Rom war gestern. Amerika baut jetzt Startplätze.
Mit einem neuen kaiserlichen Raumfahrtdekret hat Imperator Donaldus Trumpius Maximus verkündet, dass das Imperium künftig nicht mehr nur über Meere, Märkte und Medien herrschen soll, sondern selbstverständlich auch über jene Gegenden, in denen bislang Sterne, Satelliten und gelegentlich sehr teure Schraubenschlüssel unterwegs waren.
Das Ziel seiner neuen Nationalen Weltraumtransportpolitik ist dabei bescheiden, beinahe demütig: Bis zum Jahre 2030 sollen auf amerikanischem Boden jährlich mehr als 1.000 Raketenstarts und Wiedereintritte abgewickelt werden.
Tausend.
Das sind im Durchschnitt fast drei Starts pro Tag. Oder, wie man es im Palast des Trumpius ausdrücken dürfte: ein ruhiger Dienstag.
Die alte Raumfahrtordnung wird dem Katapult übergeben
Trumpius Caesar ließ zunächst die bisherige nationale Raumtransportpolitik als hoffnungslos veraltet erklären und symbolisch in jene imperiale Schublade legen, in der vermutlich auch Faxgeräte, Energiesparlampen und Vorschriften mit mehr als zwei Seiten lagern.
An ihre Stelle tritt nun die große, goldene America-Primum-Orbis-Spatialis-Strategie.
Der Grundgedanke ist einfach:
Weltraumtransport soll zuverlässig sein.
Weltraumtransport soll bezahlbar sein.
Weltraumtransport soll modern sein.
Und vor allem soll Weltraumtransport so amerikanisch sein, dass selbst eine Trägerrakete beim Start vermutlich kurz überlegt, ob sie vorher noch einen Cheeseburger bestellen sollte.
Private Unternehmen sollen deshalb gemeinsam mit dem Staat neue Startanlagen, Raumhäfen und Infrastruktur entwickeln. Genehmigungen sollen beschleunigt, Umweltprüfungen gestrafft und gemeinsame Dienstleistungen nach transparenten Regeln abgerechnet werden.
Mit anderen Worten: Wer eine Rakete besitzt, soll künftig weniger Zeit damit verbringen, Formulare zu falten, und mehr Zeit damit, sie anzuzünden.
Neue Raumhäfen für das Imperium
Besonders wichtig ist Trumpius Caesar die Frage, wo die vielen Raketen eigentlich starten sollen.
Daher marschieren nun mehrere Ministerien gemeinsam auf die kosmische Landkarte.
Transportarius Seanus Duffyus, Interiorius Douglas Burgumus, Bellarius Pete Hegsethus und die Legionäre der NASA Maxima sollen neue Orte für Starts und Wiedereintritte finden.
Amerika erhält damit gewissermaßen die planetare Version einer Autobahnplanung.
Nur mit weniger Kreisverkehren und deutlich größeren Explosionen.
Auch der Luftraum soll angepasst werden. Bestimmte Flugkorridore sollen bevorzugt für kritische Weltraumstarts reserviert und in die Modernisierung der amerikanischen Flugsicherung eingebaut werden.
Der normale Linienpilot wird sich also möglicherweise künftig anhören:
„Meine Damen und Herren, wir verzögern unseren Landeanflug um sieben Minuten. Links von uns startet gerade eine Marsrakete.“
Der industrielle Weltraumkomplex erwacht
Der wissenschaftliche Hofberater des Imperators erhält ebenfalls einen Auftrag.
Eine neue Strategie soll dafür sorgen, dass Amerika genügend Firmen, Fabriken, Fachkräfte, Zulieferer und vermutlich sehr viele Menschen mit beeindruckenden Ingenieurstiteln besitzt, um die kaiserliche Raketenproduktion dauerhaft am Laufen zu halten.
Beschaffungsverfahren sollen vereinfacht werden.
Sicherheitsstrategien sollen umgesetzt werden.
Fachkräfte sollen bereitstehen.
Und die amerikanische Raumfahrtindustrie soll so widerstandsfähig werden, dass selbst ein ausgefallener Lieferant für Titanbolzen nicht sofort den halben Marsfeldzug verschiebt.
Außenminister Marcus Rubius Diplomaticus und Handelsminister Howardus Lutnickus Mercator sollen gleichzeitig dafür sorgen, dass amerikanische Raumfahrttechnik weltweit Zugang zu Märkten erhält.
Denn eine amerikanische Rakete ist nach imperialer Definition erst dann wirklich erfolgreich, wenn sie gleichzeitig startet, exportiert wird und irgendwo eine Handelsbilanz verbessert.
Mondhandel und Marsgeschäfte
Die NASA erhält unterdessen einen Auftrag, der selbst für die Raumfahrtbehörde bemerkenswert klingt.
Sie soll kommerzielle Transporte zum Mond fördern.
Roboter sollen kommerziell zum Mars gelangen.
Und schließlich sollen auch Möglichkeiten untersucht werden, Menschen geschäftsmäßig zum Mars und wieder zurück zu bringen.
Trumpius Caesar verwandelt damit die klassische Raumfahrtmission schrittweise in einen Reiseveranstalter für Personen mit außergewöhnlicher Abenteuerlust.
Heute:
„Zwei Wochen Florida, Halbpension.“
Morgen:
„17 Monate Mars, Rückflug optional.“
Selbst Bellarius Hegsethus, Herr über das Kriegsministerium, soll prüfen, welche Transporte innerhalb des Weltraums militärisch genutzt werden könnten.
Denn das Imperium möchte keinesfalls erleben, dass andere Mächte eines Tages im Orbit Lieferdienste anbieten, während Amerika noch nach einem freien Transportfenster sucht.
Der Weltraum als Wirtschaftswunder mit Schwerelosigkeit
Das Weiße Haus beschreibt Raumtransport dabei nicht nur als sicherheitspolitisches Thema, sondern als gigantisches wirtschaftliches Versprechen.
Mehr Starts sollen mehr Fabriken schaffen.
Mehr Fabriken sollen mehr Arbeitsplätze schaffen.
Mehr Wettbewerb soll die Kosten senken.
Neue Produktionsverfahren im All könnten wertvolle Materialien oder Medikamente ermöglichen.
Satellitentechnik soll Landwirtschaft, Wettervorhersagen, Luftverkehr und weltweite Kommunikation verbessern.
Kurz gesagt:
Der Weltraum soll künftig gleichzeitig Industriegebiet, Forschungspark, Kommunikationszentrum, Apotheke, Verteidigungsraum und sehr großer Parkplatz werden.
Trumpius Caesar betrachtet dies selbstverständlich als Fortsetzung der großen amerikanischen Pioniergeschichte.
Einst zogen Siedler mit Planwagen nach Westen.
Heute ziehen Ingenieure mit Flüssigsauerstoff nach oben.
Die Space Force: Legionen zwischen den Sternen
Besonders stolz erinnert der Hof daran, dass Trumpius während seiner ersten Regentschaft die Space Force gründete – die erste neue Teilstreitkraft seit mehr als sieben Jahrzehnten.
Die Legio Stellaris Americana soll Amerika auf künftige militärische Herausforderungen vorbereiten.
Denn wo Satelliten fliegen, Navigation funktioniert und Kommunikation läuft, dauert es nach menschlicher Erfahrung nicht lange, bis jemand fragt, ob man dort auch strategische Interessen haben könne.
Während seiner ersten Amtszeit hatte Trumpius zudem sieben Raumfahrtdirektiven erlassen.
NASA sollte zurück zum Mond.
Regeln für kommerzielle Raumfahrt wurden reformiert.
Cybersecurity für Raumfahrtsysteme erhielt größere Bedeutung.
Und das Artemis-Programm sollte Amerikaner erneut in die Nähe des Mondes bringen.
Im April 2026 gelang mit Artemis II schließlich der bemannte Flug in die Mondumlaufbahn – erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert.
Für den Imperator war dies vermutlich der entscheidende Beweis:
Der Mond war noch da.
Das Jahr der kosmischen Erlasse
Bereits im August 2025 hatte Trumpius per Dekret mehr Wettbewerb in der kommerziellen Raumfahrt verlangt.
Im Dezember folgte die große America-First-Weltraumvision.
Im Juli 2026 wiederum schlug die Administratio Aviationis Foederalis, von einfachen Sterblichen FAA genannt, Regeln vor, die Umweltprüfungen beim Bau von Startanlagen reduzieren sollen.
Nun folgt der nächste Schritt:
Mehr Raumhäfen.
Mehr Raketen.
Mehr Unternehmen.
Mehr Starts.
Mehr Amerika.
Und vermutlich irgendwann ein Drive-through auf dem Mond.
Das Goldene Zeitalter beginnt – bitte Sicherheitsabstand halten
Trumpius Caesar hat damit seine vielleicht logischste imperiale Vision vorgestellt.
Wenn Amerika bereits das größte Heer, die größten Unternehmen, die größten Flughäfen und die größten politischen Pressekonferenzen besitzt – warum sollte es dann nicht auch den größten Raketenfahrplan haben?
Bis 2030 sollen mehr als tausend Starts und Wiedereintritte jährlich stattfinden.
Die Vereinigten Staaten würden damit vom gelegentlichen Raumfahrer zum kosmischen Verkehrsknotenpunkt.
Und irgendwo im Palast steht Trumpius Maximus vermutlich vor einem Modell des Sonnensystems, zeigt auf den Mars und sagt:
„Schöne Gegend. Sehr rot. Enormes Potenzial.“
Der Hofschreiber nickt.
Die NASA rechnet.
Die Industrie baut.
Und Mars wartet vorsichtshalber schon einmal auf die Baugenehmigung.

