Im Imperium Americanum geschah an diesem Abend etwas, das spätere Generationen vermutlich auf Marmortafeln meißeln werden – sofern der Steinmetz seinen Transporter noch bezahlen kann.
Imperator Donaldus Trumpius Maximus, Bezwinger der Zapfsäulen, Pontifex Maximus der Tankstellen und oberster Hüter des amerikanischen Dieselkanisters, erhob sich in Nebraska vor seinem Volk und verkündete eine jener kaiserlichen Maßnahmen, bei denen selbst die Geschichtsschreiber vorsorglich zusätzliche Ausrufezeichen bestellen.
Der rote Diesel kommt!
Nicht irgendein Diesel. Nein. Roter Diesel.
Jener geheimnisvolle Treibstoff, der bislang hauptsächlich landwirtschaftlichen Maschinen, Baumaschinen und anderem Gerät vorbehalten war, das seine Tage damit verbringt, Dinge umzugraben, zu pflügen oder so viel Lärm zu machen, dass niemand mehr nach dem Verbrauch fragt.
Trumpius aber blickte auf das Reich und sprach sinngemäß:
Warum sollte nur ein Traktor billig tanken, wenn Amerika doch praktisch aus Fahrzeugen mit patriotischem Anspruch besteht?
Und so setzte der Imperator seine goldene Feder auf das kaiserliche Pergament und erließ das Edictum Dieselium Rubrum, mit dem die bisherige Trennung zwischen Straßen-Diesel und steuerbegünstigtem Offroad-Diesel vorübergehend in den kaiserlichen Straßengraben befördert wurde.
Die Botschaft aus dem Palatium Album war eindeutig: Trucker, Farmer und andere Lenker gewaltiger Maschinen sollen entlastet werden. Die entsprechende Bundessteuer wird zunächst aufgeschoben – ohne Zinsen, ohne Strafen und vermutlich auch ohne dass ein Centurio an der Zapfsäule fragt, ob dieser Pickup tatsächlich gerade einen Acker pflügt.
Die Farbe der Freiheit ist jetzt Rot
Besonders majestätisch erklärte Trumpius, beim roten Diesel handele es sich im Wesentlichen um denselben Diesel wie sonst – nur eben gefärbt und steuerlich anders behandelt.
Für den Imperator war damit die Sache praktisch entschieden.
Denn wenn zwei Flüssigkeiten gleich sind und sich hauptsächlich durch Farbe und Steuer unterscheiden, dann gibt es im Trumpianischen Naturrecht nur eine logische Konsequenz:
Die Steuer muss weg. Die Farbe darf bleiben.
Im kaiserlichen Hoflabor soll daraufhin bereits geprüft worden sein, ob sich dieses Verfahren auch auf andere Probleme übertragen lässt.
Rot gefärbte Grundsteuer.
Blau markierte Einkommensteuer.
Goldener Kaffee ohne Mehrwertsteuer.
Und vielleicht eines Tages ein kompletter Staatshaushalt, der einfach grün eingefärbt wird und deshalb offiziell als ausgeglichen gilt.
Die Legionen der Autobahn jubeln
Besonders die Legiones Truckeri Maximae, jene gewaltigen Lastwagenheere, die Tag und Nacht Waren durch das Imperium bewegen, sollen von der Maßnahme profitieren.
Denn eine große Tankfüllung verschlingt nicht nur Diesel, sondern gelegentlich auch einen erheblichen Teil dessen, was der Fahrer eigentlich gern behalten hätte.
Trumpius präsentierte deshalb die mögliche Ersparnis mit jener majestätischen Begeisterung, mit der andere Kaiser früher neue Provinzen vorstellten.
Wo einzelne Bundesstaaten dem kaiserlichen Vorbild folgen, könne die Entlastung noch größer ausfallen.
Damit beginnt nun vermutlich der große amerikanische Wettbewerb:
Wer besitzt den billigsten roten Diesel und den größten Pickup, um ihn abzuholen?
Bereits am nächsten Morgen dürften in Nebraska Fahrzeuge an Tankstellen erscheinen, deren Besitzer vorsichtshalber einen Heuballen auf die Ladefläche gelegt haben, um im Zweifelsfall als Landwirtschaft durchzugehen.
Schuld ist natürlich die Welt
Der Hof erklärte zugleich, warum Diesel überhaupt teuer geworden sei: Krieg, knappe globale Versorgung und fehlende Raffineriekapazitäten.
Mit anderen Worten: komplizierte geopolitische und wirtschaftliche Zusammenhänge.
Ein klassischer Fall für eine einfache imperiale Lösung.
Wo Ökonomen Lieferketten analysieren, Raffineriekapazitäten berechnen und internationale Energiemärkte untersuchen, benötigt Trumpius lediglich eine Unterschrift und einen Kanister mit Lebensmittelfarbe.
Problemus complexus? Lösungus Trumpius.
Der Imperator hat damit die Energiepolitik endgültig auf ihre majestätischste Grundform reduziert:
Wenn Diesel zu teuer ist, nimmt man den Diesel, der billiger ist.
Wirtschaftswissenschaftler weltweit sollen nach dieser Erkenntnis ihre Lehrbücher geschlossen und mehrere Minuten schweigend aus dem Fenster geschaut haben.
Das Wunder von Nebraska
Im Trumpianischen Hofstaat wird das Dekret selbstverständlich nicht als vorübergehende steuerliche Maßnahme betrachtet.
Es ist eine historische Befreiung des Diesels.
Jahrzehntelang musste der rote Kraftstoff fern der Highways sein Dasein in Traktoren, Baggern und Maschinen fristen.
Nun darf er hinaus.
Auf die Interstate.
In die Freiheit.
Vielleicht fährt irgendwo gerade der erste Tankwagen mit rotem Diesel über den Highway, während im Hintergrund ein Weißkopfseeadler majestätisch kreist und ein Farmer seine Kappe abnimmt.
Und über allem wacht Trumpius Caesar, Imperator der Zapfsäulen, Protector Truckorum, Defensor Farmerorum und neuerdings auch Pontifex Maximus Rubri Dieselii.
Andere Herrscher teilten einst Brot aus.
Trumpius verteilt Diesel.
Andere Kaiser färbten ihre Mäntel purpur.
Trumpius färbt den Treibstoff rot.
Und sollte der Sprit irgendwann wieder teurer werden, besitzt das Imperium immerhin bereits einen ausgereiften Notfallplan:
Man braucht keine neue Energiepolitik. Man braucht offenbar nur noch mehr Farben.

