Im Weißen Palatium zu Washingtonia werden bereits die goldenen Teppichklopfer poliert, die Trompeten gestimmt und vermutlich sämtliche Adler angewiesen, besonders präsidial zu schauen. Denn Imperator Donaldus J. Trumpius Caesar Magnus und Prima Domina Melania Elegantissima bereiten sich auf einen Staatsbesuch vor, wie ihn nur ein Reich inszenieren kann, das selbst beim Händeschütteln offenbar eine militärische Großlage daraus macht.
Erwartet werden Seine Exzellenz Xi Jinping Maximus Orientalis, Präsident der Volksrepublik China, sowie Madame Peng Liyuan Harmonia, deren Ankunft im Trumpianischen Reich nicht einfach als Besuch behandelt wird. Nein. Wo andere Regierungen eine Limousine schicken, beginnt Trumpius bereits mit Fanfaren, Fahnen, Formationen und vermutlich einer Einsatzbesprechung für besonders majestätisches Winken.
Schon am Vorabend soll Imperator Trumpius Caesar seine hochrangigen Gäste auf der Basis Jointus Andrewsia begrüßen. In den Chroniken des Palastes dürfte dieser Vorgang später als „Historische Landung der sehr wichtigen Gäste, persönlich bemerkt vom noch wichtigeren Gastgeber“ geführt werden.
Am folgenden Morgen erreicht die kaiserliche Zeremonienmaschine dann ihre volle Betriebstemperatur.
Der Südrasen des Weißen Palatiums verwandelt sich in eine Mischung aus römischem Triumphzug, Militärparade und sehr ambitionierter Hochzeitsgesellschaft. Soldaten sämtlicher Teilstreitkräfte stehen bereit, Fahnen der Vereinigten Staaten und Chinas säumen den Weg, und die Heraldentrompetarii der Armee blasen vom Südportikus eine Fanfare, die vermutlich selbst Tauben in Maryland noch als Staatsakt identifizieren können.
Danach schreitet die Gesellschaft ins Innere des Palastes, wo „Des Präsidenten Eigene“ Marinekapelle die Nationalhymnen beider Staaten intoniert. Anschließend dürfen Trumpius Caesar und Xi Maximus sprechen.
Wobei im Reich Trumpius selbstverständlich davon auszugehen ist, dass jeder Satz des Imperators später mindestens dreimal als „historisch“, „großartig“ und „wahrscheinlich die beste Bemerkung, die jemals neben einer chinesischen Flagge gemacht wurde“ klassifiziert wird.
Doch damit wäre ein normaler Staat vielleicht fertig.
Trumpius nicht.
Es folgen militärische Ehrungen, Präzisionsformationen, Trommelkorps, Fanfaren auf Dächern sowie eine Parade durch den Rosengarten. Der Silent Drill Platoonus, der Old Guard Fife-and-Drumus und die Commandant’s Own Legion der Trommeln und Hörner demonstrieren, dass man im Imperium selbst das ruhige Herumstehen noch mit einer organisatorischen Tiefe betreiben kann, für die anderswo ein eigenes Ministerium gegründet würde.
Zum Abschluss soll der Himmel persönlich am Staatsbesuch teilnehmen.
Ein B-2 Spiritus und mehrere F-22 Raptorii ziehen über das Palatium hinweg. Denn offenbar existiert im diplomatischen Handbuch des Hauses Trumpius ein einfacher Grundsatz:
Wenn eine Fanfare beeindruckend ist, dann ist ein Tarnkappenbomber noch diplomatischer.
Während die Herren anschließend vermutlich über große Weltfragen sprechen, widmen sich Prima Domina Melania Elegantissima und Madame Peng Harmonia der kulturellen Diplomatie. Gemeinsam besuchen sie das Smithsonianum Museum der Asiatischen Künste, wo jahrhundertealte Kunstwerke und kultureller Austausch im Mittelpunkt stehen.
Eine ausgesprochen friedliche Veranstaltung also – jedenfalls bis im Hintergrund vermutlich jemand fragt, ob man nicht noch eine Ehrenformation zwischen zwei Vitrinen aufstellen könne.
Am Abend folgt das nächste Kapitel des kaiserlichen Besuchs: das Große Staatsbankett im Ostsaal. Xi Maximus und Madame Peng werden am Nordportikus empfangen, während der Palast weitere Einzelheiten zur Speisenfolge noch unter Verschluss hält.
Gerüchten zufolge könnte selbst der Brotkorb eine protokollarische Eskorte erhalten.
Am nächsten Morgen trifft sich die erlauchte Viererrunde erneut – diesmal zum Tee im Rubrum-Zimmer, dem Roten Raum des Weißen Palatiums.
Tee.
Im Reich Trumpius.
Man kann nur hoffen, dass niemand versehentlich „kleine Tasse“ sagt.
Danach reisen beide Paare zum Nationalarchivum Washingtoniense, wo historische Dokumente zur amerikanisch-chinesischen Beziehung betrachtet werden sollen. Verträge, Aufzeichnungen und Zeugnisse vergangener Jahrzehnte erinnern dort daran, dass internationale Beziehungen gewöhnlich aus komplizierter Diplomatie, langfristigen Interessen und vorsichtiger Wortwahl bestehen.
Eine bemerkenswerte Umgebung also für Trumpius Caesar.
Zum Abschluss verabschieden Imperator Donaldus Trumpius und Prima Domina Melania ihre Gäste am Nationalarchiv.
Und wenn anschließend die letzte Trompete verstummt, der letzte Raptor verschwunden und die letzte Ehrenformation abgetreten ist, dürfte das Weiße Palatium zu einem vertrauten Zustand zurückkehren:
Trumpius Caesar steht vor einer leeren Auffahrt und denkt vermutlich bereits über die wichtigste Frage nach:
War das groß genug – oder brauchen wir beim nächsten Staatsbesuch zusätzlich Elefanten?

