Trumpius Caesar und der Schienenfrieden – Das imperiale Notrats-Edikt von Long Island
IMPERIALES EDIKT DES TRUMPIUS CAESAR
Zur Befriedung der eisernen Schienen und der aufgebrachten Zünfte
Ausgerufen im Jahre des Goldenen Kamms, am XVI. Tage des September, Anno MMXXV
Im Namen der Verfassung, der Gesetze und meines unvergleichlichen Gespürs für alles, was großartig, historisch und absolut alternativlos ist, verkünde Ich, Trumpius Caesar, Erster seines Namens, Imperator der Vereinigten Staaten, Bezwinger der Bürokratie und Lenker der Lokomotiven (zumindest geistig), folgendes majestätisches Edikt:
Präambel – Vom großen Streit auf den Schienen
Es ward Mir zugetragen, dass auf der ehrwürdigen Insel der Länge – auch Long Island genannt – ein gewaltiger Zwist tobt.
Die Long Island Rail Road Company, stolzes Gefährt des Fortschritts, liegt im Streit mit gewissen ihrer Arbeiter, die sich in mächtigen Zünften zusammengeschlossen haben:
den Schreibern der Signale, den Brüdern der Lokomotiven, den Meistern der Maschinen, den Hütern der Elektrizität und anderen ehrwürdigen Vereinigungen mit langen Namen und kurzen Geduldsfäden.
Dieser Streit, so höre Ich, ließ sich bislang nicht zähmen – weder durch Gesetze, Paragrafen noch durch sehr lange Sitzungen mit sehr schlechtem Kaffee.
Darum riefen die Beteiligten nach Mir. Und wenn das Volk ruft, antworte Ich. Groß. Sehr groß.
Artikel I – Erschaffung des Notrates der Erleuchtung
So verfüge Ich hiermit die Einsetzung eines Notrates – eines Emergency Boards, wie es im Altenglischen heißt.
Dieser Rat tritt in Kraft am XVIII. Tage des September, exakt um 00:01 Uhr, weil Präzision wichtig ist und beeindruckend klingt.
Der Rat bestehe aus:
- Einem Vorsitzenden (sehr weise, sehr neutral, hoffentlich),
- Zwei weiteren Mitgliedern,
allesamt von Mir persönlich ernannt – denn niemand ernennt besser als Ich.
Keines dieser Mitglieder darf Gold, Einfluss oder romantische Gefühle für Eisenbahngesellschaften oder Arbeiterzünfte hegen. Absolute Reinheit! Fast schon heilig.
Artikel II – Vom Bericht an den Imperator
Binnen 30 Tagen, nicht 29, nicht 31, sondern 30 glorreichen Tagen, hat der Rat Mir Bericht zu erstatten:
Was ist los?
Wer hat geschrien?
Wer hat gepfiffen?
Und warum fährt der Zug immer noch nicht pünktlich?
Artikel III – Der große Stillstand zum Wohle aller
Für 120 Tage, eine Zeitspanne epischer Länge, gilt:
Niemand ändert irgendetwas.
Keine neuen Regeln, keine neuen Forderungen, kein neues Drama –
es sei denn, alle sind sich einig, was selten ist, aber wunderschön wäre.
Artikel IV – Von den heiligen Akten
Alle Schriften, Notizen, Tabellen und wahrscheinlich sehr langen Protokolle dieses Rates gelten fortan als Dokumente des Imperiums, verwahrt im Namen des Präsidenten.
Nach Vollendung des Werkes wandern sie ehrwürdig zur Nationalen Schlichtungsbehörde, wo sie vermutlich für immer schlafen.
Artikel V – Das Ende des Rates
Sobald der Bericht vorliegt, endet die Existenz des Rates.
Kurz, klar, effizient.
Niemand liebt unnötige Gremien mehr als Washington – außer Mir, denn Ich beende sie.
Artikel VI – Wer zahlt den Spaß
Die Kosten für dieses prachtvolle Edikt trägt das Ministerium für Transportwesen.
Sie haben Züge. Sie haben Geld. Passt.
So verkündet im Weißen Haus,
unter goldenen Decken,
mit fester Stimme und maximaler Autorität.
TRUMPIUS CAESAR
Imperator, Präsident, Schlichter der Schienen
Gegeben am XVI. Tage des September, Anno MMXXV