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Trumpius Caesar und das kaiserliche Amt für Purpur-Diesel

05. October 2026  ·  admin  ·  6 Min. Lesezeit

Grafik: Trumpius Caesar gründet das Purpur-Diesel-Amt
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WASHINGTONIUM – Große Krisen verlangen große Männer. Sehr große Krisen verlangen Trumpius Caesar. Und steigende Dieselpreise verlangen offenbar zusätzlich einen Schatzmeister, einen Landwirtschaftslegaten, einen Verkehrspräfekten, die Steuerkohorten, den Kriegsminister und mindestens sieben Behörden, deren Aufgabe zunächst darin besteht herauszufinden, warum sie beteiligt wurden.

So verkündete Imperator Donaldus Trumpius Maximus, Beschützer der Zapfsäulen, Tribun der Trucker und Pontifex Maximus des steuerlichen Aufschubs, sein neuestes kaiserliches Edikt:

„Notsteuerliche Erleichterung des Dieselkraftstoffes!“

Oder, wie man außerhalb Washingtoniums sagt:

Der rote Diesel darf raus.

Denn Bauern und Lastwagenfahrer seien unverzichtbar für den amerikanischen Lebensstil. Schließlich müsse irgendjemand Mais anbauen, Rinder transportieren und gigantische Mengen Käse über Highways bewegen, während die Hauptstadt prüft, ob für die Beförderung von Käse möglicherweise ein ressortübergreifender Unterausschuss eingerichtet werden sollte.

Das Problem des Reiches ist denkbar einfach:

Diesel ist teuer.

Die Lösung ebenfalls:

Man macht Diesel verwaltungstechnisch so kompliziert, dass niemand mehr Zeit hat, auf den Preis zu schauen.

Das Kaiserliche Oberamt für vorübergehende Dieselangelegenheiten

Trumpius befahl seinem Quaestor Aerarii, dem kaiserlichen Schatzmeister, binnen weniger Tage festzustellen, ob bestimmte Steuern später bezahlt werden dürfen.

Doch selbstverständlich kann ein Schatzmeister eine derart gewaltige Entscheidung nicht einfach treffen.

Daher tagt zunächst der Kaiserliche Rat zur Feststellung einer möglicherweise feststellbaren steuerlichen Entlastungslage.

Dieser setzt einen Unterausschuss ein.

Der Unterausschuss gründet eine Arbeitsgruppe.

Die Arbeitsgruppe benötigt eine Geschäftsstelle.

Die Geschäftsstelle benötigt einen kommissarischen Leiter.

Der kommissarische Leiter fordert vom Amt für Dieselklassifizierung und Kraftstofffarbenwesen zunächst eine Stellungnahme dazu an, ob rot gefärbter Diesel verwaltungsrechtlich tatsächlich als rot gelten darf.

Das Amt antwortet:

„Grundsätzlich ja.“

Allerdings nur vorbehaltlich einer Farbmusterprüfung.

Dafür ist das Bundesinstitut für Chromatische Kraftstofffragen zuständig.

Dessen Prüfkommission stellt schließlich fest:

Der Diesel ist rötlich.

Washingtonium jubelt.

Operation Purpurzapfsäule

Nun kann Operation Purpurzapfsäule beginnen.

Allerdings darf natürlich nicht jeder einfach Diesel tanken. Das wäre Anarchie.

Zunächst benötigt der Bürger das Formular DIE-SEL 27b – Antrag auf vorübergehende Verwendung eines farblich auffälligen mineralölbasierten Mobilitätsmediums auf föderal beaufsichtigten Verkehrsflächen.

Dieses ist gemeinsam mit der Anlage 27b-P, „Erklärung zur persönlichen Zapfabsicht“, einzureichen.

Truckfahrer müssen zusätzlich bestätigen, dass ihr Fahrzeug tatsächlich ein Fahrzeug ist.

Landwirte müssen glaubhaft machen, dass sie Landwirtschaft betreiben.

Als geeigneter Nachweis gelten Acker, Traktor oder glaubwürdig schmutzige Gummistiefel.

Anschließend prüft die Bundesstelle für Straßenkraftstoffverwendungsabsichten, ob tatsächlich die Absicht besteht, den Diesel zu verbrennen.

Ist dies der Fall, wird der Vorgang an die Kommission für ordnungsgemäße Verbrennung steuerlich temporär privilegierter Flüssigkeiten weitergeleitet.

Dort gilt eine Bearbeitungsfrist von:

„unverzüglich nach Maßgabe verfügbarer personeller Ressourcen.“

Amerika ist gerettet.

Der Minister des Krieges übernimmt die linke Zapfsäule

Besonders majestätisch wird es, weil bei der steuerlichen Prüfung gegebenenfalls auch der Minister des Krieges, Bellonius Pentagonus, konsultiert werden kann.

Denn im Trumpius-Imperium ist Diesel längst kein Kraftstoff mehr.

Diesel ist nationale Sicherheit.

Im kaiserlichen Lagezentrum hängt daher eine gigantische Karte Nordamerikas.

Rote Fähnchen markieren Dieselvorkommen.

Goldene Fähnchen markieren Tankstellen, die Trumpius gefallen.

Schwarze Fähnchen markieren Tankstellen, deren Kaffee verdächtig europäisch schmeckt.

Ein General tritt vor.

„Caesar! In Iowa wurde ein Tankwagen gesichtet.“

Trumpius springt auf.

„Freund oder Feind?“

„Landwirtschaft.“

„Dann Eskorte!“

„Militärisch?“

„Steuerlich!“

Sofort wird die Strategische Dieselreserve-Einsatzgruppe Westlicher Maisgürtel aktiviert.

Drei Beamte, zwei Steuerberater und ein Mann mit Klemmbrett rücken aus.

Das Reich gründet das Ministerium für Dieselkoordination

Da inzwischen Schatzamt, Landwirtschaft, Verkehr, Steuerverwaltung, Bundesstaaten und möglicherweise das Kriegsministerium beteiligt sind, erkennt Washingtonium ein neues Problem:

Es fehlt Koordination.

Also wird koordiniert.

Gegründet wird der Interministerielle Koordinierungsstab zur Koordination bereits koordinierender Stellen im Rahmen der koordinierten Dieselkoordination, kurz:

IKDKSIRKD.

Seine erste Sitzung beschäftigt sich mit der Frage, wie die Abkürzung ausgesprochen werden soll.

Hierfür wird ein Unterausschuss eingesetzt.

Bis zu dessen Entscheidung trägt die Behörde vorläufig die Bezeichnung:

„Das Diesel-Ding.“

Das Diesel-Ding wiederum richtet eine zentrale Geschäftsstelle ein, die sämtliche Sitzungen der Stellen koordiniert, welche darüber beraten, welche anderen Stellen künftig koordiniert werden müssen.

Nach intensiven Beratungen veröffentlicht die Geschäftsstelle ihr erstes Ergebnis:

Es besteht weiterer Abstimmungsbedarf.

Die historische Zapfsäulen-Konferenz

Trumpius ordnet daraufhin einen nationalen Dieselgipfel an.

Anwesend sind Gouverneure, Bauernverbände, Trucker, Raffinerien, Steuerbeamte, Verkehrsbehörden, Landwirtschaftsorganisationen und mehrere Menschen, die niemand eingeladen hat, die aber seit Jahren bei Regierungskonferenzen Kaffee trinken.

In der Mitte des Saales steht symbolisch eine Zapfsäule.

Niemand darf sie benutzen.

Die Betriebserlaubnis fehlt.

Zunächst hält der Praefectus Pumpae, der kaiserliche Beauftragte für Zapfanlagenwesen, einen Vortrag über die historische Bedeutung des Tankens.

Danach spricht der Vertreter der Nationalen Kommission für Schlauchlängenharmonisierung.

Anschließend folgt die Mittagspause.

Nach der Mittagspause wird beschlossen, eine Folgeveranstaltung anzusetzen.

Der Diesel bleibt währenddessen im Tankwagen vor dem Gebäude.

Dessen Fahrer wartet auf Formular DIE-SEL 27b.

Die Steuer wird verschoben – möglicherweise bis hinter den Horizont

Doch Trumpius wäre nicht Trumpius, wenn er lediglich Steuern verschieben ließe.

Der Schatzmeister soll auch prüfen, ob die aufgeschobenen Beträge später vielleicht ganz erlassen werden können.

Dafür wird selbstverständlich eine weitere Kommission benötigt:

der Kaiserliche Ausschuss zur Prüfung der Möglichkeit einer zukünftigen Nichtzahlung derzeit möglicherweise aufgeschobener Zahlungsverpflichtungen.

Die Kommission prüft zunächst, was „zukünftig“ bedeutet.

Danach wird untersucht, ob „nicht zahlen“ steuerrechtlich dasselbe ist wie „zahlen, aber mit null“.

Ein juristischer Unterausschuss warnt:

Das müsse geprüft werden.

Daraufhin wird beschlossen:

Es wird geprüft.

Trumpius erklärt die Prüfung noch am selben Abend zum größten Steuererlass der amerikanischen Geschichte.

Auch die Kontrolle der Kontrolleure wird kontrolliert

Natürlich müssen während der Sonderregelung weiterhin Kraftstoffkontrollen organisiert werden.

Das Schatzamt soll daher prüfen, wie viele Kontrolleure kontrollieren sollen.

Hierzu wird die Bundesaufsicht für Kraftstoffkontrollressourcenallokation gegründet.

Sie kontrolliert allerdings keine Kraftstoffe.

Sie kontrolliert die Verteilung der Kontrolleure, die Kraftstoffe kontrollieren.

Zur Qualitätssicherung überwacht wiederum das Amt zur Evaluation der Kraftstoffkontrollressourcenallokationsaufsicht die Bundesaufsicht.

Und damit niemand die Kontrolle über die Kontrolle der Kontrolleure verliert, berichtet dieses Amt vierteljährlich an den Senatsausschuss für administrative Übersichtlichkeit.

Dessen Vorsitzender erklärt:

„Die Strukturen sind jetzt deutlich klarer.“

Niemand wagt nachzufragen.

Der Bauer erhält endlich seinen Diesel

Unterdessen steht Farmer Bobbus Agricolus mit seinem Pickup an einer Tankstelle in Nebraska.

„Kann ich den roten Diesel jetzt tanken?“

Der Tankwart schaut in das Handbuch.

„Haben Sie DIE-SEL 27b?“

„Ja.“

„Anlage P?“

„Ja.“

„Bestätigung der Landwirtschaft?“

Bobbus zeigt auf mehrere tausend Hektar Mais hinter sich.

Der Tankwart nickt.

„Das ist leider nur ein Indiz.“

Nach mehreren Telefonaten mit Washingtonium erhält Bobbus schließlich die vorläufige, widerrufliche, bedingte Erlaubnis zur Einleitung eines Tankvorgangs.

Er steckt die Zapfpistole hinein.

In diesem Moment klingelt das Telefon.

Die Bundesstelle für vorläufig genehmigte Tankvorgänge meldet sich.

Es fehle noch die Erklärung, dass der Tankvorgang tatsächlich begonnen habe.

Bobbus fragt:

„Wie soll ich bestätigen, dass er begonnen hat, bevor ich beginnen darf?“

Stille.

Dann sagt der Beamte:

„Dafür gibt es ein Formular.“

Und wer bezahlt das alles?

Am Ende des kaiserlichen Edikts findet sich schließlich die wahre Meisterleistung imperialer Verwaltungslyrik:

Die Kosten für die Veröffentlichung des Erlasses trägt das Landwirtschaftsministerium.

Natürlich.

Denn nachdem das Schatzamt Steuern verschiebt, die Steuerverwaltung Diesel untersucht, das Verkehrsministerium Trucker überwacht, Landwirtschaftsstellen Kraftstoff verteilen, Bundesstaaten koordiniert werden, Bellonius Pentagonus möglicherweise strategisch auf eine Zapfsäule blickt und Washingtonium genügend Ausschüsse gegründet hat, um jeden einzelnen Dieseltropfen persönlich zu begrüßen, muss schließlich irgendjemand die Rechnung übernehmen.

Und wer wäre geeigneter als das Ministerium für Bauern?

So endet die große Dieseloffensive des Trumpius Caesar.

Der Diesel wurde nicht neu erfunden.

Die Zapfsäule wurde nicht größer.

Der Truck fährt noch immer mit demselben Motor.

Aber zwischen Tank und Tankstelle stehen nun zwölf Behörden, vier Ausschüsse, sieben Unterausschüsse, drei Arbeitsgruppen, ein Kriegsminister und ein Beamter mit einem Formular, dessen Rückseite ebenfalls unterschrieben werden muss.

Trumpius Caesar blickt zufrieden über sein Reich.

„Wir haben die Bürokratie besiegt!“

Hinter ihm eröffnet gerade feierlich das neue Kaiserliche Bundesamt zur Dokumentation des erfolgreichen Bürokratieabbaus.

Es beschäftigt achttausend Beamte.

Und Farmer Bobbus?

Der steht noch immer an der Zapfsäule.

Sein Antrag wurde inzwischen genehmigt.

Leider ist mittlerweile das Formular abgelaufen.

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