Im Marmorpalast zu Washingtonium wurde ein medizinischer Durchbruch verkündet: Trumpius Caesar hat die Frau entdeckt. Nach eingehender Beratung mit seiner eigenen Unterschrift stellte der Imperator fest, dass weibliche Untertanen während ihres gesamten Lebens gesundheitliche Bedürfnisse entwickeln können – selbst außerhalb von Wahlkämpfen.
Unter der erhabenen Schirmherrschaft von Melania Augusta, Hüterin des makellosen Gesichtsausdrucks, soll deshalb fortan jede Lebensphase berücksichtigt werden. Kindheit, Schwangerschaft, Lebensmitte, Menopause und Alter erhalten endlich einen festen Platz im kaiserlichen Zuständigkeitsverzeichnis. Der weibliche Körper wird gebeten, seine Beschwerden künftig nach Verwaltungsabschnitt sortiert einzureichen.
Ein neues Gremium gegen alte Beschwerden
Herzstück des Erlasses ist die neue Palast-Taskforce für Frauengesundheit. Sie soll Forschung, Vorsorge, Diagnose und Behandlung zusammenführen. Bislang lagen diese offenbar in verschiedenen Schubladen, deren Schlüssel beim Vorgänger vermutet wird.
Die Taskforce werde sämtliche Hindernisse beseitigen, versicherte der Hof. Zunächst müsse allerdings geklärt werden, wer den Vorsitz im Unterausschuss zur Beschleunigung der Abstimmung über die Koordination übernimmt.
Melania Augusta begleitete die Verkündung mit jener würdevollen Ruhe, mit der antike Marmorstatuen seit Jahrhunderten politische Verantwortung überstehen.
Zusätzlich erhält das Reichsinstitut für Heilkunst eine eigene Abteilung für Frauengesundheit. Dort sollen Wissenslücken geschlossen und Erkenntnisse schneller in die Versorgung gebracht werden. Ein vernünftiges Anliegen, das am Hof vorsorglich so lange vergoldet wurde, bis es wie eine persönliche Erfindung des Kaisers aussah.
Der Vorgänger muss zuerst vom Rezept
Damit die medizinische Zeitenwende unzweifelhaft neu beginnt, werden die Initiativen der vorherigen Regierung aufgehoben. Das ist das bewährte trumpianische Verfahren: Zuerst entfernt man das alte Türschild, anschließend erklärt man das Gebäude zur eigenen Bauleistung.
„Bisher wurde nur geforscht“, ließ der Palast sinngemäß verkünden. „Jetzt wird geforscht, koordiniert und dabei ausdrücklich auf Uns verwiesen.“
Die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in bessere Behandlung soll beschleunigt werden. Besonders dringlich erscheint dem Kaiser dabei die Übertragung sämtlicher Verdienste auf seine Person.
Auf der Liste stehen unter anderem Herzkrankheiten, Krebs, chronische Schmerzen, Endometriose und Beschwerden in den Wechseljahren. Die Probleme sind ernst. Der Hof begegnet ihnen daher mit der gebotenen Feierlichkeit einer Pressemitteilung, die bereits vor der ersten Untersuchung vollständig geheilt aus dem Drucker kam.
Gesundheit auf kaiserlichen Portalen
Natürlich darf auch die große Leistungsschau nicht fehlen. Neue Ernährungsleitlinien sollen erklären, wie das Reich gesünder isst. Der Imperator hat damit nach eigener Darstellung auch den Stoffwechsel reformiert. Dieser war zuvor jahrzehntelang ohne ausreichende persönliche Loyalität tätig gewesen.
Für ländliche Versorgung, Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt verweist der Palast auf Investitionen und digitale Angebote. Fernüberwachung soll helfen, räumliche Distanzen zu überbrücken. Der Hof überwacht vorsorglich schon einmal aus nächster Nähe, ob dabei überall sein Name auftaucht.
Das Arzneiportal TrumpiusRx verspricht günstigere Medikamente. Endlich erhält das Rezept jene persönliche Note, die bislang nur auf Hotels, Golfplätzen und Wahlkampfartikeln verfügbar war.
Auch Familien mit unerfülltem Kinderwunsch sollen profitieren. Der Hof präsentierte mögliche Einsparungen mit solcher Begeisterung, dass man kurz befürchten musste, die Rabattbestätigung werde künftig zusammen mit einer kaiserlichen Vaterschaftsurkunde verschickt.
Für werdende Mütter steht außerdem Materna.gov bereit. Dort werden Informationen gebündelt, damit Familien sich besser zurechtfinden. Ein hilfreicher Gedanke: Wer im Gesundheitswesen einen Weg sucht, sollte wenigstens nicht noch die zuständige Internetadresse diagnostizieren müssen.
Die wichtigste Heilung ist bereits abgeschlossen
Ob daraus tatsächlich schnellere Diagnosen, bezahlbare Therapien und verlässlichere Versorgung entstehen, wird sich im Alltag der Patientinnen zeigen.
Der Palast meldet dennoch schon jetzt vollständigen Erfolg.
Die Frauengesundheit war bei Redaktionsschluss noch in Behandlung. Die Urheberschaft galt bereits als geheilt: Sämtliche Spuren des Vorgängers waren entfernt, und der Kaiser hatte sich selbst ausgezeichnet.
Für die Patientinnen blieb die Warteliste. Für Trumpius Caesar war sofort ein Platz in der Medizingeschichte frei.

