Im goldveredelten Regierungspalast von Washingtonium wurde eine medizinische Sensation verkündet: Der weibliche Körper soll künftig erforscht werden, bevor der Kaiser abschließend erklärt, wie hervorragend er ihn bereits versteht. Für das Imperium ist das ein bemerkenswerter Fortschritt. Bislang galt dort vieles als ausreichend untersucht, sobald Trumpius Caesar einmal mit zusammengekniffenen Augen darauf gezeigt hatte.
Den feierlichen Auftritt übernahm Melania Augusta, Hüterin der makellosen Gewänder und Großmeisterin der Gesichtsmuskeldisziplin. Sie verkündete eine neue Ära der Frauengesundheit. Frühere Generationen hätten für Rechte gekämpft, nun werde man Heilmittel entdecken. Der Hof nickte erleichtert: Entdeckungen ließen sich wunderbar präsentieren, während Rechte häufig diese lästigen Rückfragen verursachten.
Trumpius Caesar hatte das entsprechende Dekret bereits unterzeichnet. Der Federstrich war so ausladend ausgefallen, dass mehrere kleinere Forschungsgebiete vorübergehend unter seiner Signatur verschwanden.
Die Medizin bekommt eine Taskforce und damit endlich einen Sitzungstermin
Das Dekret errichtet eine Taskforce im Weißen Palast sowie eine neue Abteilung innerhalb der Nationalen Institute für Heilkunst und Sonstige Noch Nicht Nach Trumpius Benannte Einrichtungen.
Damit steht fest: Wo Frauen bislang auf Antworten warteten, können künftig zunächst Zuständigkeiten geklärt werden. Ein gewaltiger Schritt für die Verwaltungsmedizin. Endlich erhält die Frage „Warum wurde das so lange übersehen?“ einen eigenen Verteiler.
Die erste Arbeitssitzung sollte noch am selben Nachmittag beginnen. Am Hof galt dies bereits als beschleunigter Therapiezugang, weil zwischen Ankündigung und Konferenz offenbar kein einziges Wochenende lag.
Melania Augusta präsentierte dazu ihre fünf Säulen der Gesundheitsinnovation. Architekten wurden vorsorglich hinzugezogen. Bei fünf Säulen witterte der Kaiser sofort einen repräsentativen Anbau.
Die erste Säule: Geld soll dorthin, wo die Forschungslücken sind
Erforscht werden sollen Krankheiten, die Frauen auf besondere Weise betreffen. Eine vernünftige Idee, die im Palast zunächst für Unruhe sorgte: Wenn Forschungsgelder tatsächlich nach medizinischem Bedarf verteilt würden, müsste womöglich jemand erklären, weshalb ein goldener Festsaal keine Vorsorgeeinrichtung ist.
Der kaiserliche Hofarzt versuchte zu vermitteln. Auch ein Festsaal könne schließlich das Wohlbefinden steigern. Allerdings überwiegend das des Eigentümers.
Die zweite Säule: Superintelligenz trifft auf höfische Selbstüberschätzung
Fortschrittliche künstliche Intelligenz soll helfen, weibliche Biologie besser zu verstehen und Entdeckungen zu beschleunigen.
Trumpius Caesar zeigte sich begeistert. Endlich bekam die Regierung eine zusätzliche Intelligenzquelle, die man bei Bedarf vom Strom nehmen konnte.
Das System wurde probeweise gefragt, weshalb Frauenbeschwerden so lange unterschätzt worden seien. Es begann mit einer umfangreichen Analyse historischer Versäumnisse. Der Hof verlangte umgehend eine kürzere Antwort mit stärkerem Fokus auf die Leistungen des gegenwärtigen Kaisers.
Die dritte Säule: Heilmittel auf die Überholspur
Vielversprechende Therapien sollen schneller aus den Laboren zu Patientinnen gelangen, bei weiterhin strengen Sicherheitsstandards.
Trumpius gefiel vor allem das Wort „schneller“. Bei „Sicherheitsstandards“ blätterte er bereits zu einer möglichen Einweihungszeremonie weiter.
Die Forschenden bestanden darauf, dass Medikamente sorgfältig geprüft werden müssten. Ein Hofbeamter erkundigte sich daraufhin, ob wenigstens die Erfolgsmeldung schon vorab zugelassen werden könne.
Die vierte Säule: Bezahlbare Wunder für alle
Medizinische Durchbrüche sollen Frauen unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten erreichen. Die anwesenden Vertreter der privaten Heilmittelgilden applaudierten mit jener kontrollierten Begeisterung, mit der Kaufleute das Wort „bezahlbar“ vernehmen, solange noch niemand einen Preis nennt.
Man verständigte sich zunächst darauf, den Zugang möglichst breit zu gestalten. Der Finanzierungsplan wurde zur weiteren Behandlung an die Zukunft überwiesen.
Die fünfte Säule: Schluss mit dem Schweigen
Offene Gespräche, Aufklärung und Mitgefühl sollen alte Tabus ersetzen. Frauen jeden Alters sollen gehört werden und ein selbstbestimmtes Leben führen können.
Der Hof begrüßte diese Botschaft ausdrücklich. Für die offene Aussprache war nach den Grußworten, Danksagungen und Kameraschwenks ein großzügiges Zeitfenster vorgesehen, dessen genaue Lage noch ermittelt wurde.
Zum Abschluss dankte Melania Augusta dem Kaiser für seine Unterstützung. Trumpius erhob sich zufrieden. Fünf Säulen, neue Behörden, wissenschaftlicher Fortschritt: Das ließ sich sehen.
Dann fragte eine Ärztin, wann die Patientinnen mit konkreten Verbesserungen rechnen könnten.
Der Kaiser deutete auf die Fotografen.
Die erste Behandlung hatte längst begonnen: Sein Image war wieder kerngesund.

