WASHINGTONIUM – Lange hatte man geglaubt, das Imperium habe seine gefährlichsten Gegner bereits identifiziert: Senatoren, Journalisten, Bürokraten, Windräder, schlechte Umfragewerte und gelegentlich Menschen, die bei Pressekonferenzen Fragen stellen.
Doch nun wurde im Palatium Albus ein Feind entdeckt, der noch heimtückischer operiert.
Er ist klein.
Er wartet im Gras.
Er trägt keinen Presseausweis.
Die Zecke.
Und deshalb griff Imperator Donaldus Trumpius Caesar Maximus zur mächtigsten Waffe, die einem Herrscher von Washingtonium zur Verfügung steht: dem goldenen Unterzeichnungsstift.
Mit einer majestätischen Bewegung setzte der Caesar seine Signatur unter Senatus-Dekret S. MMCCCXCVIII, in den Chroniken der gewöhnlichen Sterblichen bekannt als Kay Hagan Tick Reauthorization Act.
Damit werden die imperialen Programme zur Bekämpfung von Krankheiten, die durch Zecken und andere sogenannte Vektoren übertragen werden können, bis zum Jahre MMXXX fortgeführt.
Oder wie man es am Hofe ausdrückte:
ROMA MAGA HAT JETZT AUCH DIE WIESE UNTER KONTROLLE.
Trumpius gegen den Achtbeiner
Der Vorgang dürfte im Palatium ungefähr folgendermaßen abgelaufen sein:
Ein Hofbeamter betrat vorsichtig das Ovalium Officium.
„Caesar, wir haben ein Problem.“
Trumpius blickte vom goldgerahmten Porträt seiner selbst auf.
„China?“
„Nein, Caesar.“
„Die Demokratici?“
„Nein.“
„Fake News?“
„Auch nicht.“
Stille.
„Zecken.“
Trumpius legte langsam den Stift nieder.
„Wie groß?“
„Sehr klein.“
„Dann sind sie feige.“
Damit war die strategische Lage analysiert.
Operation Grasbüschel
Denn Trumpius Caesar weiß: Ein Imperium darf niemals Schwäche zeigen. Schon gar nicht gegenüber einem Organismus, der sich im Unterholz versteckt und ohne Genehmigung Blut entnimmt.
Andere Regierungen hätten womöglich von Prävention, Forschung, Gesundheitsbehörden, regionalen Kompetenzzentren und langfristiger Gesundheitsvorsorge gesprochen.
Nicht Trumpius.
Im neuen imperialen Narrativ marschieren bereits mehrere Legionen Richtung Vorgarten.
Die Legio Repellentia sichert die Picknickdecken.
Die Cohors Dermatologica kontrolliert Kniekehlen.
Und die berüchtigte Praetoria Tweezeris steht mit Pinzetten bereit, um jeden feindlichen Achtbeiner aus dem Imperium zu entfernen.
Gerüchten zufolge soll der Caesar verlangt haben, sämtliche Zecken müssten künftig vor Betreten amerikanischer Haut einen Einreiseantrag stellen.
Das Ministerium für Heimatschutz dementierte vorsorglich alles, was noch niemand gefragt hatte.
Ein historischer Sieg – vermutlich
Im Palatium Albus wurde unterdessen bereits über die historische Dimension der Unterzeichnung nachgedacht.
Noch Caesar Augustus ließ sich von germanischen Stämmen ärgern.
Napoleon scheiterte am russischen Winter.
Trumpius dagegen hat einen Gegner gewählt, der bequem zwischen zwei Grashalmen Platz findet.
Strategisch brillant.
Sollte die große Zeckenoffensive erfolgreich sein, könnten spätere Generationen womöglich sagen:
Hier begann jene glorreiche Epoche, in der Amerika endlich wieder ohne Angst durch kniehohes Gras laufen konnte.
Das Aureum Aetatum Repellentiae.
Das goldene Zeitalter des Insektensprays.
Der imperiale Erlass
Und so verkündeten die Trompeter des Hofes:
SPQR – Senatus Populusque Roma MAGA –
Der Caesar hat gesprochen.
Die Programme laufen weiter.
Die Behörden dürfen weiterforschen.
Die Gesundheitsämter erhalten weiterhin Unterstützung.
Und irgendwo in einem amerikanischen Waldstück sitzt gerade eine Zecke auf einem Grashalm, blickt nervös Richtung Washingtonium und erkennt:
Es ist vorbei.
Denn gegen diesen Gegner kämpft nun nicht einfach eine Gesundheitsbehörde.
Nein.
Jetzt kämpft das gesamte Imperium.
Mit Strategie.
Mit Wissenschaft.
Mit Bürokratie.
Und vor allem mit dem mächtigsten Instrument der westlichen Zivilisation:
einer präsidialen Unterschrift unter einem Gesetz, das bestehende Programme verlängert.
Trumpius Caesar erhob daraufhin vermutlich den goldenen Stift, blickte hinaus über die Gärten des Palatium und dachte:
Veni. Vidi. Zecki.
Rom hat viele Feinde besiegt.
Aber erst unter Trumpius Caesar musste selbst das Unterholz lernen:
Wer Amerika aussaugen will, braucht künftig Konkurrenz vom Steuerwesen.

