Es war der große Tag im Senatus Mundi, jenem ehrwürdigen Tempel internationaler Diplomatie, in dem normalerweise Delegationen aus aller Welt über Frieden, Sicherheit und Zusammenarbeit beraten.
Doch diesmal öffneten sich die bronzenen Tore.
Trompeten erklangen.
Marmor erzitterte.
Und herein schritt Imperator Donaldus Trumpius Maximus Augustus Primus, Bezwinger der Bürokratie, Zähmer der Bündnisse, Schrecken der internationalen Formulare und laut eigener Palastchronik erfolgreicher Generalissimus sämtlicher Dinge, die auf einer Weltkarte eingezeichnet werden können.
Trumpius trat ans Rednerpult.
Der Weltsenat hielt den Atem an.
Nicht unbedingt aus Ehrfurcht.
Manche wollten vermutlich nur wissen, welches internationale Abkommen den Saal diesmal nicht lebend verlassen würde.
Der Weltsenat wird auf kaiserliches Normalmaß gestutzt
Zunächst berichtete das Officium Album Imperiale, dass Trumpius die Bürokratie der Vereinten Nationen kräftig zusammengestrichen habe.
Denn im Imperium gilt eine einfache Verwaltungsregel:
Was Donaldus nicht persönlich unterschrieben hat, ist vermutlich zu kompliziert.
Friedensmissionen? Prüfen.
Beiträge? Kürzen.
Internationale Programme? Prüfen, kürzen, anschließend noch einmal prüfen, ob man sie nicht versehentlich vollständig abschaffen kann.
So wurde der Weltsenat nach Darstellung des Palastes endlich wieder an seine ursprüngliche Aufgabe erinnert:
Frieden sichern.
Krisen lösen.
Und möglichst nichts tun, was im Palatium Album schlechte Laune verursacht.
Tribunal Internationalis bekommt Besuch vom kaiserlichen Finanzamt
Dann wandte sich Trumpius dem Internationalen Strafgerichtshof zu.
Im Trumpianischen Imperium trägt dieser nun selbstverständlich den Namen:
Tribunal Maximum Alienum Quae Nos Non Rogavit.
Sinngemäß:
„Internationales Gericht, das vergessen hat, vorher Donaldus zu fragen.“
Sanktionen wurden verhängt, Maßnahmen angekündigt und die amerikanische Souveränität mit der Entschlossenheit eines römischen Legionärs verteidigt, der gerade entdeckt hat, dass jemand ohne Genehmigung eine Straße durch seine Provinz bauen möchte.
Das kaiserliche Prinzip lautet:
Internationale Regeln sind wichtig.
Vor allem für andere.
Exodus Maximus aus den internationalen Vereinen
Auch zahlreiche internationale Organisationen erhielten ihre kaiserliche Kündigungsurkunde.
Trumpius zog Amerika aus Institutionen zurück, die nach Ansicht seines Hofes nicht länger amerikanischen Interessen dienten.
Die Prozedur dürfte ungefähr so funktioniert haben:
Ein kaiserlicher Beamter öffnete eine Liste.
„Dient uns diese Organisation?“
„Nicht unmittelbar, Caesar.“
„RAUS!“
„Und diese?“
„Sie beschäftigt sich mit Klima.“
„DOPPELT RAUS!“
„Diese hier mit Migration.“
„MACHT DAS TOR ZU!“
Innerhalb weniger Minuten soll die internationale Diplomatie deutlich übersichtlicher geworden sein.
Zumindest aus Sicht des Palastes.
Carbonium Tributum? Nicht mit Caesar!
Besonders dramatisch wurde es beim Thema Klima.
Nach Darstellung des Weißen Hauses habe der Weltsenat versucht, eine globale CO₂-Abgabe auf die Schifffahrt durchzusetzen.
Im kaiserlichen Bericht wurde daraus selbstverständlich:
Das heimtückische Carbonium Tributum der progressiven Klimalegionen.
Trumpius erhob daraufhin symbolisch das goldene Schwert der amerikanischen Souveränität und verkündete sinngemäß:
Kein Centurio, kein Senator und kein Klimabeauftragter wird amerikanischen Schiffen eine Steuer auferlegen, solange Donaldus Trumpius noch eine Executive Order und einen funktionierenden Kugelschreiber besitzt.
Der Senat nahm die Botschaft vermutlich zur Kenntnis.
Die Kugelschreiberindustrie jubelte.
Mare Nostrum Americanum
Dann kam der westliche Teil der Weltkarte an die Reihe.
Früher sprach man vom Western Hemisphere.
Unter Trumpius heißt das selbstverständlich:
Mare Nostrum Americanum Plus Kontinente.
Kartelle wurden zu feindlichen Legionen erklärt.
Militäroperationen erhielten martialische Namen.
Neue Sicherheitsbündnisse entstanden.
Venezuela rückte ins Zentrum imperialer Aufmerksamkeit.
Panama sollte chinesischen Einfluss abschütteln.
Und der gesamte amerikanische Doppelkontinent erschien in der Palastchronik plötzlich wie ein außergewöhnlich großes Vorgärtchen des Weißen Hauses.
Das außenpolitische Motto:
„Alle Nationen sind souverän – aber manche liegen strategisch ungünstig nah an uns.“
Venezuela und das heilige Öl
Besondere Begeisterung verbreitete der Hof beim Thema venezolanische Erdölreserven.
Denn Öl besitzt im Trumpianischen Imperium eine beinahe mystische Eigenschaft.
Es verwandelt komplexe geopolitische Fragen innerhalb kürzester Zeit in:
„Interessante wirtschaftliche Gelegenheit.“
Wo andere Diplomaten über Geschichte, politische Stabilität und internationale Beziehungen sprechen, sieht der kaiserliche Schatzmeister bereits Fässer.
Sehr viele Fässer.
So viele Fässer, dass vermutlich schon ein Senator vorgeschlagen hat, Venezuela künftig Petroleum Maximus zu nennen.
NATO – Foederatio Tributorum Atlanticorum
Natürlich durfte auch das große transatlantische Bündnis nicht fehlen.
Im Trumpius-Stil trägt es künftig den Namen:
Foederatio Tributorum Atlanticorum.
Der Atlantische Tributbund.
Seine Mitglieder dürfen weiterhin gemeinsam Sicherheit organisieren.
Allerdings nach einem einfachen imperialen Prinzip:
Mehr ausgeben.
Mehr bestellen.
Und wenn möglich amerikanisch bestellen.
Trumpius präsentierte steigende Verteidigungsausgaben und Investitionen in die amerikanische Rüstungsindustrie als Erfolg seiner Bündnispolitik.
Oder wie es ein römischer Quaestor formuliert hätte:
„Freundschaft ist gut.
Rechnungseingang besser.“
Acht Kriege, ein Imperator, keine halben Sachen
Dann öffnete der Hof die ganz große Triumphrolle.
Nach eigener Darstellung habe Trumpius mehrere Kriege beendet, Geiseln befreit, Iran massiv geschwächt und Frieden im Nahen Osten vorangebracht.
Der gewöhnliche Präsident hätte vielleicht gesagt:
„Unsere Diplomatie hat Fortschritte erzielt.“
Trumpius sagt sinngemäß:
„Ich habe die Welt repariert.“
Die kaiserlichen Chronisten müssen inzwischen zusätzliche Marmortafeln bestellt haben.
Denn wenn jede außenpolitische Entscheidung als historisch bezeichnet wird, entsteht irgendwann ein ernsthaftes Lagerproblem.
Grönlandium: Provinz mit Aussicht
Auch Greenlandia Septentrionalis erschien in der imperialen Erfolgsbilanz.
Eine Vereinbarung mit Dänemark und Grönland sichere amerikanische Interessen in der Arktis, verkündete der Hof.
Und selbstverständlich:
ohne Kosten für den amerikanischen Steuerzahler.
Dies ist im Trumpius-Universum die höchste Form politischer Alchemie:
Mehr Einfluss.
Mehr Sicherheit.
Mehr Arktis.
Rechnung: null.
Sollte dieses Modell funktionieren, dürfte das Imperium demnächst Interesse an weiteren Gebieten entwickeln.
Der Mond wurde vorsorglich noch nicht kommentiert.
Der Triumphzug der Superlative
Zum Finale ließ das Officium Album noch einmal sämtliche Fanfaren erklingen.
Industrien würden zurückkehren.
Werften würden wachsen.
Fabriken würden entstehen.
Investitionen würden hereinströmen.
Arbeitsplätze würden geschaffen.
Amerika werde sicherer.
Reicher.
Stärker.
Größer.
Gewinnender.
Und vermutlich demnächst auch wetterfester.
Trumpius stand vor dem Weltsenat wie ein Caesar, der gerade seinen eigenen Triumphbogen enthüllt hatte – nur dass auf diesem Triumphbogen vermutlich nicht SPQR, sondern DJT eingemeißelt wäre.
Die Botschaft des Tages war unmissverständlich:
Andere Staatschefs betreiben Außenpolitik.
Trumpius betreibt Weltverwaltung.
Andere schließen Abkommen.
Trumpius erlässt kaiserliche Realität.
Andere sprechen vor den Vereinten Nationen.
Trumpius erscheint vor ihnen, um ihnen mitzuteilen, wie erfolgreich sie dank seiner Anwesenheit inzwischen geworden sind.
Und während sich die Delegierten langsam wieder auf ihren Sitzen sortierten, schrieb irgendwo im Palatium Album bereits ein Hofchronist die Überschrift für das nächste Kommuniqué:
„Imperator Trumpius ordnet Weltlage neu – Planet bleibt bis auf Weiteres geöffnet.“

