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Trumpius Caesar und das große Senatoren-Aktienorakel

30. September 2026  ·  admin  ·  3 Min. Lesezeit

Grafik: Trumpius Caesar stoppt das Aktienorakel
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Im gewaltigen Marmorpalast zu Washingtonium herrschte an diesem Tage große Aufregung. Trompeten erschallten, Schriftrollen wurden entrollt und irgendwo im Westflügel polierte ein besonders eifriger Hofbeamter bereits eine goldene Tafel mit der Aufschrift: „Der Kaiser hatte natürlich wieder recht.“

Denn Imperator Donaldus Trumpius Caesar Maximus, Beschützer der Börsenkurse, Bezwinger der roten Zahlen und selbsternannter Oberaufseher über sämtliche verdächtig gut getimten Wertpapiergeschäfte des Reiches, hatte einen neuen Feind entdeckt: den senatorischen Aktienhandel.

Nach Darstellung des kaiserlichen Hofes hatten die Demokratii im Senatus geschlossen gegen ein Gesetz gestimmt, das Mitgliedern des Congressiums sowie ihren Ehepartnern und abhängigen Kindern den Kauf einzelner Aktien börsennotierter Unternehmen untersagen sollte.

Für Trumpius Caesar war die Lage damit selbstverständlich völlig klar.

„Ein Senator soll Gesetze schreiben“, ließ der Imperator sinngemäß verkünden, „und nicht morgens ein Gesetz beschließen, mittags eine Aktie kaufen und nachmittags überrascht feststellen, dass er plötzlich genug Geld für eine zweite Villa in Palm Beach besitzt.“

Der Kaiser erinnerte dabei an seine große Rede vor dem versammelten Congressium, bei der er bereits den sofortigen Erlass des Lex Stoppa Insiderus Tradinus verlangt hatte.

Besondere kaiserliche Aufmerksamkeit erhielt erneut Lady Nancy Pelosia, Herzogin der Gerüchteküche und seit Jahren fester Bestandteil sämtlicher republikanischer Erzählungen über ungewöhnlich glückliche Börsengeschäfte. Trumpius soll damals sogar in den Saal gefragt haben, ob Pelosia bei seiner Forderung aufgestanden sei.

Die Antwort des Hofes lautete erwartungsgemäß:

Wahrscheinlich nicht.

Trumpius hingegen stand selbstverständlich. Trumpius steht immer. Vor allem dann, wenn Kameras eingeschaltet sind.

Nach Lesart des Weißen Palastes soll das neue Gesetz endlich verhindern, dass Politiker Informationen aus Ausschüssen, Anhörungen und Regierungsbesprechungen womöglich in private Börsenvorteile verwandeln könnten. Dass Parlamentarier gleichzeitig Regeln für Unternehmen schreiben und Aktien dieser Unternehmen besitzen können, erklärte der Hof zum politischen Äquivalent eines Schiedsrichters, der während des Spiels noch schnell auf das Ergebnis wettet.

Die Republikaner wurden daraufhin feierlich zur Legio Transparencia Maxima ernannt.

Der demokratische Senatsblock hingegen erhielt in der kaiserlichen Chronik den deutlich weniger schmeichelhaften Titel „Societas Nein-Danke-Wir-Behalten-Lieber-Das-Depot“.

Natürlich blieb auch Kaiser Barackus Obamius nicht verschont. Dessen einstiges STOCK-Gesetz wurde aus dem kaiserlichen Archiv geholt, abgestaubt und anschließend öffentlich für unzureichend erklärt. Trumpius verkündete sinngemäß, dass jetzt endlich ein Gesetz kommen müsse, das nicht bloß streng aussieht, sondern auch tatsächlich Zähne besitzt.

Am besten goldene.

Doch der kaiserliche Erlass hatte noch einen zweiten Bestandteil: die Forderung nach einem Lichtbildausweis bei Wahlen. Der Hof präsentierte diese Regelung gleich mit als weiteren Triumph des sogenannten gesunden Menschenverstands.

Damit vereinigte Trumpius Caesar in einem einzigen politischen Wagen gleich zwei seiner Lieblingsschlachten: Politiker an der Börse und Ausweise an der Wahlurne.

Ein wahrhaft majestätischer Doppelpack.

Am Ende blieb Washingtonium also wieder einmal gespalten.

Die einen sahen ein Gesetz gegen mögliche Interessenkonflikte.

Die anderen sahen zusätzliche politische Bestimmungen, über die man getrennt streiten könne.

Und Trumpius Caesar?

Der stand bereits auf dem Balkon des Palastes, blickte über sein Reich und ließ die kaiserlichen Schreiber offenbar notieren:

Wenn Senatoren den Markt besser schlagen als Wall-Street-Profis, braucht Washington vielleicht weniger Ausschüsse – und mehr Bewerbungsgespräche bei Goldman Sachs.

Denn im Imperium Trumpius gilt seit jeher:

Der kleine Bürger bekommt einen Börsennewsletter.

Der Senator bekommt eine Ausschusssitzung.

Und Trumpius bekommt anschließend die Pressekonferenz.

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