WASHINGTONIA / CAROLINA MERIDIONALIS – Die goldenen Trompeten des Imperiums erschallten erneut, die Adler wurden poliert und irgendwo dürfte ein Buchhalter verzweifelt versucht haben, genügend Nullen auf ein Pergament zu bekommen: Imperator Donaldus Trumpius Maximus Caesar kehrt nach South Carolina zurück.
Nicht einfach zu Besuch. Natürlich nicht.
Ein Trumpius besucht keinen Bundesstaat. Ein Bundesstaat erhält die historische Gelegenheit, Trumpius zu empfangen.
Und so verkündete das Weiße Palatium zu Washingtonia am 21. August die frohe Botschaft: Unter Trumpius und seinen republikanischen Legionären gedeihe Carolina Meridionalis derart prächtig, dass vermutlich selbst die Palmetto-Bäume demnächst Steuererklärungen mit der Aufschrift „America First“ einreichen.
Steuersenkungen! Sichere Grenzen! Weniger Kriminalität! Energie! Investitionen! Arbeitsplätze!
Kurz gesagt: Alles hervorragend.
Und sollte irgendwo etwas nicht hervorragend sein, wurde vermutlich nur die falsche Statistik gefragt.
Die große Steuerbefreiung des Volkes
Im Mittelpunkt der imperialen Jubelrolle stehen die Working Families Tax Cuts, die im Trumpius-Reich selbstverständlich nicht einfach Steuersenkungen sind. Nein. Sie sind eine finanzpolitische Befreiungsoperation.
Besonders stolz verweist das Palatium auf die Regelung für Überstunden. Rund jeder vierte Arbeitnehmer in South Carolina soll von der Steuerbefreiung qualifizierter Überstunden profitieren.
Trumpius formulierte es in unserer Vorstellung vermutlich ungefähr so:
„Ihr arbeitet länger? Fantastisch! Sehr patriotisch! Vielleicht arbeitet ihr sogar so lange, dass ihr eure Familie nur noch auf Fotos erkennt. Aber dafür kommt der Steuerzenturio nicht mehr bei jeder zusätzlichen Stunde mit dem Klingelbeutel!“
Auch die Senioren wurden nicht vergessen. Rund eine Million ältere Einwohner sollen von einem neuen Steuerabzug profitieren.
Das ist klassische Trumpius-Ökonomie: Erst wird eine Zahl genannt, dann eine noch größere Zahl und schließlich schaut man so majestätisch in die Ferne, dass niemand mehr fragt, wo eigentlich die Fußnoten geblieben sind.
Die durchschnittliche Steuerrückzahlung in South Carolina erreichte laut Release 3.476 Dollar.
Im alten Rom hätte man dafür vermutlich einen Triumphbogen errichtet.
Im neuen Trumpius-Imperium reicht möglicherweise ein goldener Taschenrechner mit dem Siegel:
CALCULATOR MAGNIFICUS – MADE IN AMERICA.
Doch Trumpius denkt größer. Natürlich.
Mehr als 200 Millionen Dollar sollen im ersten Jahr über das Rural Health Transformation Program nach South Carolina fließen. Gleichzeitig behauptet das Palatium, die Steuerpolitik habe 86.000 Arbeitsplätze, 15 Milliarden Dollar Wirtschaftsleistung und 8 Milliarden Dollar Arbeitnehmerlöhne abgesichert.
Das ist keine gewöhnliche Steuerpolitik mehr.
Das ist finanzieller Personenschutz.
Die Jobs sitzen gewissermaßen hinter Trumpius in einer gepanzerten Limousine.
Lex Trumpius: Die Verbrecher ziehen sich zurück
Dann marschiert die kaiserliche Statistiklegion in das nächste Kapitel: Kriminalität.
Die Botschaft ist einfach:
Trumpius regiert – und die Verbrecher bekommen offenbar schlechte Laune.
Die Zahl der Tötungsdelikte in South Carolina sei 2025 um mehr als 18 Prozent gesunken und im ersten Halbjahr 2026 nochmals um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Schwere Körperverletzungen? Runter.
Raubüberfälle? Runter.
Vergewaltigungen? Runter.
In Charleston sei die Gesamtkriminalität 2025 sogar um 36 Prozent eingebrochen.
Eine Zahl, bei der Imperator Trumpius vermutlich sofort einen Zenturio zum örtlichen Steinmetz schicken würde:
„Meißelt die 36 sehr groß. Riesig. Niemand meißelt Prozentzahlen besser als wir.“
Dass Kriminalitätsentwicklungen zahlreiche Ursachen haben können – Polizeiarbeit, Demografie, lokale Präventionsmaßnahmen, gesellschaftliche Entwicklungen und langfristige Trends – stört die imperiale Dramaturgie natürlich ein wenig.
Denn im Palatium gilt die bewährte Formel:
Steigt etwas Gutes, war es Trumpius.
Sinkt etwas Schlechtes, war es ebenfalls Trumpius.
Steigt etwas Schlechtes, war es der vorherige Kaiser.
Und sinkt etwas Gutes, war wahrscheinlich Gallien schuld.
Die Milliardenkarawane zieht nach Carolina
Dann folgt jener Abschnitt, bei dem die Goldtrompeten endgültig Verstärkung benötigen.
Investitionen.
Und zwar nicht diese kleinen Investitionen, bei denen jemand einen neuen Kopierer fürs Rathaus kauft.
Nein.
Hier marschieren Milliarden durch Carolina Meridionalis.
Eatonus Transformatorius kündigte 340 Millionen Dollar für die Erweiterung der Transformatorenproduktion in Jonesville an.
Northmarkus Computator Maximus plant ein Hochleistungsrechenzentrum in Spartanburg – für 2,8 Milliarden Dollar.
2,8 Milliarden!
Ein Rechenzentrum, das vermutlich genügend Rechenleistung besitzen wird, um auszurechnen, wie oft Trumpius während einer einzigen Rede das Wort „great“ verwenden kann.
TS Conductorius bringt 134 Millionen Dollar nach Hardeeville.
Rolls-Roycius Magnificus erweitert für 75 Millionen Dollar in Aiken.
Century Aluminiumus investiert 50 Millionen Dollar und will ein Werk im Berkeley County erstmals seit einem Jahrzehnt wieder auf volle Produktion bringen.
Dann rollt Scoutus Motoricus mit weiteren 300 Millionen Dollar heran und errichtet einen Supplier Park in Blythewood.
Coastalus Praecastus: neun Millionen.
Georgius Utzius Plasticus: 40 Millionen.
Und dann kommt die Süßwarenlegion.
Ferrara Candicus Maximus kündigt 675 Millionen Dollar für einen neuen Produktionsstandort im Orangeburg County an.
675 Millionen Dollar für Süßigkeiten.
Das ist möglicherweise die amerikanischste Wirtschaftsnachricht seit der Erfindung des frittierten Schokoriegels.
Man stelle sich Trumpius bei der Eröffnung vor:
„Diese Bonbons sind großartig. Die besten Bonbons. Andere Länder haben Bonbons – traurige Bonbons. Unsere Bonbons schaffen Jobs.“
Doch die Parade ist noch nicht beendet.
Red Metallius: 70 Millionen Dollar für Kupferproduktion.
AmbioPharmicus Peptidius: fast 119 Millionen für die Erweiterung in Aiken County.
Und schließlich erscheint der Endgegner des Investitionskapitels:
Octapharma Maxima Medicamenta.
Geplante Investition:
1,5 Milliarden Dollar.
Eine hochmoderne Produktionsanlage für Medikamente der Intensivmedizin soll in Rock Hill entstehen.
Spätestens hier benötigt das imperiale Schatzamt vermutlich ein größeres Pergament.
South Carolina First First
Die politische Botschaft des Releases ist entsprechend subtil wie ein goldener Triumphwagen auf einem Walmart-Parkplatz:
America First bedeutet South Carolina First.
Zumindest an diesem Tag.
Wenn Trumpius morgen nach Ohio reist, bedeutet America First vermutlich Ohio First.
In Pennsylvania: Pennsylvania First.
In Florida: Florida First.
Und beim Abendessen im Weißen Palatium wahrscheinlich:
Dessert First.
Das ist die wahre Genialität der imperialen Geografie: Jeder Bundesstaat darf für einige Stunden der wichtigste Ort des Universums sein, solange Trumpius gerade dort eine Bühne, ein Mikrofon und genügend Fahnen vorfindet.
South Carolina bekommt diesmal das komplette Paket.
Steuersenkungen werden zur Befreiung.
Investitionen werden zur wirtschaftlichen Renaissance.
Sinkende Kriminalitätszahlen werden zur Pax Trumpiana.
Und Unternehmen, die Milliarden investieren, ziehen nicht einfach nach South Carolina.
Nein.
Sie pilgern selbstverständlich zum wirtschaftlichen Leuchtfeuer des Imperators.
So kehrt Donaldus Trumpius Maximus Caesar also nach Carolina Meridionalis zurück, begleitet von Republikanern, Statistiken und einer solchen Menge wirtschaftlicher Erfolgsmeldungen, dass selbst Julius Caesar vermutlich neidisch aus seinem Sarkophag schauen würde.
Denn Caesar konnte Gallien erobern.
Trumpius aber erobert etwas viel Schwierigeres:
die Pressemitteilung.
Und während über den Palmetto-Bäumen die imaginären Adler kreisen, verkündet das Weiße Palatium seine majestätische Schlussformel:
Familien gewinnen.
Arbeiter gewinnen.
Senioren gewinnen.
Unternehmen investieren.
Verbrechen sinkt.
Carolina gewinnt.
America gewinnt.
Und Trumpius?
Trumpius gewinnt selbstverständlich am allermeisten.
Denn im Imperium Trumpianum gilt seit jeher das unveränderliche Staatsgesetz:
Veni. Vidi. Tax Cut.

