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Trumpius Caesar gründet das Ministerium für neutrale Begeisterung

25. September 2026  ·  admin  ·  4 Min. Lesezeit

Grafik: Trumpius Caesar und die völlig neutrale Propaganda
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Im Imperium Trumpianum wurde eine weitere gewaltige Errungenschaft der politischen Sprachwissenschaft verkündet.

Imperator Donaldus Maximus Trumpius Caesar, Bezwinger der Teleprompter, Hüter des Goldrahmens und Oberster Erklärer dessen, was Propaganda ist und was selbstverständlich niemals Propaganda sein kann, ließ seinem Volk mitteilen:

Die neuesten öffentlichen Botschaften des Kaiserhofes seien keine politische Werbung.

Keinesfalls.

Niemals.

Überhaupt nicht.

Sie seien lediglich patriotische Bürgerinformation mit Fahnen, Pathos, Grenzschutz, Weltpolitik und ungefähr jener emotionalen Zurückhaltung, die man sonst von einer römischen Triumphparade mit Blaskapelle und brennendem Adler erwartet.

Kein Wahlkampf – weil der Kaiser nicht auf dem Zettel steht

Das wichtigste Argument des Palastes lautet dabei von geradezu philosophischer Eleganz:

Trumpius Caesar stehe selbst gar nicht zur Wahl.

Also könnten seine Botschaften auch keine Wahlwerbung sein.

Das ist ungefähr so, als würde ein Fast-Food-Konzern erklären, ein Spot könne unmöglich Werbung sein, weil der Cheeseburger selbst nicht kandidiere.

Außerdem gebe es keinen konkreten Aufruf zur Stimmabgabe.

Stattdessen werde den Bürgern lediglich erklärt, dass sie ihr Land lieben, seine Richtung unterstützen und verstehen sollten, warum es innen, an der Grenze und weltweit verteidigt werden müsse.

Also praktisch gar keine politische Botschaft.

Nur eine völlig unpolitische Empfehlung, politisch ungefähr genau so zu denken, wie es der Kaiserhof gerade für richtig hält.

Patriotismus jetzt mit offizieller Gebrauchsanweisung

Der Hof betont deshalb feierlich:

Patriotismus sei nicht parteipolitisch.

Natürlich nicht.

Im Imperium Trumpianum ist Patriotismus schließlich ein universelles Konzept.

Man erkennt ihn daran, dass er zufällig exakt dieselbe Wortwahl verwendet wie die Regierungsbotschaft.

Wer zustimmt, liebt das Land.

Wer Fragen stellt, hat offenbar nur die Definition noch nicht richtig gelesen.

Und wer von Propaganda spricht, muss dringend daran erinnert werden, dass Propaganda grundsätzlich immer von anderen Regierungen stammt.

Die eigene Regierung betreibt selbstverständlich nur „Kommunikation“.

Wenn sie besonders laut ist, heißt es „Aufklärung“.

Wenn sie Geld kostet, heißt es „öffentliche Information“.

Und wenn sie mit genügend Flaggen dekoriert wird, heißt es „Patriotismus“.

Zum Glück haben es die Vorgänger auch gemacht

Um die kaiserliche Unschuld zu beweisen, öffnete der Palast anschließend das große Archiv der amerikanischen Regierungskommunikation.

Da war zunächst Georgius Bushius Secundus, der landesweite Fernsehkampagnen zu Medicare laufen ließ und sogar Super-Bowl-Sendezeit für staatliche Botschaften nutzte.

Danach erschien Barackus Obamus, der Gesundheitsprogramme und andere politische Vorhaben öffentlich bewarb.

Später kam Josephus Bidenus, dessen Regierung ebenfalls enorme Kommunikationskampagnen finanzierte.

Der logische Schluss des Trumpianischen Hofes lautet deshalb:

Andere haben es auch gemacht.

Und bekanntlich verwandelt sich etwas augenblicklich in neutrale Bürgerinformation, sobald man genügend historische Beispiele dafür findet.

Nach diesem Prinzip könnte man vermutlich auch behaupten, ein Kaiserpalast sei keine Selbstdarstellung, weil Versailles schon vorher da war.

Woodrowius, Rooseveltus und die große Ahnenparade

Doch Trumpius Caesar wäre nicht Trumpius Caesar, wenn seine Rechtfertigung im modernen Zeitalter enden würde.

Also marschierten auch die historischen Geister auf.

Woodrowius Wilsonius ließ während seiner Amtszeit Plakate, Filme und Redner einsetzen.

Franklinus Rooseveltus Magnus nutzte Radio, Kino und Poster zur Mobilisierung im Krieg.

Der Kaiserhof deutet daraus eine klare historische Linie ab:

Wilson machte Kommunikation.

Roosevelt machte Kommunikation.

Bush machte Kommunikation.

Obama machte Kommunikation.

Biden machte Kommunikation.

Und Trumpius Caesar?

Natürlich ebenfalls Kommunikation.

Nur zufällig in der Version:

Communication – Imperial Gold Edition.

Der kleine Unterschied zwischen Information und Propaganda

Das Weiße Haus beklagt, frühere Regierungsbotschaften seien häufig als „public education“ bezeichnet worden, während heutige patriotische Botschaften schnell als „Propaganda“ kritisiert würden.

Das ist aus Sicht des Imperiums ein ungeheurer Skandal.

Denn die Unterscheidung ist doch denkbar einfach:

Wenn eine frühere Regierung Botschaften sendet, kann man darüber diskutieren.

Wenn Trumpius Caesar Botschaften sendet, ist bereits die Diskussion selbst verdächtig.

So funktioniert die neue politische Kommunikationslehre:

Regierung sagt etwas: Information.

Regierung sagt es oft: Aufklärung.

Regierung sagt es überall: Kampagne.

Regierung sagt es mit Fahnen: Patriotismus.

Regierung sagt es mit Trumpius Caesar: völlig neutraler Staatsservice.

Die Fahne als Argument

Der Hof versichert außerdem, die Spots seien klar gekennzeichnet und richteten sich an das ganze Land.

Das macht sie, so lautet die kaiserliche Theorie, automatisch unverdächtig.

Schließlich kann etwas kaum parteiisch sein, wenn es gleichzeitig an alle ausgestrahlt wird.

Nach derselben Logik wäre ein Megafon auf dem Marktplatz ein Symbol vollkommener Neutralität.

Entscheidend ist offenbar nicht mehr, was gesagt wird.

Entscheidend ist, dass es laut genug gesagt wird.

Das Ministerium für völlig neutrale Begeisterung

Im Imperium Trumpianum könnte deshalb bald eine neue Behörde entstehen:

Das Ministerium für unpolitische patriotische Regierungsbegeisterung.

Sein Auftrag:

den Bürgern vollkommen neutral erklären, warum die Regierung hervorragend arbeitet,

warum ihre Richtung richtig ist,

warum ihre Gegner übertreiben,

warum Kritik verdächtig klingt,

und warum all das selbstverständlich keinerlei politische Kommunikation darstellt.

Zur Sicherheit könnte unter jedem Spot eingeblendet werden:

„Diese Botschaft enthält keinerlei politische Botschaft.“

Das wäre immerhin eindeutig.

Und am Ende bleibt nur Amerika

Trumpius Caesar lässt keinen Zweifel:

Die Botschaften seien „unapologetically American“.

Also kompromisslos amerikanisch.

Im Hofjargon bedeutet das vermutlich:

mehr Flaggen,

mehr Adler,

mehr Grenzen,

mehr Stärke,

mehr Pathos,

mehr Amerika

und möglichst wenig unangenehme Fragen darüber, wer eigentlich dafür bezahlt und welchem politischen Narrativ das Ganze dient.

So endet die große Debatte im Reich mit einer wunderbaren neuen Definition:

Propaganda ist politische Kommunikation, deren Absender man nicht mag.

Öffentliche Information ist politische Kommunikation mit offiziellem Briefkopf.

Und wenn Trumpius Caesar persönlich darauf erscheint?

Dann ist es selbstverständlich keine Werbung.

Es ist Geschichte.

Live.

In Farbe.

Bezahlt vom Steuerzahler.

Und völlig neutral.

Natürlich.

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