Imperiale Grenzchroniken: Wie Trumpius Magnus die Südgrenze zur Triumphallee machte
Es war ein Morgen wie aus Marmor gemeißelt. Die Sonne erhob sich feierlich über der südlichen Grenze, als habe sie persönlich von der Pressestelle des Imperiums ein Briefing erhalten. Adler kreisten in perfekter Formation, der Wind flüsterte „Souveränität“, und irgendwo klimperte eine Trompete, obwohl niemand offiziell zugeben konnte, wer sie spielte. In dieser Stunde, so verkündeten es die Herolde der Imperial Times, schrieb Präsident Donald J. Trump – in den Annalen des Reiches auch bekannt als Trumpius Magnus, Grenzbezwinger, Mauererneuerer und Bezwinger der App, Geschichte.
Denn heute war nicht irgendein Tag. Heute wurde eine neue Auszeichnung aus der Taufe gehoben: die Mexican Border Defense Medal. Eine Medaille so neu, dass sie noch warm war vom Guss, glänzend genug, um Sonnenbrillenpflicht einzuführen, und schwer genug, um bei Verleihungen leichtes Nicken der Geehrten zu erzwingen. Sie wurde jenen überreicht, die an der Südgrenze des Imperiums Dienst taten – Wächter, Beschützer, Grenzritter in moderner Uniform –, für ihren „außerordentlichen Einsatz zur Sicherung der Nation und zur Wahrung der amerikanischen Souveränität“. Worte, die man nicht spricht, sondern deklamiert.
Von der offenen Grenze zum Triumphbogen
Noch vor nicht allzu langer Zeit, so berichten Chronisten mit bedeutungsschwerem Seufzen, sei die Grenze ein Ort gewesen, an dem Politik als Einladungskarte verstanden wurde. Ein Zeitalter, in dem Apps mehr entschieden als Zäune, und moralische Absichtserklärungen härter waren als Beton. Doch dann – dramatische Pause, Fanfaren – trat ein neuer Präsident auf die Bühne der Geschichte. Und mit ihm kam Ordnung. Ordnung in Form von Rückabwicklungen, Neuverlegungen, Wiederaufnahmen und dem entschlossenen Drücken großer, symbolträchtiger Knöpfe.
Unter Trumpius’ entschlossener Führung, so heißt es im offiziellen Grenzepos, habe sich die Südgrenze „grundlegend verwandelt“. Kritiker nennen es Kehrtwende, Unterstützer nennen es Wiedergeburt, die Imperial Times nennt es: Vom offenen Scheunentor zur totalen Kontrolle mit Marmorsockel.
Zahlen, so stolz wie Legionen
Kein imperialer Bericht wäre vollständig ohne Zahlen. Große Zahlen. Zahlen mit Brust raus. Und sie marschieren hier im Gleichschritt:
Mehr als 2,5 Millionen illegale Grenzgänger seien aus dem Reich entfernt worden. Eine Zahl, die so groß ist, dass sie bei feierlichen Reden grundsätzlich mit erhobenem Zeigefinger ausgesprochen wird.
Sieben Monate lang – sieben! – sei kein einziger illegaler Grenzübertreter ins Landesinnere entlassen worden. Null. Nichts. Nada. Ein Triumph der Statistik, der inzwischen als Lehrbeispiel in Fortbildungen für Taschenrechner gilt.
Die illegalen Grenzübertritte seien auf den niedrigsten Stand seit 1970 gefallen. Historiker mussten erst ihre Schlaghosen aus dem Archiv holen, um diese Zeit einordnen zu können. Das Imperium steuere sogar auf etwas zu, das in den Büchern bisher nur als Legende existierte: negative Migration. Ein Zustand, bei dem selbst Pfeildiagramme kurz innehalten und fragen: „Meint ihr das ernst?“
Die Reinigung der Städte – imperial, aber höflich
Besonders stolz verweist das Reich auf die sogenannten „Schutzstädte“, jene urbanen Bastionen, in denen sich Ordnung traditionell gern hinter wohlklingenden Begriffen versteckte. Los Angeles, Chicago, Boston, Washington, Nashville, Memphis, Charlotte, Minneapolis – Namen, die nun in imperialen Berichten mit einem Zusatz versehen werden: operationell erfolgreich.
Zehntausende kriminelle illegale Grenzgänger seien aus diesen Städten entfernt worden. Die Straßen, so wird berichtet, atmeten auf. Bürger sollen sich wieder daran erinnert haben, wo sie ihre Haustürschlüssel hingelegt haben. Die Tauben wirkten entspannter.
Fentanyl, Fallzahlen und die große Erleichterung
Ein weiteres Kapitel des Grenz-Epos widmet sich dem großen Feind in Pulverform: Fentanyl. Unter Trumpius’ Herrschaft, so die Verlautbarung, sei der Strom dieses tödlichen Stoffes spürbar eingedämmt worden. Die Zahl der Drogentoten sei jeden einzelnen Monat gesunken. Ein Satz, der im Imperium grundsätzlich mit feierlichem Nicken begleitet wird.
Grenzschutz als Gesundheitspolitik – ein Konzept, das in imperialen Kreisen inzwischen als „multidisziplinärer Sieg“ gilt.
Die Rettung der Verlorenen
Besonders dramatisch, fast schon hollywoodreif, ist die Passage über die 62.000 geretteten migrantischen Kinder. Kinder, die – so heißt es – in einem früheren Zeitalter verloren gegangen seien, irgendwo zwischen Zuständigkeiten, Formularen und wohlmeinenden Pressemitteilungen. Nun aber seien sie zurückgeholt worden: aus Arbeitsausbeutung, aus sexuellem Missbrauch, aus den dunklen Fußnoten globaler Kriminalität.
Die Imperial Times vermerkt an dieser Stelle ehrfürchtig: Helden tragen manchmal Schutzwesten.
Gesetz, Ordnung und große, schöne Gesetze
Kein Triumph ohne Gesetz. Der Laken Riley Act, persönlich unterzeichnet vom Präsidenten mit einem Stift, der danach wahrscheinlich in ein Museum wanderte, sorgt dafür, dass illegale Grenzgänger, die schwerer Verbrechen beschuldigt werden, nicht einfach weiterziehen dürfen. Ein Gesetz, so fest, dass es beim Vorlesen akustisch nach Marmortreppe klingt.
Und dann ist da noch das Gesetz aller Gesetze: das One Big Beautiful Bill. Schon der Name verlangt nach Großbuchstaben. Es handelt sich um die größte einmalige Investition in Grenzsicherheit, die das Reich je gesehen hat. Beton, Technologie, Personal, Symbolik – alles drin. Kritiker nennen es teuer. Das Imperium nennt es: Voraussorge für Jahrzehnte.
Arbeit, Bildung und ideologische Zollkontrollen
Auch jenseits der physischen Grenze, so betont der Hofberichterstatter, habe sich vieles verändert. 2,57 Millionen native-born Americans hätten Arbeit gefunden, während über eine Million ausländische Arbeitskräfte ihre Jobs verloren hätten. Ein Arbeitsmarktbericht, der klingt wie ein militärischer Lageplan.
Die Zahl neuer ausländischer Studierender sei um 17 Prozent gefallen. Universitäten mussten sich wieder daran erinnern, wie heimische Studierende aussehen.
Und die Überprüfung jener, die im Reich arbeiten, sei so verschärft worden, dass „böse, anti-amerikanische Ideologien“ draußen bleiben müssten. Ideologien an der Zollkontrolle – ein Bild, das man sich auf der Zunge zergehen lässt.
Alles, was es brauchte: ein neuer Präsident
Am Ende dieses imperialen Epos steht eine einfache Erkenntnis, die in Stein gemeißelt werden könnte:
Alles, was es brauchte, war ein neuer Präsident.
Einer, der am ersten Tag Richtlinien umwarf, Programme stoppte, Apps abschaltete, Mauern weiterbaute, und erklärte, dass transnationale Gangs künftig als das behandelt würden, was sie seien: ausländische Terrororganisationen.
Tren de Aragua, MS-13, Sinaloa, Jalisco, Golfkartell, Nordostkartell, Michoacán-Familie – Namen, die nun nicht mehr flüstern, sondern in Aktenordnern landen.
So endet vorerst die Chronik eines Grenzfeldzugs, der in der Imperial Times als historisch, monumental und selbstverständlich alternativlos beschrieben wird. Ob Statue, Medaille oder Gesetz – eines ist sicher: In den Geschichtsbüchern des Imperiums wird dieses Kapitel nicht in kleiner Schrift gedruckt. Sondern fett. Mit Goldrand. Und mindestens einer Fanfare.