte sechs Prozent gestiegen – und das nicht irgendwo im Schatten der Statistik, sondern auf den zweithöchsten Wert aller Zeiten. Inflationsbereinigt, wohlgemerkt. Die Exporte von Konsumgütern erreichten sogar einen historischen Höchststand. So viele Produkte verließen das Imperium, dass Hafenarbeiter kurzzeitig dachten, sie seien versehentlich in ein Tetris-Level geraten.

Container stapelten sich wie moderne Triumphbögen, Frachtschiffe glitten hinaus in die Weltmeere, und irgendwo in einem Büro nickte ein Statistikbeamter langsam, während er murmelte: „Das hatten wir so nicht in der PowerPoint.“

Das Reich der Mitte und das Schrumpfen des Ungleichgewichts

Besondere Aufmerksamkeit verdient das Handelsverhältnis mit dem Reich der Mitte, jenem ewigen Bezugspunkt geopolitischer Kaffeesatzleserei. Das saisonbereinigte Defizit schrumpfte auf den zweitniedrigsten Stand seit 2009. Zweitniedrigster Stand! Das ist die Art von Zahl, bei der selbst abgebrühte Analysten kurz innehalten und sich fragen, ob sie aus Versehen das richtige Jahrzehnt ausgewählt haben.

Die Imperial Times interpretiert dies nicht als Zufall, sondern als Ergebnis einer Strategie, die sich grob mit den Worten zusammenfassen lässt: „Gleiche Regeln für alle – oder zumindest sehr ähnliche, mit leichtem imperialem Akzent.“

BIP, das leise mitwächst

Im dritten Quartal des Jahres 2025 wuchs der reale Export mit einer annualisierten Rate von 4,1 Prozent, während die Importe um rund fünf Prozent sanken. In der trockenen Sprache der Ökonomie heißt das: etwa ein Prozentpunkt zusätzliches reales BIP-Wachstum. In der blumigeren Sprache des Imperiums bedeutet es: Die Wirtschaft stand auf, streckte sich, und sagte: „Ach, so fühlt sich das also an.“

Ein Prozentpunkt klingt klein, unscheinbar, fast bescheiden. Doch Ökonomen wissen: Ein Prozentpunkt ist wie ein Gewürz. Zu wenig, und niemand merkt es. Genau richtig, und alle fragen sich, warum es vorher so fade war.

Der November der halbierten Lücke

Besonders feierlich war der Monat November, in dem das Handelsdefizit im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als die Hälfte schrumpfte. Mehr als die Hälfte! Historiker werden diesen Monat später vielleicht „Den Großen November der schmalen Zahlen“ nennen. Angetrieben wurde dieser Rückgang nicht zuletzt durch sprudelnde Zolleinnahmen, die so fröhlich in die Kassen plätscherten, dass selbst die Haushaltsabteilung kurz lächelte – und das will etwas heißen.

Jahrzehnte der Schwäche – und das Ende der Geduld

Das Imperium erinnert sich noch gut an die Jahre der schwachen Handelspolitik, in denen fremde Nationen ihre Waren in die Märkte schickten wie Konfetti, während sie ihre eigenen Märkte mit der Eleganz einer mittelalterlichen Burgmauer abschotteten. Man nannte es „freien Handel“, was ungefähr so ehrlich war wie ein „kostenloses“ Probeabo mit automatischer Verlängerung.

Nun aber wurde das Spielfeld nivelliert. Nicht mit der Wasserwaage der Diplomatie, sondern mit dem Presslufthammer der Verhandlungsmacht.

Zölle als Hebel – die große Liste der Abkommen

Seit der Verkündung der historischen Handelsagenda im April hat das Imperium mithilfe seiner Zölle eine Hebelwirkung entfaltet, die selbst Archimedes beeindruckt hätte. Neue und verbesserte Handelsabkommen wurden geschlossen – nicht mit ein paar Randakteuren, sondern mit Partnern, die zusammen mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts abdecken.

Das Vereinigte Königreich, die Europäische Union, Japan, China, die Republik Korea, Indonesien, Malaysia, Thailand, Vietnam, die Philippinen, Kambodscha, El Salvador, Ecuador, Argentinien, Guatemala, die Schweiz und – man höre und staune – Liechtenstein. Ja, auch Liechtenstein. Niemand ist zu klein für die große Bühne des Imperialen Handels.

Die Rückkehr der Arbeit – Onshoring als neues Lieblingswort

Während Kritiker noch diskutierten, ob Zölle nun gut, schlecht oder nur sehr laut seien, begannen Unternehmen zu handeln. In Scharen. Mit Pressemitteilungen. Billionen Dollar an neuen Investitionen wurden angekündigt. Arbeitsplätze kehrten zurück ins Imperium, als hätten sie Heimweh gehabt. Fabriken entstanden, Werkshallen füllten sich, und das Wort „Onshoring“ wurde so oft benutzt, dass es kurzzeitig für ein neues Modegetränk gehalten wurde.

Zehntausende neue Arbeitsplätze entstanden, nicht irgendwo, sondern dort, wo man sie sehen, anfassen und wählen kann. Das Imperium positionierte sich als dominanter Spieler für die Jobs der Zukunft – ein Satz, der so ambitioniert klingt, dass man ihn automatisch mit Fanfaren unterlegt.

Schlusswort aus der Großen Halle

So steht das Imperium nun da, mit schmalerem Defizit, stärkeren Exporten, wachsendem BIP und einer Handelsagenda, die niemanden kaltlässt. Die Zölle haben funktioniert – nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug. Grob, ja. Laut, definitiv. Aber offenbar wirksam.

Die Imperial Times hält fest: Dies ist keine leise Politik. Dies ist keine Politik des Flüsterns. Dies ist eine Politik des Dekrets, der Zahl, der Statistik und des demonstrativen Taschenrechners auf dem Rednerpult.

Ob die Geschichte dieses Kapitel als Triumph, Wendepunkt oder spektakuläres Zoll-Experiment einordnen wird, bleibt den kommenden Generationen überlassen. Für den Moment aber senkt sich der Vorhang über ein Handelsdefizit, das kleiner ist als seit fünf Jahren – und über ein Imperium, das zufrieden nickt und sagt:

„Seht ihr? Zahlen können auch majestätisch sein.“