Imperium Americanum, 25. August 2026 – Im Norden des Imperiums liegt ein rätselhaftes Land. Es besitzt Ahornsirup, Eishockey, erstaunlich höfliche Menschen und offenbar seit Jahrzehnten die feste Überzeugung, der amerikanische Marktplatz sei eine Art kaiserliches All-inclusive-Buffet: Eintritt frei, Nachschlag inklusive und die Rechnung bitte an Washingtonius.
Doch damit, so verkündet der Palast, sei nun Schluss.
Imperator Donaldus Trumpius Maximus hat die große Schriftrolle des nordamerikanischen Handels ausgerollt, kurz darauf sehr missbilligend geschaut und festgestellt: Canada Gratis Maximus müsse enden.
„Sie sind schwierig. Sehr schwierig. Vielleicht die schwierigsten Kanadier, die wir jemals hatten“, soll Trumpius vor versammelten Senatoren, Händlern und einem verwirrten Milchbauern erklärt haben. „Und wir hatten viele Kanadier. Einige sagen die meisten.“
Dabei habe das Imperium den nördlichen Nachbarn erst kürzlich mit einem Angebot bedacht, das laut Palastschreibern prächtiger gewesen sei als ein goldener Streitwagen mit eingebautem Golfplatz: Vergünstigungen für Stahl, Aluminium, Automobile, Holz und allerlei andere Waren.
Doch Canadius Mapleus, Statthalter des Reiches jenseits der Großen Seen, habe nicht ehrfürchtig gen Süden geblickt und „Ave Trumpius!“ gerufen.
Stattdessen wurde verhandelt.
Ein ungeheuerlicher Vorgang.
Die kaiserliche Anklagerolle
Daraufhin ließ Trumpius Caesar seine Schreiber die Tabula Abusus Canadensis anfertigen – eine Liste kanadischer Freveltaten, die inzwischen vermutlich so lang ist, dass sie vom Weißen Haus bis Toronto reicht.
An erster Stelle stehen die Streitwagen des modernen Zeitalters: Automobile.
Canada soll amerikanische Fahrzeuge mit Zöllen und Quoten belegt haben. Die Ausfuhr amerikanischer Wagen sei daraufhin binnen eines Jahres um 22 Prozent gesunken.
Für Trumpius ist die Sache eindeutig.
„Unsere Autos sind wunderschön. Die besten Autos. Vier Räder – manchmal sogar fünf, wenn man das Ersatzrad mitzählt. Und Canada behandelt sie, als wären sie gallische Ochsenkarren.“
Doch noch schlimmer wiegt der Magnum Scandalum Alcoholicum.
Amerikanischer Wein, amerikanisches Bier und amerikanische Spirituosen verschwanden laut Palastdarstellung aus zahlreichen kanadischen Verkaufsregalen. Die entsprechenden US-Exporte seien um 81 Prozent eingebrochen.
Im kaiserlichen Senat löste dies Entsetzen aus.
„Ein Land ohne amerikanischen Bourbon“, erklärte Senator Mitchius McConnellus, „ist handelspolitisch praktisch bereits im Mittelalter.“
Trumpius soll daraufhin sofort gefragt haben, ob wenigstens Diet Coke weiterhin eingeführt werde.
Als ihm bestätigt wurde, dass dies eine völlig andere Produktkategorie sei, beruhigte sich die Lage vorübergehend.
Der große Käsekrieg des Nordens
Dann wäre da noch die Milch.
Canada verteidigt seinen heimischen Milchmarkt mit einem System aus Einfuhrquoten und hohen Zöllen außerhalb dieser Quoten. Manche Zollsätze können dabei tatsächlich in die Nähe von 300 Prozent gelangen.
Für Trumpius Caesar ist dies keine Agrarpolitik.
Es ist Bellum Casei – der Käsekrieg.
„Dreihundert Prozent!“, donnerte Trumpius. „Für Käse! Ich kenne Gebäude, die weniger Stockwerke haben!“
Seitdem prüft der kaiserliche Hof angeblich, ob amerikanischer Cheddar künftig unter diplomatischem Schutz über die Grenze gebracht werden muss.
Gerüchten zufolge wurde bereits eine Eliteeinheit gegründet:
SEAL Team Brie.
Die 50-Milliarden-Schriftrolle
Besonders erbost zeigt sich der Imperator über das amerikanische Warenhandelsdefizit mit Canada, das der Palast im Durchschnitt der vergangenen Jahre auf ungefähr 50 Milliarden Dollar jährlich beziffert.
Für gewöhnliche Ökonomen ist ein Handelsdefizit das Ergebnis komplexer Waren-, Energie-, Wechselkurs- und Investitionsströme.
Für Trumpius Caesar ist es einfacher:
„Wir geben ihnen Geld. Sie nehmen es. Sehr unfair.“
Damit ist die kaiserliche Wirtschaftstheorie im Wesentlichen abgeschlossen.
Ein Hofökonom soll versucht haben, die Zusammenhänge differenzierter zu erläutern.
Er wird seitdem vermisst.
Gulfstreamius gegen Bombardierus
Auch am Himmel herrscht Zwietracht.
Der amerikanische Flugzeugbauer Gulfstreamius Aeronauticus habe jahrelang Schwierigkeiten bei der kanadischen Zulassung bestimmter Geschäftsflugzeuge gehabt, während das heimische Reich des Bombardierus geschützt worden sei.
Erst nachdem Trumpius persönlich seinen kaiserlichen Zeigefinger Richtung Ottawa ausgestreckt habe, seien die Modelle G700 und G800 zertifiziert worden.
Für den Palast ist der Fall damit bewiesen:
Trumpius kann Flugzeuge allein durch Zeigen zulassen.
Das Pentagon prüft bereits, ob diese Fähigkeit auch bei Flugzeugträgern funktioniert.
Canada braucht amerikanischen Sauerstoff
Dann erreicht die kaiserliche Schriftrolle ihren dramatischen Höhepunkt.
Canada, so erklärt der Palast, sende ungefähr drei Viertel seiner Warenexporte in die Vereinigten Staaten.
Daraus entwickelt Trumpius Caesar die neue Wirtschaftslehre der Respiratio Americana.
„Wir sind ihr Sauerstoff“, verkündet der Imperator. „Sehr guter Sauerstoff. Premium-Sauerstoff. Vielleicht der beste Sauerstoff der Welt.“
Ottawa wiederum könnte einwenden, dass Handel normalerweise deshalb stattfindet, weil beide Seiten davon profitieren.
Doch solche komplizierten Konzepte sind im Palast momentan nicht vorgesehen.
Dort interessiert man sich stärker für eine andere Zahl: Laut einer Umfrage haben 42 Prozent kanadischer Hersteller bereits Produktion in die USA verlagert oder planen entsprechende Schritte.
Für Trumpius ist das selbstverständlich keine betriebswirtschaftliche Standortentscheidung.
Es ist eine Völkerwanderung.
Exodus Manufacturorum Canadensis.
Und jetzt kommen die Gegenzölle
Canada reagiert unterdessen keineswegs mit einem höflichen Entschuldigungskorb voller Ahornsirup.
Stattdessen wurden weitere Gegenzölle auf amerikanische Waren angekündigt – darunter hohe Abgaben auf Stahl, Aluminium, Fisch und Werkzeuge.
Damit beginnt nun möglicherweise der erste Handelskrieg der Geschichte, in dem beide Seiten gleichzeitig erklären, sie würden den jeweils anderen bestrafen, während Unternehmen auf beiden Seiten ihre Taschenrechner umarmen und leise weinen.
Doch Trumpius sieht sich im Vorteil.
Die amerikanische Wirtschaft ist ungefähr dreizehnmal größer als die kanadische, die Bevölkerung mehr als achtmal so groß.
Oder, wie es auf einer neu entdeckten kaiserlichen Marmortafel steht:
„Qui habet maiorem GDP, habet maiorem Trumpium.“
Wer das größere Bruttoinlandsprodukt besitzt, besitzt den größeren Trumpius.
Canada ist kein Bundesstaat!
Schließlich verkündet Trumpius Caesar seine vielleicht wichtigste Erkenntnis:
Canada sei kein amerikanischer Bundesstaat.
Eine geografische Feststellung, die auf den ersten Blick wenig revolutionär erscheint, im Trumpius-Imperium jedoch offenbar eine handelspolitische Grundsatzentscheidung darstellt.
„Sie fühlen sich berechtigt“, donnerte der Caesar sinngemäß. „Aber sie sind kein Staat!“
In Ottawa dürfte man erleichtert sein.
Mehr als 150 Jahre kanadische Staatsgeschichte wurden damit offiziell bestätigt.
Nun bleibt nur die Frage, wie der große nordamerikanische Handelsstreit endet.
Mit einem Vertrag?
Mit weiteren Zöllen?
Mit einem Gipfeltreffen?
Oder mit Trumpius Caesar, der persönlich an der Grenze erscheint, einen riesigen goldenen Schlagbaum errichtet und verkündet:
„Von jetzt an kostet der Ahornsirup Eintritt!“
Fest steht nur eines:
Die Zeiten des stillen Handels sind vorbei.
Das Bellum Maple Syrup Maximum hat begonnen.
Und irgendwo zwischen Detroit und Ontario sitzt bereits ein Zollbeamter über einem Stück Cheddar und fragt sich, ob er gerade Käse kontrolliert – oder internationale Geopolitik.

