Rom am Potomac erzittert erneut. Nicht wegen eines Vulkans, nicht wegen eines Kometen und auch nicht, weil Senatorus Tedus Cruzus versehentlich versucht hätte, einen Toaster zu filibustern. Nein: Der Kaiserliche Rat der Ökonomischen Weissager hat gesprochen.
Und was er verkündet, klingt ungefähr so, als hätte Nostradamus einen Taschenrechner verschluckt.
Unter der ruhmreichen Herrschaft von Imperator Donaldus Trumpius Maximus, Bezwinger der Inflation, Beherrscher der Zölle und selbst ernannter Patron sämtlicher amerikanischer Brieftaschen, wurde ein Bericht veröffentlicht, dessen Botschaft kaum bescheidener sein könnte: Wenn die sozialistischen Barbaren ihre Pläne verwirklichen, werde Amerika finanziell ungefähr dort landen, wo Rom nach einem verlängerten Wochenende mit Nero stand.
Der Titel des Orakels lautet sinngemäß: „Die wahren Kosten des Sozialismus in Amerika“.
Und Trumpius' Hofgelehrte haben gerechnet.
Sie haben sehr viel gerechnet.
So viel, dass vermutlich mehrere Abakusse wegen Überhitzung ausgetauscht werden mussten.
Am Ende stand eine Zahl von derart imperialer Größe, dass selbst Trumpius kurz überlegt haben dürfte, sie nach sich selbst zu benennen: rund 49 Billionen Dollar.
Der kaiserlichen Darstellung zufolge entspräche das mehreren Hunderttausend Dollar pro amerikanischem Haushalt. Oder, in offizieller Trumpius-Währung gerechnet: ungefähr drei goldene Wolkenkratzer, sieben Golfplätze und ein mittelgroßes Verteidigungsministerium pro Familie.
Die sozialistische Schreckenskammer
Im Bericht öffnet sich sodann das Kabinett des Grauens.
Da wären offene Grenzen. Generalamnestien. Weniger Polizei. Keine Gefängnisse. Staatliche Gesundheitsversorgung. Erlass von Studentenschulden.
Kurz gesagt: Alles, was der Palast braucht, um aus einer politischen Programmdiskussion die Vorschau auf „Mad Max: Washington Edition“ zu machen.
Die Botschaft des Hofes ist entsprechend feinfühlig:
Wenn die politischen Gegner an die Macht kommen, steigen angeblich Preise, Zinsen und Steuern, Arbeitsplätze verschwinden, Häuser werden unerschwinglich und vermutlich kostet irgendwann sogar das Nachfüllen des Salzstreuers eine Luxussteuer.
Imperator Trumpius stellt klar: Unter ihm werde Amerika niemals kommunistisch.
Das ist wichtig, denn offenbar stand das Land laut Palastmitteilung bereits kurz davor, dass sämtliche Starbucks-Filialen kollektiviert und Golfcarts nur noch nach staatlichem Fünfjahresplan ausgegeben werden.
Dann kam Trumpius
Zum Glück, so die kaiserliche Chronik, bestieg Trumpius erneut den goldenen Regierungsthron.
Seitdem, behauptet der Palast, kehre das Geld zurück in die Taschen der Untertanen. Arbeitsplätze sprießen. Fabriken erwachen. Energie fließt. Preise sinken. Häuser werden erschwinglicher. Kriminalität geht zurück.
Mit anderen Worten: Amerika erlebt laut Hofbericht eine Renaissance, gegen die die italienische Renaissance wie die Renovierung einer Bushaltestelle wirkt.
Besonders stolz ist das Imperium auf Steuerentlastungen.
Keine Steuern auf Trinkgelder!
Keine Steuern auf Überstunden!
Steuerliche Entlastungen für Renteneinkommen!
Mehr Familienförderung!
Im kaiserlichen Washington klingt das ungefähr so, als hätte Trumpius persönlich nachts die Steuerformulare der Bürger besucht, mit rotem Filzstift mehrere Felder durchgestrichen und dabei gerufen:
„THIS TAX IS FIRED!“
Brot, Energie und Produktionsrekorde
Auch die amerikanischen Fabriken sollen laut Bericht wieder marschieren.
Stahl wird produziert, Maschinen rattern, Arbeiter verdienen mehr und irgendwo im Mittleren Westen läuft vermutlich eine Maschine ausschließlich deshalb besonders schnell, weil jemand ein Porträt von Trumpius darüber aufgehängt hat.
Hinzu kommt die Energie.
Öl!
Gas!
Förderrekorde!
Mehr Energie soll kommen, und sie soll günstiger werden.
Der Imperator verspricht außerdem, dass normale Bürger nicht für den industriellen und technologischen Boom bezahlen sollen.
Das ist bemerkenswert, denn normalerweise folgt auf die Worte „historischer Wirtschaftsboom“ spätestens drei Absätze später eine Rechnung.
Grenzen dicht, Gefängnisse auf
Auch bei Migration und Kriminalität präsentiert der Palast sein vertrautes Monumentalgemälde.
Die Grenze sei wieder gesichert. Millionen Menschen seien abgeschoben worden. Die Kriminalität sinke dramatisch. Die Polizei werde wieder respektiert.
In der Trumpius-Version der Vereinigten Staaten ist somit praktisch alles gleichzeitig gelöst:
Grenze?
Gelöst.
Inflation?
Wird gelöst.
Energie?
Gelöst.
Arbeitsplätze?
Sehr gelöst.
Wohnungsmarkt?
Auf dem Weg zur Lösung.
Politische Gegner?
Kosten angeblich 49 Billionen.
Damit hat der kaiserliche Hof eine bemerkenswert effiziente politische Formel gefunden:
Eigene Politik = Renaissance.
Andere Politik = wirtschaftlicher Meteoriteneinschlag.
Der imperiale Schluss
Und so endet die Botschaft aus dem Marmortempel von Washington mit der vermutlich bescheidensten Erkenntnis der gesamten Epoche:
Nur Trumpius könne diese Entwicklung möglich machen.
Noch viel mehr werde folgen.
Was genau?
Niemand weiß es.
Vielleicht günstigere Häuser.
Vielleicht niedrigere Energiepreise.
Vielleicht eine nationale Marmorsäulenpflicht.
Sicher ist lediglich:
Wenn der nächste Bericht des Kaiserlichen Ökonomenrates erscheint, sollte Amerika vorsichtshalber einen größeren Taschenrechner bestellen.
Denn unter Donaldus Trumpius Maximus werden nicht nur politische Unterschiede beschrieben.
Sie werden in Billionen gemessen.
Und wenn politische Gegner dabei nicht mindestens den Gegenwert eines kleineren Planeten kosten, war die Excel-Tabelle offenbar noch nicht majestätisch genug.

