WASHINGTONIA IMPERIALIS. Im goldenen Zentrum des Imperium Americanum ist erneut etwas geschehen, das gewöhnliche Republiken vermutlich als „Partnerschaftsprogramm“ bezeichnen würden. Im Reich des Trumpius Caesar hingegen handelt es sich selbstverständlich um nichts Geringeres als die feierliche Vereinigung der mächtigsten Silizium-Legionen des Planeten unter dem Banner der Zukunft.
Angeführt wird der große Feldzug diesmal nicht direkt von Imperator Donaldus Trumpius Maximus, Erbauer von Mauern, Verkünder von Dekreten und selbsternannter Großarchitekt praktisch aller Dinge seit Erfindung des Marmors. Stattdessen schreitet Melania Augusta Prima, Erste Dame des Imperiums und Hohe Protektorin der kommenden Generationen, durch die Säulenhallen Washingtonias.
Ihr Programm trägt den verheißungsvollen Namen „Fostering the Future Together“, was im kaiserlichen Latein ungefähr bedeutet: Wir nehmen die Zukunft, stellen sechs Technologiekonzerne daneben und schauen, ob daraus etwas Historisches wird.
Und tatsächlich erschienen sechs gewaltige Häuser des digitalen Reiches vor dem Thron.
Da wäre zunächst Adobius Creativus, Herr über Bilder, Dokumente und jene mystischen PDF-Schriftrollen, die sich seit Jahrhunderten bevorzugt genau dann nicht bearbeiten lassen, wenn man es besonders dringend benötigt.
Es folgt Amazonia Maxima, die Handelsmacht, deren Kuriere vermutlich selbst einen Legionärshelm noch am selben Tag bis vor die Palasttür liefern könnten. Amazonia bringt nicht nur Lehrprogramme mit, sondern auch einen KI-Codierassistenten für Millionen junger Menschen. Endlich kann der Nachwuchs lernen, Programmcode zu schreiben, bevor er überhaupt herausgefunden hat, warum der Drucker zu Hause „offline“ ist.
Dann marschiert Intellius Siliconicus auf, Hüter der Chips und Beschützer der Halbleiter. Seine Bildungsprogramme sollen quer durch zahlreiche Provinzen des Planeten getragen werden. Früher brachte Rom Straßen, Aquädukte und Verwaltung. Das Trumpius-Imperium bringt offenbar Prozessorarchitekturen und Fortbildungen.
Googlius Omniscientus, das allwissende Orakel von Mountain View, legt ebenfalls beträchtliche Mittel auf den Altar der Bildung. Seine Mission: Lehrkräfte sollen weiterhin das Kommando behalten, während künstliche beziehungsweise möglicherweise bald kaiserlich-superkünstliche Intelligenz immer tiefer in die Klassenzimmer einzieht.
Ein beruhigender Gedanke.
Denn irgendwo muss schließlich noch ein Mensch sitzen, der weiß, wann die KI gerade überzeugend Unsinn erzählt.
Aus den Sternen nähert sich außerdem Stellalinkus Muskius, dessen himmlische Satellitenkonstellation Internet bis in jene Regionen bringen soll, in denen bislang selbst der römische Straßenbau kapituliert hätte.
Und schließlich erscheint Zoomius Conferentius, Großmeister der digitalen Versammlung. Sein Beitrag dürfte besonders wertvoll sein, denn eine globale Initiative wäre kaum vollständig, wenn nicht irgendwo mindestens ein Teilnehmer sagen könnte:
„Ihr Mikrofon ist noch stumm.“
Die Zukunft erhält einen kaiserlichen Software-Stack
Melania Augusta erklärte sinngemäß, Kinder müssten durch Technologie und Bildung gestärkt werden. Dazu brauche es Partnerschaften mit führenden Innovatoren und globalen Unternehmen.
Im Palast wurde daraus unverzüglich eine imperiale Vision:
Kinder + Bildung + Technologie + globale Konzerne = Zukunft.
Eine Gleichung von solcher majestätischen Klarheit, dass selbst das Finanzministerium vermutlich kurz ehrfürchtig seinen Taschenrechner ausschaltete.
Gemeinsam stellen die neuen Verbündeten erhebliche Mittel, Programme, Software und Fachwissen bereit. Googlius bildet Lehrkräfte fort, Intellius schult Nachwuchs, Adobius verteilt kreative Werkzeuge, Amazonia bringt Programmierhilfe, Zoomius fördert Projekte und Stellalinkus verbindet vermutlich alles miteinander, solange gerade freie Sicht zum Himmel besteht.
Trumpius Caesar soll die Nachricht aus den Privatgemächern des Imperiums mit jener stillen kaiserlichen Bescheidenheit aufgenommen haben, für die er weltberühmt ist.
Überliefert ist keine Äußerung.
Die Chronisten des Reiches vermuten jedoch, sie hätte ungefähr gelautet:
„Sechs Unternehmen. Riesige Unternehmen. Vielleicht die besten Unternehmen, die jemals sechs Unternehmen gleichzeitig waren.“
Von Washingtonia bis in die Provinzen der Erde
„Fostering the Future Together“ soll inzwischen zahlreiche Staaten verbinden und seine kaiserlichen Bildungstreffen weiter über den Globus tragen. Von den G20-Provinzen über Südostasien und Europa bis in die Karibik wird künftig konferiert, vernetzt, ausgebildet und selbstverständlich sehr bedeutend dreingeschaut.
Damit entsteht Stück für Stück das vielleicht modernste Bündnis des Trumpius-Zeitalters:
Keine Legionen.
Keine Kriegselefanten.
Keine Katapulte.
Stattdessen Cloud-Dienste, Videokonferenzen, Satelliteninternet, Halbleiter, KI-Assistenten und digitale Kreativprogramme.
Julius Caesar eroberte Gallien.
Augustus baute Rom aus Marmor.
Und das Imperium Trumpius?
Das eröffnet offenbar einen globalen Gruppenchat.
SPQR – Senatus Populusque Router.
Und irgendwo in Washingtonia fragt bereits der erste Senator:
„Kann mich jemand hören?“

