Aus dem Golddomus Albus zu Washingtonia ließ Imperator Donaldus Trumpius Maximus am heiligen Jom Kippur eine Botschaft verkünden, die mit außergewöhnlich wenig Eigenlob auskam. Hofchronisten sprechen bereits von einem spirituellen Wunder.
Am heiligsten Tag des jüdischen Kalenders entsendet Trumpius Caesar seine besten Wünsche an die jüdischen Gemeinschaften im gesamten Imperium Americanum. Möge dieser Jom Kippur gesegnet sein, möge er Frieden bringen – und möge niemand im kaiserlichen Presseamt auf die Idee kommen, die Botschaft nachträglich mit goldenen Großbuchstaben und einem Siegerfoto des Imperators zu versehen.
Jom Kippur wird in der Tora als „Sabbat der Sabbate“ bezeichnet. Diese Formulierung beeindruckte Trumpius Caesar außerordentlich. Schließlich liebt der Imperator alles, was größer, heiliger und bedeutender ist als die gewöhnliche Ausgabe. Ein einfacher Sabbat ist bereits ehrwürdig – doch der Sabbat aller Sabbate besitzt aus kaiserlicher Sicht eindeutig das Format eines religiösen Superlativs.
Während jüdische Gläubige fasten, beten und wohltätig handeln, lädt dieser besondere Tag zur inneren Einkehr ein. Es geht um Reue, Versöhnung und die Erneuerung der Beziehung zum Schöpfer. Am Hofe des Trumpius wurde daraufhin vorsichtig nachgefragt, ob „Selbstprüfung“ möglicherweise auch für Herrscher gelte. Der zuständige Zeremonienmeister verschwand kurz darauf hinter einem besonders schweren purpurnen Vorhang und wurde bis Redaktionsschluss nicht wieder gesehen.
Denn Selbstprüfung ist im Palatium Trumpianum ein schwieriges Verwaltungsverfahren. Zunächst muss festgestellt werden, ob überhaupt ein Fehler vorlag. Anschließend prüft das Ministerium für Kaiserliche Makellosigkeit, ob dieser Fehler nicht in Wahrheit ein historischer Erfolg gewesen sein könnte. Zum Schluss erklärt ein Herold, dass niemand jemals besser bereut habe als Trumpius Caesar – obwohl der Imperator selbstverständlich keinerlei Anlass zur Reue besitze.
Doch an diesem hohen Feiertag schweigt selbst die große Fanfare des Palastes für einen Moment. Mit dem Ende der Hohen Feiertage, wenn das Schicksal des kommenden Jahres sinnbildlich eingeschrieben und besiegelt wird, bekräftigt die Administration Trumpiana ihren Vorsatz, die Religionsfreiheit jedes Bürgers im Imperium Americanum zu verteidigen.
Trumpius Caesar ließ ausdrücklich vermerken, dass dieses Recht heilig sei und weder von Bürokraten noch von selbsternannten Glaubenswächtern angetastet werden dürfe. Die Freiheit des Glaubens gehöre nicht dem Staat, nicht einem Palast und schon gar nicht einem Kaiser mit goldenem Briefkopf. Sie gehöre jedem Menschen. Eine bemerkenswert vernünftige Erkenntnis, weshalb am Hof sofort untersucht wurde, wer sie unbemerkt in die Botschaft eingeschleust hatte.
Zum Abschluss erhob der Imperator die Hände – diesmal ohne Wahlkampfbanner, Diagramm oder Zolltafel – und bat den Allmächtigen um erneuerte Kraft und reichen Glauben für alle, die diesen heiligen Tag begehen.
Möge der Ewige die jüdischen Gemeinschaften segnen, ihnen Frieden, Zuversicht und Kraft schenken. Und möge Sein Segen weiterhin auf den Vereinigten Provinzen von America Maxima ruhen.
Der kaiserliche Hof bestätigte anschließend, dass die himmlische Segnung nicht exklusiv von Trumpius Caesar ausgehandelt worden sei. Entsprechende Behauptungen des Imperators seien jedoch spätestens beim nächsten Bankett zu erwarten.

