WASHINGTONIUM / CAPITOLIUM MAXIMUM. Es gibt Herrscher, die bauen Straßen. Es gibt Herrscher, die bauen Häfen. Und dann gibt es Imperator Donaldus Trumpius Maximus, der offenbar morgens auf die Landkarte blickte, feststellte, dass dort oben im Weltall noch erstaunlich wenig goldene Infrastruktur nach ihm benannt war, und umgehend beschloss: Amerika braucht eine Autobahn ins All. Mit Auffahrten. Mit Ausfahrten. Und möglichst ohne kosmischen Stau.
Mit dem neuen Memorandum zur Nationalen Weltraumtransportpolitik erhebt Trumpius Caesar den Raketenstart endgültig vom gelegentlichen Spektakel zur imperialen Massenverkehrsveranstaltung. Bis 2030 sollen die Vereinigten Staaten mehr als 1.000 Starts und Wiedereintritte pro Jahr bewältigen können.
Das sind im Durchschnitt fast drei Raketenbewegungen täglich – genug, um bei amerikanischen Nachbarn künftig die Frage „War das ein Gewitter?“ durch „Ach, nur wieder die 14:35-Uhr-Frachtverbindung nach Lagrange Zwei“ zu ersetzen.
Vom Suborbitalum bis zum Mondparkplatz
Trumpius will selbstverständlich nicht bloß ein bisschen herumfliegen. Nein. Wenn schon Weltraum, dann richtig.
Die neue Via Galactica Americana soll vom suborbitalen Bereich über sehr niedrige Erdumlaufbahnen bis zum Mond, zu den geheimnisvollen Lagrange-Punkten und schließlich hinaus in den tiefen Weltraum reichen.
Kurz gesagt: Wo immer im Sonnensystem ein amerikanischer Adler theoretisch parken könnte, soll künftig jemand vom Handelsministerium prüfen, ob dort nicht eine Startbahn, ein Logistikzentrum und ein öffentlich-privates Partnerschaftsmodell fehlen.
Denn, so die imperiale Logik: Wenn Amerika das All schon erobert, darf es dabei keinesfalls an einem Formular für Infrastruktur-Kofinanzierung scheitern.
Hierfür ruft Trumpius eine beeindruckende Phalanx seiner Reichsverwalter zusammen.
Da wäre Marschallus Bellatorius, der Secretary of War, verantwortlich für alles, was laut genug startet, wichtig genug aussieht oder notfalls innerhalb von 48 Stunden ins All geschossen werden muss.
Daneben steht Administrator Astronauticus NASAlius, Hüter der Raketen, Mondmodule und jener riesigen Hallen, in denen Ingenieure Dinge bauen, die mehrere Milliarden Dollar kosten und anschließend mit kontrollierter Gewalt vom Boden verschwinden.
Hinzu kommen Mercatorius Commercium, der Handelspräfekt, Transportius Maximus, der Herr über Straßen, Flugräume und nun offenbar auch kosmische Kreuzungen, sowie Spectrus Frequenzius, der Vorsitzende der Kommunikationsbehörde, der dafür sorgen soll, dass im entscheidenden Moment nicht ausgerechnet das Funkspektrum belegt ist, weil irgendwo jemand ein besonders leistungsstarkes Garagentor betreibt.
Transparenz! Sogar bei Raketen!
Ein besonders revolutionärer Gedanke findet sich ebenfalls im Memorandum: Die staatlichen Startplätze sollen transparent betrieben werden.
Trumpius verlangt regelmäßige Zeitpläne, faire Kostenstrukturen und klare Vergabekriterien.
Das bedeutet: Selbst im Imperium kann künftig nicht mehr einfach jemand morgens mit einer Rakete vor Cape Canaveral erscheinen und rufen:
„Ich müsste mal kurz hoch.“
Stattdessen soll es geregelte Slots geben.
07:30 Uhr: Regierungsmission.
09:15 Uhr: kommerzieller Satellit.
11:40 Uhr: militärischer Start.
14:10 Uhr: Mondlogistik.
16:30 Uhr: Wiedereintritt einer Raumkapsel.
17:00 Uhr: Beschwerden der Anwohner.
Das Ganze erinnert ein wenig an einen Flughafen – nur dass ein verspäteter Airbus normalerweise nicht mit 27.000 Kilometern pro Stunde wieder herunterkommt.
Die große Grundstückssuche für Dinge aus dem All
Besonders majestätisch wird es bei der Frage, wo zukünftige Raumfahrzeuge eigentlich wieder landen sollen.
Interiorius Terrarum, der Innenlandpräfekt des Reiches, erhält 90 Tage Zeit, geeignete Bundesflächen zu finden, die künftig als zusätzlicher Wiedereintrittsort dienen könnten.
Man darf sich die entsprechende Sitzung ungefähr so vorstellen:
„Was ist mit diesem Gebiet?“
„Nationalpark.“
„Dann dort?“
„Militärbasis.“
„Und diese riesige leere Fläche?“
„Nevada.“
„Perfekt.“
Anschließend darf Transportius Maximus prüfen, ob die Sache sicher ist, während Mercatorius Commercium einen Entwicklungsplan erstellt.
Denn selbst eine Raumkapsel, die gerade vom Mars zurückkehrt, braucht im Reich des Trumpius offenbar zunächst ein ordentliches Infrastrukturkonzept.
Raketen in 48 Stunden – Prime Galactic
Noch bemerkenswerter ist die Forderung nach besonders schnellem Zugang zum Weltraum.
Das Imperium soll untersuchen, wie Raketenmissionen innerhalb von 48 Stunden nach Bedarf möglich werden können.
Das ist ungefähr der Punkt, an dem die Raumfahrt von NASA zu Amazon Prime Galactic wird.
Heute bestellt, übermorgen Orbit.
„Ihre strategische Nutzlast wurde versandt.“
„Ihr Paket befindet sich derzeit über Kansas.“
„Zustellung zwischen 14:00 und 18:00 Uhr in niedriger Erdumlaufbahn.“
Sollten dafür mobile oder verlegbare Systeme erforderlich sein, will Bellatorius auch diese prüfen.
Raketenstartplätze könnten damit eines Tages ähnlich flexibel werden wie Foodtrucks – nur dass der Foodtruck selten einen Sicherheitsradius von mehreren Kilometern benötigt.
Made in America – jetzt auch jenseits der Atmosphäre
Doch Trumpius Caesar wäre nicht Trumpius Caesar, wenn nicht irgendwo ausdrücklich AMERICA PRIMUM in unsichtbaren goldenen Lettern über der gesamten Politik schweben würde.
Amerikanische Regierungslasten sollen grundsätzlich auf in den Vereinigten Staaten hergestellten Fahrzeugen transportiert werden.
Internationale Kooperationen bleiben möglich, Ausnahmen ebenfalls. Aber die Richtung ist eindeutig:
Wer im Auftrag des Imperiums etwas ins All bringt, soll vorzugsweise amerikanischen Stahl, amerikanische Technik und vermutlich amerikanischen Kaffee im Kontrollzentrum verwenden.
Trumpius will außerdem einen robusten heimischen Raumfahrtmarkt mit mehreren Anbietern.
Denn Konkurrenz ist gut.
Vor allem, wenn mehrere Unternehmen gleichzeitig darum konkurrieren, wer zehn Tonnen Regierungseigentum am zuverlässigsten in eine Umlaufbahn schießen darf.
Das Imperium entdeckt Ridesharing
Besonders modern zeigt sich das Memorandum beim Thema Ridesharing.
Raketen sollen möglichst mehrere Nutzlasten gemeinsam transportieren.
Im Grunde: Uber Pool, aber senkrecht.
Satellit A möchte in 550 Kilometer Höhe.
Experiment B steigt unterwegs aus.
Militärisches Modul C darf nicht wissen, wer sonst noch mitfliegt.
Und irgendwo sitzt ein kleiner Forschungssatellit und fragt sich, warum die Fahrt plötzlich 80 Millionen Dollar kostet.
Gemeinsame Schnittstellen sollen zudem ermöglichen, Nutzlasten kurzfristig von einer Rakete auf eine andere umzubuchen.
Das ist im Raumfahrtbereich revolutionär.
Bislang bedeutet „Raketenwechsel“ häufig Monate zusätzlicher Planung.
Trumpius möchte daraus offenbar machen:
„Falcon fällt aus? Packt das Ding auf die andere.“
Luna Logistics und Mars Express
Auch der Mond bekommt sein eigenes Logistikkonzept.
NASAlius soll eine kommerzielle Architektur entwickeln, mit der Güter zum Mond und zurück transportiert werden können.
Damit nähert sich die Menschheit unaufhaltsam dem historischen Augenblick, an dem auf dem Mond erstmals jemand sagt:
„Die Lieferung liegt beim Nachbarn.“
Doch der Imperator denkt weiter.
Robotische kommerzielle Missionen zum Mars sollen geprüft werden.
Sogar kommerzielle Konzepte für Menschen zum Mars und wieder zurück stehen im Memorandum.
Das „wieder zurück“ ist dabei eine ausgesprochen beruhigende Ergänzung.
Frühere Imperien hätten womöglich lediglich „Menschen zum Mars“ geschrieben und den Rest dem Entdeckergeist überlassen.
Trumpius verlangt immerhin eine Rückfahrkarte.
Exportius Galacticus
Auch der internationale Markt bleibt nicht verschont.
Außenminister und Handelspräfekt sollen Exportregeln überarbeiten, damit amerikanische Raumfahrttechnik, Standards und Dienstleistungen weltweit erfolgreicher verkauft werden können.
Die Botschaft lautet:
Amerika baut nicht nur die kosmische Autobahn.
Amerika möchte anschließend auch die Mautsysteme exportieren.
Ausländische Raumfahrzeuge dürfen grundsätzlich ebenfalls von amerikanischem Boden starten oder dort wieder eintreten – allerdings nur nach sorgfältiger Prüfung durch Strategius Securitatius und Scientius Technologicus.
Dabei werden Außenpolitik, Sicherheit, Investitionen, Haftung und Auswirkungen auf amerikanische Startplätze bewertet.
Oder einfacher:
„Dürfen eure Raketen hier landen?“
„Vielleicht.“
„Habt ihr investiert?“
„Ja.“
„Seid ihr versichert?“
„Ja.“
„Seid ihr mit uns befreundet?“
„Sehr.“
„Dann füllt bitte Formular GALAX-27B aus.“
Der kosmische Behördenapparat marschiert
Wie jedes große imperiale Projekt benötigt auch dieses eine beeindruckende Zahl von Fristen.
90 Tage.
120 Tage.
180 Tage.
240 Tage.
Alle zwei Jahre erneut.
Man gewinnt den Eindruck, dass schon bald im Weißen Haus eine riesige Sanduhr steht, während Minister hektisch Berichte mit Titeln wie „Resilient Responsive Reentry Infrastructure Assessment Framework“ zusammenschreiben.
Dabei ist die politische Richtung ziemlich klar:
Mehr Starts.
Mehr private Unternehmen.
Mehr Startplätze.
Mehr amerikanische Technik.
Schnellere Genehmigungen.
Mehr Mond.
Mehr Mars.
Und bitte überall WLAN.
Trumpius streicht die alte Steintafel
Selbstverständlich ersetzt das neue Memorandum frühere Raumfahrtregeln.
Die Politik von 2013 wird aufgehoben, ältere Leitlinien von 2004 werden ebenfalls überholt.
Trumpius Caesar blickt damit symbolisch auf zwei Jahrzehnte amerikanischer Weltraumpolitik, hebt den goldenen Federkiel und erklärt sinngemäß:
„Sehr schön. Sehr historisch. Weg damit.“
Fortan gilt das neue kosmische Gesetz.
Und irgendwo im fernen All zieht wahrscheinlich bereits ein Satellit schweigend über Washington hinweg, während unten Minister, Generäle, Ingenieure und Beamte versuchen herauszufinden, wie man bis 2030 über tausend Raketenstarts und Wiedereintritte jährlich organisiert, ohne dass Florida endgültig nur noch aus Startplätzen besteht.
Eines jedoch ist sicher:
Unter Imperator Donaldus Trumpius Maximus endet die amerikanische Verkehrspolitik nicht mehr am Flughafen.
Sie endet nicht einmal auf dem Mond.
Sie endet dort, wo selbst das Navigationsgerät irgendwann resigniert sagt:
„Route wird neu berechnet.“

