Im goldüberladenen Palatium zu Washingtonium hat Imperator Trumpius Caesar eine medizinische Sensation verkündet: Frauen besitzen eine Gesundheit. Diese könne, so die jüngsten Erkenntnisse der kaiserlichen Hofverwaltung, sogar unterschiedliche Bedürfnisse haben. Je nach Lebensphase. Mitunter unabhängig davon, ob gerade Wahlkampf ist.
Der Imperator reagierte unverzüglich. Er griff zum monumentalen Unterschriftenzepter und unterzeichnete ein Dekret, dessen Titel bereits länger war als manche ärztliche Sprechstunde. Fortan solle die Gesundheit der weiblichen Bevölkerung in sämtlichen Lebensphasen verbessert werden. Die Hofchronisten jubelten: Endlich ein Herrscher, der das Altern bekämpft, ohne zunächst dem Kalender mit Strafzöllen zu drohen.
Die Frau: medizinisch entdeckt, kaiserlich vereinnahmt
Das Dekret benennt zahlreiche Erkrankungen, die bislang unzureichend erforscht oder behandelt wurden: Herzleiden, chronische Schmerzen, Endometriose, Osteoporose und vieles mehr. Eine lange Liste, die selbst Trumpius kurz verstummen ließ – bis ein Berater erklärte, keine dieser Krankheiten sei nach ihm benannt.
„Ein Versäumnis der Wissenschaft“, befand der Caesar.
Nun sollen Erkenntnisse schneller in die Versorgung gelangen. Eine revolutionäre Vorstellung im Imperium, wo ein Forschungsergebnis bislang zunächst durch mehrere Behörden, verschiedene Zuständigkeiten und eine Kommission zur Prüfung seiner Weiterleitungsfähigkeit reisen musste, bevor es erschöpft die Arztpraxis erreichte.
Künftig werde dieser Weg beschleunigt. Dafür entstehe zunächst eine neue Verwaltungseinheit.
Mehr Durchbruch durch mehr Türschilder
In den Nationalen Instituten der Hofheilkunst wird eine eigene Division für Frauengesundheit eingerichtet. Diese soll mit dem bereits vorhandenen Büro für Frauengesundheitsforschung zusammenarbeiten.
Damit ist die Zuständigkeit endlich geklärt: Das neue Haus kümmert sich gemeinsam mit dem alten Haus darum, dass künftig alle Häuser besser zusammenarbeiten.
Die Hofschreinerei meldete bereits einen historischen Aufschwung bei vergoldeten Türschildern.
Inhaltlich soll die Division Forschung koordinieren, moderne Technologien fördern, Frauen stärker in klinische Studien einbeziehen und prüfen, ob geförderte Projekte biologische Unterschiede angemessen berücksichtigen. Auch Wiederholungsstudien sind vorgesehen.
Trumpius begrüßte das ausdrücklich. Schließlich lasse sich eine Behauptung durch Wiederholung erheblich verbessern. Die Hofgelehrten verzichteten darauf, den Unterschied zwischen wissenschaftlicher Überprüfung und kaiserlicher Pressearbeit näher auszuführen.
Die Taskforce rückt aus
Zusätzlich gründet der Caesar eine prächtige Taskforce unter gemeinsamer Führung des Gesundheitspräfekten und der obersten Palastkanzlerin.
Mit am Tisch sitzen Vertreter für Landwirtschaft, Arbeit, Bildung, Umwelt und Veteranen – sowie der Kriegspräfekt.
Dessen Anwesenheit verleiht der Früherkennung die nötige Entschlossenheit. Sollte eine Erkrankung nicht freiwillig zurückweichen, kann sie wenigstens zunächst zur Sicherheitsbedrohung erklärt werden.
Die Taskforce darf Anhörungen, Sitzungen und runde Tische veranstalten. Besonders runde Tische gelten am Hof als vielversprechend: An ihnen kann Verantwortung endlos weitergereicht werden, ohne jemals an einer Ecke hängen zu bleiben.
Veraltete Silos sollen verschwinden. Neue Kooperationen sollen entstehen. Behörden, Unternehmen, Stiftungen und Glaubensgemeinschaften dürfen beraten, wie Forschung praktisch wirksam wird. Die Patientin selbst erhält derweil die beruhigende Gewissheit, dass ihr Anliegen inzwischen sehr viele Besprechungsräume erreicht hat.
Der Vorgänger wird medizinisch entfernt
Damit niemand auf die Idee kommt, Frauengesundheit habe bereits vor der kaiserlichen Unterschrift existiert, werden entsprechende Maßnahmen aus der Ära Josephus Bidenus aufgehoben.
Der Hof nennt dies einen Neubeginn.
Zynische Senatoren sprechen von einer bewährten Operation: Man entfernt zunächst den Namen des Vorgängers und erklärt anschließend das frisch verbundene Türschild zum wissenschaftlichen Durchbruch.
Trumpius wies diesen Vorwurf entschieden zurück. Seine Initiative sei vollkommen anders. Schon die Unterschrift sei erheblich größer.
Die Heilung steht unter Haushaltsvorbehalt
Zum Abschluss folgt das Kleingedruckte: Alles geschieht im Rahmen geltenden Rechts und verfügbarer Haushaltsmittel. Einklagbare Ansprüche entstehen durch das Dekret nicht.
Damit erhält die weibliche Bevölkerung ein majestätisches Versprechen mit sorgfältig eingebautem Notausgang.
Für die Veröffentlichung des Erlasses muss das Gesundheitsressort allerdings aufkommen. Die Finanzierung der kaiserlichen Verkündung ist somit geklärt. Bei der Versorgung wird man sehen.
Trumpius Caesar zeigte sich dennoch hochzufrieden. Die Medizin könne nicht jedes Leiden sofort heilen.
Doch bei der wichtigsten Diagnose habe sein Dekret bereits vollständig angeschlagen: akuter Mangel an persönlichem Verdienst.
Der Imperator war geheilt. Die Patientinnen blieben auf der Warteliste.

