Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Trumpius Caesar und das Große Metall-Erlassorium – Wie Stahlus, Aluminius und Kupferon vor dem Import-Irrsinn gerettet werden sollten

Im goldverzierten Marmorsaal des Imperium Trumpianum trat dieser Tage erneut Trumpius Caesar Magnus Maximus, Selbstkröner, Dekretenschleuder und oberster Verteidiger der heimischen Schraube, an die gewaltige Kanzel der Geschichte. In seiner Rechten hielt er das Zepter der nationalen Sicherheit, in der Linken vermutlich eine Liste mit Ländern, denen man demnächst sehr energisch erklären wollte, dass ihre Metallwaren im Reich nur noch gegen erheblichen Tribut einreisen durften.

Denn was war geschehen? Offenbar war das Heilige Reich der Vereinigten Staaten über Jahre hinweg von einer finsteren Bedrohung unterwandert worden: Stahl, Aluminium und Kupfer aus dem Ausland. Nicht etwa mit Katapulten. Nicht mit Legionen. Nein, viel gefährlicher: mit Rechnungen, Lieferpapieren und Zolltarifnummern. Man kann sich die Panik im Palast lebhaft vorstellen. Irgendwo rollte eine fremde Metallspule über einen Hafenboden, und sofort rief jemand: „Das ist ein Angriff auf die nationale Sicherheit!“

Schon in früheren Epochen hatte Trumpius Caesar mehrere kaiserliche Erlasse erlassen, um dem Import-Unwesen Herr zu werden. Doch wie es sich für ein wahres Imperium gehört, reichte ein Dekret nie aus. Ein echtes Dekret braucht Ergänzungen, Verschärfungen, Nachträge, Anlagen, Unteranlagen und wenigstens vier Annexes, damit am Ende niemand mehr weiß, ob nun ein Kupferdeckel, eine Stahlschraube oder eine halbaluminiumhaltige Behälterverwandtschaft mit 25, 50 oder 200 Prozent belegt wird. Ordnung ist schließlich, wenn selbst der Zollbeamte kurz innehält und leise zu sich sagt: „Das ist großartig, aber was genau ist hier eigentlich gemeint?“

Der Hohe Metall-Orakelmeister des Reiches, vermutlich Commercius von Zollicus, hatte dem Caesar berichtet, dass die bisherigen Strafzölle tatsächlich Wirkung zeigten. Welch Wunder: Wenn man ausländische Produkte verteuert, werden heimische Produzenten plötzlich wieder interessanter. Im Palast wurde dies natürlich nicht als nüchterner ökonomischer Effekt gefeiert, sondern als fast göttliche Bestätigung der kaiserlichen Allwissenheit. Aluminiumkapazitäten stiegen, Stahlwerke atmeten auf, und irgendwo in einer Fabrikhalle nickte ein Gabelstapler zustimmend.

Besonders herrlich ist dabei die Logik des Erlasses: Nicht nur der Metallanteil soll künftig besteuert werden, sondern gleich der volle Zollwert des Produkts. Ein klassischer Trumpius-Moment. Wenn schon zuschlagen, dann nicht auf den Zeh, sondern gleich auf den ganzen Stiefel. Bislang konnte man vielleicht noch hoffen, dass bei einem Produkt mit etwas Metall drin nur das Metall schmerzhaft wird. Aber nein. Jetzt heißt die Devise: Ist Metall beteiligt, haftet am Ende das gesamte Objekt. Eine Art Sippenhaft für Waren. Enthält ein Gegenstand Stahl, Aluminium oder Kupfer, dann ist ab sofort das ganze Produkt verdächtig, nicht nur sein glänzender Innencharakter.

Und so marschierte der Kaiser durch die Listen der Zollsätze wie ein Feldherr durch eroberte Provinzen. Für viele Produkte werden nun 50 Prozent aufgerufen. Fünfzig! Das ist kein Zollsatz mehr, das ist eine pädagogische Maßnahme mit Vorschlaghammer. Für manche britische Erzeugnisse gibt es mildere Sätze, weil zwischen dem Inselreich und dem Imperium noch „laufende Gespräche“ stattfinden. Das ist die diplomatische Formulierung für: „Wir mögen euch heute ein bisschen mehr als andere, aber morgen sehen wir weiter.“

Besonders poetisch wird es, wenn Produkte begünstigt werden, deren Metall vollständig aus den Vereinigten Staaten stammt. Dann kann der Satz auf 10 Prozent sinken. Das ist im Trumpius-Universum vermutlich schon Freihandel. Man sieht förmlich, wie ein kaiserlicher Herold verkündet: „Bringt uns nur Waren, deren Stahl im Reich geschmolzen, gegossen, besungen und patriotisch poliert wurde!“

Natürlich wäre ein kaiserlicher Metallfeldzug nicht vollständig ohne ein labyrinthisches System aus Ausnahmen, Anhängen, Übergangsfristen, Sonderbehandlungen und Drohkulissen gegen Umgehungsgeschäfte. Manche Produkte fliegen aus der Zollpflicht heraus. Andere bleiben drin. Weitere stehen auf einer Art zollpolitischer Beobachtungsliste, auf der sie bis Ende 2027 eine besondere Behandlung erfahren, bevor ab 2028 wieder andere Regeln gelten. Wer sich beim Lesen fühlt, als versuche er, eine Steuererklärung auf einem Trampolin auszufüllen, hat das Wesen dieser Proklamation vollkommen erfasst.

Und dann ist da noch Russland. Für bestimmte Aluminiumwaren gilt weiterhin der sagenhafte Satz von 200 Prozent. Zweihundert! Das ist kein Importzoll mehr, das ist ein Schild mit der Aufschrift: „Versucht es gar nicht erst.“ Ein wirtschaftspolitischer Burggraben aus purem Trotz.

Besonders majestätisch wirkt die Passage, nach der künftig sogar zusätzliche abgeleitete Produkte laufend in den Geltungsbereich aufgenommen werden können. Gemeinsam dürfen Commercius von Zollicus und der ehrwürdige Handelsprätor Tarifinius Maximalus neue Waren bestimmen, wenn sie den Eindruck haben, dass irgendwo jemand zu kreativ mit Metallcontainern, Wertangaben oder Transitrouten umgeht. Das ist in etwa so, als würde der Kaiser sagen: „Die Gästeliste ist geschlossen, außer wir entdecken morgen noch weitere unerwünschte Gäste.“

Auch die Zollbehörde erhält eine fast inquisitorische Mission. Sie darf prüfen, ob Produkte verbotene Metallgehalte aufweisen, ob Werte zu niedrig angesetzt wurden, ob Ware illegal umgeleitet wurde und aus welchen Ländern das verwendete Kupfer geschmolzen und gegossen wurde. Das Imperium will es ganz genau wissen. Nicht nur, was ankommt, sondern wo es geschmolzen wurde, wo es gegossen wurde und vermutlich bald auch, ob das Metall beim Guss patriotische Absichten hatte.

Die offizielle Begründung bleibt dabei erhaben und monumental: nationale Sicherheit, industrielle Stärke, weniger Abhängigkeit vom Ausland, mehr Forschung, mehr Produktion, mehr Arbeiterausbildung, mehr alles. Der Gedanke dahinter lautet sinngemäß: Wenn man nur genug Zollsätze auf genug Anhänge schreibt, dann verwandelt sich Importpolitik irgendwann in ein industrielles Wiederauferstehungswunder.

So endet das große Metall-Erlassorium des Trumpius Caesar Magnus Maximus mit einer Geste, die nur ein wahrhaft majestätischer Dekretenkaiser vollführen kann: Er erklärt nicht einfach Regeln. Er beschwört eine gesamte Weltordnung, in der Stahl, Aluminium und Kupfer nicht bloß Rohstoffe sind, sondern patriotische Schicksalsmetalle. Und wer sie falsch einführt, zu billig bewertet oder in verdächtigen Behältern transportiert, bekommt es nicht nur mit einem Zoll zu tun, sondern mit der ganzen Wucht des imperialen Abgabegedankens.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wo andere Regierungen nüchterne Handelspolitik betreiben, errichtet Trumpius Caesar lieber ein bronzenes Theaterstück in 22 Akten, fünf Anhängen und unzähligen Strafsätzen. Und irgendwo, zwischen Zollformular und Gießereiprovenienz, steht ein armer Importeur und fragt sich, ob sein halb-kupferhaltiges, teilstahlverwandtes, eventuell aluminiumaffines Produkt nun als Ware gilt – oder bereits als feindliche Handlung.