Es war Freitag im Palatium Album zu Washingtonia, und über dem Imperium Americanum lag jene gespannte Ruhe, die stets eintritt, wenn ein Mann mit goldenem Schreibgerät vor mehreren Papierstapeln sitzt und die Menschheit nicht weiß, ob gleich Weltgeschichte geschrieben oder lediglich ein Kugelschreiber getestet wird.
Dann erschien er.
Donaldus Trumpius Maximus Caesar, Erster seines Namens, Bezwinger widerspenstiger Dokumentenmappen, Oberster Herr der präsidialen Signatur und vermutlich einziger Imperator, dessen Unterschrift mehr Kurven besitzt als manche Gebirgsstraße.
Vor ihm lagen sechs Gesetzesrollen.
Sechs!
Für gewöhnliche Sterbliche bedeutete das Verwaltungsarbeit. Für Trumpius bedeutete es:
LEGISLATIVER TRIUMPHZUG.
Die Schreiber des Palastes meldeten ehrfürchtig, Caesar habe H.R. 3657, H.R. 7250 sowie S. 550, S. 603, S. 759 und S. 790 mit der heiligen Tinte der Exekutive versehen.
Rom hatte seine Zwölftafelgesetze.
Hammurabi hatte seinen Codex.
Trumpius hatte an diesem Freitag offenbar einen besonders produktiven Nachmittag.
Die große Wasserkraft-Offenbarung
Zuerst erhob sich H.R. 3657, fortan im Imperium bekannt als:
Lex Aquae Turbinus Transparentissima.
Sie verlangt Berichte über noch offene Genehmigungsverfahren für Wasserkraftprojekte.
Ein Vorgang von solch dramatischer Wucht, dass im Senatus Americanus vermutlich mehrere Aktendeckel gleichzeitig erzitterten.
Künftig soll also regelmäßig berichtet werden, welche Anträge noch bearbeitet werden.
Transparenz!
Übersicht!
Tabellen!
Vielleicht sogar Seitenzahlen!
Trumpius soll beim Anblick dieser administrativen Revolution innerlich gerufen haben:
„Endlich weiß das Imperium, welche Formulare noch irgendwo herumliegen!“
Wasser für Fort Peckius
Danach folgte H.R. 7250, die erneute Finanzierung des ländlichen Wasserversorgungssystems der Fort-Peck-Reservation.
Im offiziellen Sprachgebrauch nennt man das Infrastrukturpolitik.
Im Trumpius-Imperium lautet die Verkündung dagegen ungefähr:
„WASSER MARSCHIERT!“
Aquädukte waren schon im alten Rom wichtig. Allerdings benötigte Rom dafür Legionen, Ingenieure und jahrzehntelange Bauarbeiten.
Trumpius benötigt hauptsächlich einen Schreibtisch und einen Stift.
Das ist Fortschritt.
Der große Landstreit des Stammes Miamius
Mit S. 550 erhält das zuständige Bundesgericht die Möglichkeit, bestimmte Landansprüche des Tribus Miamius Oklahomensis zu behandeln.
Eine Angelegenheit mit historischen Verträgen, juristischen Ansprüchen und komplizierten Zuständigkeiten.
Also genau jene Art von Materie, bei der selbst erfahrene Juristen beginnen, sehr lange Sätze zu bilden und plötzlich Begriffe wie „insoweit“, „vorbehaltlich“ und „unbeschadet dessen“ benutzen.
Caesar Trumpius löste seinen Teil des Problems auf klassische Weise:
Unterschrift darunter.
Möge nun Justitia übernehmen.
Trumpius hatte schließlich noch drei Rollen vor sich.
Das Haus des Marschallus wird dem Parkimperium angegliedert
Dann kam S. 603.
Das Haus des Generalis Georgius C. Marschallus in Virginia wird künftig als angeschlossener Bereich des National Park System geführt.
Damit wurde ein historisches Gebäude feierlich in die gewaltige Bürokratie des amerikanischen Parkwesens aufgenommen.
Irgendwo dürfte bereits ein Formular entstanden sein.
Vielleicht sogar zwei.
Und tief in einem Behördenserver trägt möglicherweise ein Verzeichnis nun den Namen:
Marshall_House_FINAL_FINAL_v3_reallyfinal.pdf
Das Imperium funktioniert.
Neptun bekommt eine Website
Dann wurde es maritim.
S. 759, im normalen Sprachgebrauch „Modernizing Access to Our Public Oceans Act“, heißt im Trumpius-Reich selbstverständlich:
Lex Oceanus Digitalis Maxima.
Das Handelsministerium soll geografische Informationen darüber öffentlich zugänglich machen, wo auf amerikanischen Meeresgebieten bestimmte Einschränkungen für Angeln, Bootfahren und Freizeitaktivitäten gelten.
Mit anderen Worten:
Das Meer bekommt Daten.
Jahrtausendelang betrachteten Seefahrer Sterne, Wellen und Kompasse.
Nun betrachtet der moderne Bürger möglicherweise eine Website.
Poseidon hat endgültig gegen den Browser verloren.
Caesar zeigte sich zufrieden.
Denn wenn es etwas gibt, das ein majestätisches Imperium noch majestätischer macht, dann sind es geografische Datensätze über Fischereibeschränkungen.
Und schließlich: Das große Umbenennen
Doch der Höhepunkt wartete bis zum Schluss.
S. 790.
Das National Historic Trails Interpretive Center in Casper, Wyoming, erhält einen neuen Namen:
Barbara L. Cubin National Historic Trails Interpretive Center.
Ein monumentaler Augenblick.
Keine Brücke wurde verschoben.
Kein Berg versetzt.
Kein Kontinent entdeckt.
Aber irgendwo musste vermutlich ein Schild neu bestellt werden.
Das Reich bebte.
Caesar hob den Stift.
Die Verwaltungsbeamten hielten den Atem an.
Ein Drucker irgendwo in Wyoming begann vorsorglich zu surren.
Und dann geschah es:
UNTERSCHRIFT.
Damit war der große Gesetzgebungsfeldzug beendet.
Sechs Gesetze.
Wasserkraft.
Trinkwasser.
Landrechte.
Ein historisches Haus.
Digitale Ozeankarten.
Und ein Interpretationszentrum mit neuem Namen.
Andere Kaiser eroberten Gallien.
Trumpius Caesar erledigte an einem Freitag Verwaltungsakten.
Und irgendwo im Palatium Album wurde anschließend vermutlich verkündet:
„Der Imperator hat wieder geliefert.“
Woraufhin ein Beamter leise ergänzte:
„Majestät, das waren überparteilich verabschiedete Gesetzesvorlagen.“
Doch da war Trumpius bereits unterwegs.
Denn irgendwo wartete sicherlich noch ein Dokument.
Und irgendwo anders noch ein Stift.
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