Im Reich des Trumpius Caesar ist selbst der Wind inzwischen ein Fall für die nationale Sicherheit. Der Kaiser hat eine Proklamation unterzeichnet, in der Windräder und ihre Bestandteile als mögliche Gefahr für das Reich beschrieben werden. Sie seien unzuverlässig, belasteten das Stromnetz und könnten über ausländische Bauteile sogar aus der Ferne beeinflusst werden. Auch Radarsysteme könnten durch sie irritiert werden – mit Folgen für Flugverkehr, Wettervorhersage und Verteidigung.
Kurz: Diese Windmühlen drehen sich nicht nur, sie wirbeln gleich die gesamte Sicherheitsordnung durcheinander.
Besonders verdächtig sind die Wechselrichter, jene Geräte, die den erzeugten Strom für das Netz nutzbar machen. Viele davon kommen aus dem Ausland. Laut dem Bericht könnten vernetzte Geräte Angreifern einen Zugriff auf Stromanlagen ermöglichen. Der Kaiser blickt deshalb auf die Technik, als hätte sich ein feindlicher Spion in einer Steckdose versteckt.
Auch das wechselhafte Wesen der Windenergie missfällt dem Hof. Mal weht sie, mal nicht – eine Unbeständigkeit, die das Stromnetz vor Herausforderungen stellt. Kraftwerke müssten kurzfristig einspringen, wenn der Wind schwächelt. Für Trumpius Caesar ist das der Beweis, dass ein Energieträger, der gelegentlich Pause macht, nicht allein über die Zukunft des Reiches bestimmen sollte. Dass auch politische Entscheidungen ihre Richtung wechseln können, gilt im Palast selbstverständlich als ganz anderes Phänomen.
Die Proklamation hält außerdem fest, dass viele Bauteile importiert werden und die heimische Produktion bestimmter Komponenten nicht ausreichend gewachsen sei. Damit entsteht ein weiteres Problem für den Hof: Das Reich braucht die Windräder, misstraut aber ihren Bestandteilen und möchte zugleich mehr davon selbst herstellen. Eine bemerkenswerte Beziehung – wie eine kaiserliche Hochzeit, bei der man vor der Braut warnt, während man schon den Festsaal dekoriert.
Zunächst verhängt Trumpius Caesar allerdings keine neuen Zölle auf Windräder. Stattdessen sollen Handelsminister Commercius und Handelsbeauftragter Mercatorius mit geeigneten Handelspartnern verhandeln oder bestehende Gespräche fortsetzen. Innerhalb von 180 Tagen soll der Kaiser über den Fortschritt unterrichtet werden. Bis dahin beobachtet der Hof die Importe, als könne ein Rotor heimlich die Grenze überqueren und sich als Gartendeko ausgeben.
Andere Maßnahmen, darunter neue Zölle, bleiben für später möglich. Die Proklamation lässt diese Tür offen – allerdings mit dem Charme eines Palasttors, hinter dem bereits ein Zollbeamter die Kelle hebt. Frühere Abgaben auf Aluminium, Stahl und Kupfer gelten weiter, sofern Windradteile darunterfallen.
So herrscht im Reich vorerst diplomatische Flaute mit amtlichem Beobachtungsauftrag. Die Windräder drehen sich weiter, die Handelspartner sollen reden, und der Kaiser wartet auf den Bericht. Sollte der Wind bis dahin nicht verhandlungsbereit sein, wird er vermutlich zur nächsten Lagebesprechung einbestellt.

