Im gigantischen Marmorsaal des Weißen Imperiums stand er erneut auf dem Balkon der Macht: Trumpius Caesar Maximus, Herrscher über die Vereinigten Provinzen von Amerigonien, Bezwinger der Bürokratie und selbsternannter Meister der „extrem guten Deals“. Neben ihm flatterten imperiale Banner, während irgendwo im Hintergrund ein Berater hektisch versuchte auszurechnen, warum ein Regierungsprojekt zur Anschaffung von drei Druckern plötzlich mehr kostete als eine mittelgroße Raumstation.
Und genau dort begann die große Abrechnung.
Denn Trumpius hatte genug.
Genug von Verträgen, die ursprünglich 5 Millionen Sesterzen kosten sollten und am Ende bei 700 Millionen landeten, weil irgendwo ein „strategischer Beratungsworkshop zur Optimierung interner Synergieprozesse“ eingeschoben wurde.
Genug von Regierungsauftragnehmern, die Rechnungen schrieben, als würden sie Goldbarren nach Gewicht abrechnen.
Genug von Projekten, bei denen niemand mehr wusste, was eigentlich gebaut wurde – außer vielleicht eine PowerPoint-Präsentation mit 900 Folien und dem Titel: „Visionäre Zukunftsarchitektur 2047“.
Also verkündete Trumpius Caesar mit der Energie eines Mannes, der gerade einen Taschenrechner persönlich beleidigt hatte:
„Ab heute wird bezahlt wie im echten Leben! FESTPREIS! Nicht mehr dieses magische Regierungssystem, bei dem jeder Fehler plötzlich doppelt so teuer wird!“
Im gesamten Imperium brach Panik aus.
Vor allem bei den legendären Beratungslegionen von Consultantius Globalis, McImperium & Company, und den gefürchteten Tabellenkriegern von Excelius Maxima, die jahrzehntelang auf dem heiligen Prinzip aufgebaut hatten:
„Wenn ein Projekt länger dauert, wird einfach weitergerechnet.“
Bisher lief das imperiale Vertragssystem nämlich ungefähr so:
Ein Auftragnehmer meldete sich beim Staat und sagte:
„Wir bauen euch ein digitales Verwaltungssystem.“
Der Staat fragte:
„Was kostet das?“
Und der Auftragnehmer antwortete:
„Das finden wir gemeinsam auf einer inspirierenden Reise heraus.“
Dann begann Phase 1:
Analyse.
Dann Phase 2:
Erweiterte Analyse.
Dann Phase 3:
Meta-Analyse der Analyse.
Dann kamen Workshops.
Dann Pilotphasen.
Dann Evaluierungen.
Dann Risiko-Meetings.
Dann Krisen-Meetings wegen der Risiko-Meetings.
Und irgendwann stellte man fest, dass bereits 480 Millionen ausgegeben wurden, obwohl bislang nur ein Login-Button existierte – der allerdings „visionär skaliert“ war.
Trumpius Caesar erklärte dieses System nun offiziell zum „größten Geldverschwindungstrick seit dem Bau der schwimmenden Luxusgaleere von Imperator Nero Deluxe“.
Stattdessen soll künftig gelten:
„Ihr liefert ein Ergebnis. Dafür gibt es einen festen Preis. Wenn ihr schneller seid – wunderbar. Wenn ihr grandios seid – Bonus. Wenn ihr versagt – Pech.“
Im ganzen Reich hörte man Berater gleichzeitig ihre Espressotassen fallen lassen.
Besonders dramatisch traf die Nachricht die mächtigen Ministerien.
Das Ministerium für Heimatschutz und gelegentliche Passwortänderungen durfte künftig nur noch ab 25 Millionen Sondergenehmigungen beantragen.
Die legendäre Raumfahrtbehörde NASA Maximus Galacticus erhielt eine Grenze von 35 Millionen.
Und das gigantische Kriegsministerium – inzwischen offiziell bekannt als Ministerium für Frieden durch sehr große Explosionen – bekam eine Schwelle von 100 Millionen.
Alles darüber musste persönlich abgesegnet werden.
Von echten Menschen.
Mit Unterschrift.
Eine bis dahin revolutionäre Idee.
Noch schockierender war allerdings die neue Vorschrift, wonach Behörden ihre zehn größten Chaosverträge überprüfen sollten.
Binnen 90 Tagen.
Im Regierungsapparat verbreitete sich diese Nachricht wie ein Meteoriteneinschlag in einem Verwaltungsseminar.
Hunderte Beamte starrten plötzlich auf uralte Verträge, die irgendwo zwischen 2017 und dem Untergang mehrerer Projektmanager entstanden waren.
Einige dieser Verträge galten bereits als mythologisch.
Einer davon soll angeblich ursprünglich für eine einfache Datenbank gedacht gewesen sein und mittlerweile folgende Positionen enthalten:
– Strategische Kreativmoderation
– Agile Inspirationsanalyse
– Nachhaltige Kommunikationsarchitektur
– Interaktive Stakeholder-Synchronisation
– Premium-Kaffeebegleitung für Innovationsmeetings
Gesamtkosten:
14 Milliarden Dollar.
Ergebnis:
Ein PDF mit Schreibschutz.
Trumpius Caesar Maximus bezeichnete dies als:
„Sehr schlechte Kunst.“
Besonders gefürchtet ist im Imperium nun der neue Begriff:
Leistungsorientierung.
Ein Wort, das in manchen Behörden bisher ungefähr denselben Stellenwert hatte wie „Diät“ auf einem römischen Festbankett.
Plötzlich sollen Firmen tatsächlich Ergebnisse liefern.
Pünktlich.
Im Budget.
Mit messbarer Qualität.
Die Wirtschaft reagierte entsprechend nervös.
Aktienkurse mehrerer Beratungsfirmen schwankten kurzzeitig wie ein gallischer Marktplatz nach einem Zaubertrank-Unfall.
Gleichzeitig jubelten Steuerzahler im gesamten Reich.
Viele hatten ohnehin den Verdacht, dass manche Regierungsprojekte inzwischen hauptsächlich dazu dienten, Konferenzräume mit Obsttellern und motivationalen Flipcharts zu finanzieren.
Trumpius selbst feierte die neue Verordnung wie einen militärischen Triumphzug.
Vor jubelnden Anhängern erklärte er:
„Wir werden Verträge machen wie noch nie zuvor. Fantastische Verträge. Wunderschöne Verträge. Die besten Verträge. Verträge mit Muskeln. Verträge mit Disziplin. Verträge, die nicht plötzlich dreimal teurer werden, nur weil jemand ein weiteres Strategiepapier entdeckt hat!“
Im Hintergrund weinte leise ein Senior Consultant.
Natürlich enthält das Dekret weiterhin zahlreiche Ausnahmen, Sonderregeln, Unterpunkte und Verwaltungsdetails, die ungefähr 97 Prozent aller Leser bereits nach Seite drei in einen komatösen Zustand versetzen würden.
Aber die Botschaft des Imperators ist eindeutig:
Die Ära der endlosen Kostenexplosionen soll enden.
Oder zumindest teurer begründet werden müssen.
Und irgendwo tief in den Katakomben der Bundesverwaltung sitzt nun ein Projektmanager vor einer gigantischen Excel-Datei, wischt sich den Schweiß von der Stirn und flüstert:
„Was meinen die plötzlich mit… Verantwortung?“