WASHINGTONIUM – Es begab sich am 19. Tage des August im glorreichen Jahre MMXXVI, als aus dem Palatium Album eine Botschaft erschallte, deren Lautstärke vermutlich noch in den Werkshallen von Detroitium die Schraubenschlüssel zum Zittern brachte: Die amerikanischen Auto-Legionen kehren heim!
Und wer hatte es vollbracht?
Natürlich Imperator Donaldus Trumpius Caesar Maximus, Bezwinger der Handelsdefizite, Herr der Zolltabellen, Protektor der Pickup-Trucks und oberster Pontifex des heiligen Satzes „Made in America“.
Der kaiserlichen Chronik zufolge hat Fordius Motoricus beschlossen, die Produktion seiner ehrwürdigen Lincoln-Karossen wieder stärker ins Imperium Americanum zu verlagern und Importe aus dem fernen Reich Chinorum zurückzufahren. Tausende amerikanische Arbeitsplätze sollen dabei entstehen. Das Weiße Haus wertet die Entscheidung als weiteren Beleg dafür, dass die Handelspolitik von Donald Trump heimische Produktion fördern soll.
Fordius beugt das Knie vor der Zolltafel
Der Hohe Wagenbauer Jim Farleius, in gewöhnlicher Sprache als Ford-Chef Jim Farley bekannt, ließ keinen Zweifel daran, dass die Politik aus Washingtonium bei der Entscheidung eine wesentliche Rolle gespielt habe.
In der kaiserlichen Übersetzung dürfte seine Botschaft ungefähr so geklungen haben:
„Kaum hatte Trumpius die steinernen Tafeln der Handelspolitik vom Berg Zolltarifus herabgetragen, wussten wir: Die Lincolns müssen heim.“
Und Trumpius?
Der soll der Legende nach zufrieden auf eine goldene Modelllimousine geblickt und gesagt haben:
„Seht ihr? Ich habe noch nicht einmal persönlich den Blinker gesetzt, und schon fahren sie alle zurück nach Amerika. Niemand bringt Fabriken zurück wie ich. Vielleicht Henry Ford. Aber der ist nicht verfügbar.“
Damit aber nicht genug.
Denn hinter Fordius marschiert mittlerweile eine ganze motorisierte Legion.
Toyotus Maximus zieht nach Texanum
Toyotus Motoricus Japonicus investiert nach Angaben des Weißen Hauses 3,6 Milliarden Dollar, um die Produktion des Tacoma aus Mexicum nach San Antonium in Texanum zu verlagern.
2.000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, während das Werk deutlich vergrößert wird.
Trumpius Caesar nahm die Nachricht selbstverständlich als persönlichen Triumph entgegen.
„Tacoma! Ein großartiger Name. Klingt amerikanischer als manche amerikanischen Dinge. Bald bauen wir ihn in Texas. Texas ist riesig. Ich liebe Dinge, die riesig sind.“
Im Senatus Automobilis wurde daraufhin angeblich überlegt, den Tacoma künftig offiziell als Currus Pickuppus Imperialis zu führen.
Hondius Civicus erhält amerikanisches Bürgerrecht
Auch Hondius Japonicus soll seine nächste Generation des Civic lieber in Indianum als in Mexicum fertigen.
Rund 210.000 Fahrzeuge jährlich könnten dadurch in den Vereinigten Staaten produziert werden. Als wesentlicher Faktor werden die amerikanischen Zölle genannt.
Für Trumpius war die Sache klar:
„Ein Civic heißt Civic. Das kommt von Civilization. Und wo ist die größte Zivilisation? Genau. Indiana.“
Historiker raten dringend davon ab, diesen Satz näher zu untersuchen.
Generalis Motorum marschiert mit vier Milliarden
Besonders schweres Gerät rollt aus den Hallen von Generalis Motorum, im Volksmund General Motors.
Der Konzern plant Investitionen von vier Milliarden Dollar. Produktionen von Chevrolet Blazer und Equinox sollen teilweise von Mexicum nach Tennessee und Kansas wandern, während der Buick Envision künftig statt aus China ebenfalls aus Kansas kommen soll.
Für Trumpius Caesar ist Kansas damit praktisch zum neuen Zentrum der bekannten Welt geworden.
Rom hatte Straßen.
Athen hatte Philosophen.
Kansas hat SUVs.
Die Entscheidung dürfte gefallen sein.
Mercedes-Benzus entdeckt Alabama
Besonders erheitert zeigte sich der Hof über Mercedes-Benzus Germanicus, dessen Wagen bekanntlich aus jenem sagenumwobenen Reich Germania stammen, wo Menschen Autobahnen ohne Tempolimit bauen und anschließend jahrelang darüber diskutieren, ob sie eines brauchen.
Mercedes-Benz plant laut White House Investitionen von vier Milliarden Dollar zur Erweiterung seiner SUV-Produktion in Tuscaloosa, Alabama. Auch hier werden Zölle als wichtiger Beweggrund genannt.
Trumpius soll daraufhin gerufen haben:
„Mercedes! Deutsche Autos! Sehr teuer, sehr glänzend. Jetzt bauen sie mehr davon bei uns. Vielleicht nennen wir Alabama bald Alabenz.“
Eine entsprechende Umbenennung wurde bislang nicht bestätigt.
Volvius Truckus bringt die schweren Streitwagen
Auch Volvius Truckus hat Hunderte Millionen Dollar in die Produktion seines neuen VNR-Regional-Lkw im Werk New River Valley in Dublin, Virginia, gesteckt.
Das beeindruckte den Imperator besonders.
Denn während normale Kaiser einst Elefanten über die Alpen schickten, bevorzugt Trumpius offenbar Sattelzüge mit Klimaanlage und Getränkehalter.
„Hannibal hatte Elefanten. Wir haben Trucks. Unsere Trucks haben mehr Horsepower.“
Historisch schwer zu widerlegen.
Stellantius Maximus öffnet die Schatzkammer
Dann trat Stellantius, Herrscher über Chrysler, Jeep, Dodge und diverse weitere rollende Provinzen, vor den Thron.
Der Konzern plant nach Angaben des Weißen Hauses die größte Einzelinvestition seiner hundertjährigen US-Geschichte. Die amerikanische Produktion soll um rund 50 Prozent wachsen, fünf neue Fahrzeuge sollen starten und mehr als 5.000 Arbeitsplätze in Illinois, Ohio, Michigan und Indiana entstehen.
Trumpius ließ daraufhin vermutlich sofort fünf Siegesbögen bestellen.
Einen pro Modell.
Natürlich mit Parkplätzen davor.
Nissanus, Hyundaimus und die große Fabrikparade
Auch Nissanus Maximus will seine Produktionskapazitäten in Tennessee stärker auslasten und zusätzliche Modelle dort fertigen.
Hyundaimus Coreanicus wiederum erhöht die Kapazitäten seines großen Metaplant-Werks in Ellabell, Georgia. Das gehört zu umfangreichen US-Investitionen des Konzerns mit dem Ziel, einen Großteil der in Amerika verkauften Fahrzeuge auch dort herzustellen.
Trumpius Caesar dürfte angesichts dieser Entwicklung bereits eine neue geografische Theorie entwickelt haben:
„Wenn ein Hyundai in Georgia gebaut wird, ist er amerikanischer als ein Burger, der in Paris gebraten wurde.“
Die Akademie von Alexandria hat ihre Stellungnahme hierzu noch nicht abgeschlossen.
Rolls-Roycius lässt ebenfalls die Münzen rollen
Selbst Rolls-Roycius Britannicus, dessen Name normalerweise nach Champagner, Privatjets und Menschen klingt, die „Sommerhaus“ im Plural verwenden, investiert.
75 Millionen Dollar fließen laut White House in die Motorenproduktion in Aiken, South Carolina. Hinzu kommt eine kürzlich abgeschlossene Erweiterung im Wert von 24 Millionen Dollar im Werk in Mankato, Minnesota.
Damit scheint endgültig klar:
Wo Trumpius Zolltabellen ausrollt, rollen irgendwann Motorblöcke hinterher.
Zumindest lautet so die kaiserliche Interpretation.
Die neue Pax Automobilia
Das Weiße Haus präsentiert die Entwicklung als fundamentale Umkehr jahrzehntelanger Produktionsverlagerung ins Ausland: Unternehmen investierten wieder stärker in amerikanische Werke, Lieferketten sollten widerstandsfähiger werden und mehr Fahrzeuge von amerikanischen Arbeitnehmern hergestellt werden.
Im Imperium Trumpianum klingt das freilich etwas majestätischer:
Die verlorenen Fabriken kehren heim.
Die Schweißroboter singen wieder.
Die Fließbänder drehen sich gen Westen.
Und aus Detroitium, Texanum, Indianum und Alabamium steigt der Duft frisch lackierter Karossen in den Himmel.
Trumpius Caesar steht währenddessen auf dem Balkon des Palatium Album, hebt einen vergoldeten Drehmomentschlüssel und verkündet:
„Früher haben sie unsere Fabriken genommen. Jetzt nehmen wir die Fabriken zurück. Riesige Fabriken. Wunderschöne Fabriken. Fabriken, von denen andere Fabriken sagen: Wow, was für eine Fabrik.“
Darauf antworten die versammelten Senatoren pflichtbewusst:
„Ave Trumpius! Morituri te manufacturant!“
Was grammatikalisch vermutlich vollkommen falsch ist.
Aber im Imperium Trumpianum gilt bekanntlich:
Solange es großartig klingt, ist es Latein genug.

