Wenn Trumpius Caesar Maximus in eine Provinz zurückkehrt, dann reist er selbstverständlich nicht einfach nur an. Nein. Er erscheint.
Und so zog der Imperator erneut gen Georgiastan, jenes fruchtbare Pfirsichland im Süden des Imperiums, begleitet von Fanfaren, Tabellen, Investitionssummen und vermutlich mindestens einem Herold, der sämtliche wirtschaftlichen Erfolge vorsichtshalber bereits vor Ankunft des Kaisers verkündet hatte.
Denn nach Darstellung des Weißen Palatiums ist Georgiastan unter Trumpius Caesar inzwischen weniger ein Bundesstaat als vielmehr eine Mischung aus Wirtschaftswunder, Steuerparadies, Festungsanlage und industriellem Freizeitpark.
Die große Steueramphore wird ausgeschüttet
Zunächst ließ Trumpius verkünden, dass die hart arbeitenden Bürger Georgiastans nun von den legendären Steuersenkungen für arbeitende Familien des Imperators profitierten.
Besonders die Senioren dürften sich freuen. Ihre Sozialleistungen würden durch neue Abzüge steuerlich so behandelt, als hätte Caesar persönlich beschlossen, der kaiserliche Fiskus solle seine Finger wenigstens gelegentlich bei sich behalten.
Auch Steuererstattungen flössen üppig zurück. Im Palast spricht man selbstverständlich nicht von Geld, das Bürger zuvor eingezahlt haben. Nein, es handelt sich um eine großzügige Rückgabe aus der Schatzkammer des Trumpius – vermutlich überreicht von einem Senator mit Lorbeerkranz und goldenem Taschenrechner.
Zugleich seien Arbeitsplätze, Wirtschaftsleistung und Löhne geschützt worden.
Kurz gesagt: Ohne Trumpius Caesar, so lässt sich der kaiserliche Bericht lesen, hätte Georgiastan vermutlich bereits aufgehört zu existieren und wäre vorsorglich an Florida verpachtet worden.
Die Fabriken marschieren ein
Noch imposanter fällt die Liste neuer Investitionen aus.
Reifenfürst Pirellius Rotundus errichtet größere Hallen. Siemensus Industrialis baut neue Werke. UCBius Pharmaceuticus plant gewaltige Produktionsstätten. Dazu kommen Metallgießer, Motorenbauer, Flugmaschinenhersteller und allerlei weitere industrielle Legionen.
Überall entstehen Werke.
Überall entstehen Jobs.
Überall werden Milliarden bewegt.
Im Grunde fehlt nur noch die Meldung, dass selbst der Vesuv beschlossen hat, aus wirtschaftlichem Optimismus künftig in Georgia zu produzieren.
Besonders raffiniert ist dabei die kaiserliche Formulierung, wonach Georgiastan zusätzlich „gut positioniert“ sei, um an weiteren Investitionen teilzuhaben.
Im Trumpius-Latein bedeutet „gut positioniert“ ungefähr:
Das Geld ist zwar noch nicht zwingend da, aber wir haben bereits eine triumphale Pressemitteilung vorbereitet.
Strompreise unter kaiserlicher Aufsicht
Auch die Energiefrage hat der Imperator offenbar unter Kontrolle.
Der große Stromversorger Georgia Powerus Electricus werde seine Basistarife einfrieren und Milliarden an Einsparungen ermöglichen.
Große Rechenzentren sollen zudem ihre eigenen infrastrukturellen Kosten tragen.
Eine revolutionäre Idee.
Unter Trumpius Caesar müssen gigantische Datenburgen ihren Strom nun tatsächlich selbst bezahlen.
Die Senatoren sollen nach dieser Ankündigung mehrere Minuten benötigt haben, um sich von der wirtschaftspolitischen Radikalität dieses Konzepts zu erholen.
Bauernhilfe aus der Kornkammer des Imperiums
Auch Georgiastans Bauern erhalten Unterstützung.
Millionen fließen über Hilfsprogramme an Produzenten, die unter Handelsstörungen und gestiegenen Betriebskosten leiden.
Selbstverständlich werden diese Belastungen im Palastbericht großzügig der vorherigen Regierung zugerechnet.
Das ist eines der ältesten Gesetze des Trumpius-Reiches:
Alles Gute beginnt mit Trumpius. Alles Schlechte begann exakt einen Präsidenten früher.
Sollte morgen Regen fallen, war vermutlich Biden schuld.
Sollte übermorgen die Sonne scheinen, wird Trumpius Caesar eine Executive Order dazu veröffentlicht haben.
Hurrikan Helene trifft auf Caesar
Auch nach den Verwüstungen durch Hurrikan Helene präsentiert sich der Imperator als oberster Wiederaufbauer.
Der Anteil der Bundesmittel wurde erhöht, Katastrophenhilfen genehmigt, FEMA-Mittel bereitgestellt.
In der kaiserlichen Erzählung entsteht dadurch beinahe der Eindruck, Trumpius habe persönlich am Strand gestanden, den Hurrikan angesehen und befohlen:
„Ninety percent! Very strong number. Maybe the strongest hurricane reimbursement ever.“
Der Sturm soll danach unverzüglich seine Unterlagen eingereicht haben.
Die Große Grenzmauer der Statistik
Natürlich darf im Triumphzug durch Georgiastan das Lieblingsthema des Imperators nicht fehlen: die Grenze.
Das Weiße Palatium verkündet eine historische Sicherung der Südgrenze, stark gesunkene Aufgriffszahlen, drastisch reduzierte Flüchtlingsaufnahmen und eine härtere Abschiebepolitik.
Die Regierung verweist dabei erneut auf den Mord an Laken Riley und den nach ihr benannten Laken Riley Act, den Trumpius Caesar zum Gesetz machte.
Die Botschaft ist eindeutig:
Die Grenze sei geschlossen, die Tore bewacht, die Legionen wachsam und selbst ein besonders entschlossener Waschbär müsse inzwischen vermutlich drei Formulare ausfüllen, bevor er den Rio Grande überqueren dürfe.
Auch ICE präsentiert beeindruckende Festnahmezahlen gegen Bandenmitglieder.
Im kaiserlichen Narrativ verwandelt sich die gesamte Südgrenze damit in eine Mischung aus Hadrianswall, Flughafen-Sicherheitskontrolle und Trumpius-Merchandise-Shop.
Sicherere Straßen dank imperialer Ordnung
Zum Abschluss folgt der Sicherheitsbericht.
Morde seien in Atlanta und DeKalb County deutlich zurückgegangen.
Für den Palast ist selbstverständlich klar, wem das zu verdanken ist.
Trumpius Caesar.
Nicht lokalen Ermittlern.
Nicht Staatsanwälten.
Nicht gesellschaftlichen Entwicklungen.
Nicht statistischen Schwankungen.
Trumpius.
Wahrscheinlich schaut inzwischen selbst ein Ladendieb vor seiner Tat nervös Richtung Washington und fragt sich:
„Hat der Kaiser heute vielleicht gerade besonders viel Law-and-Order?“
Die Wahl zwischen Paradies und Untergang
So endet der kaiserliche Georgiastan-Bericht mit jener klassischen politischen Auswahl, die in Trumpius-Rom traditionell aus zwei Möglichkeiten besteht:
Entweder man unterstützt Trumpius Caesar und erhält Wohlstand, Sicherheit, Fabriken, günstigen Strom, glückliche Bauern und möglicherweise kostenlos glänzende Pfirsiche.
Oder man wählt die andere Seite – und wird offenbar augenblicklich mit Steuererhöhungen, offenen Grenzen, wirtschaftlichem Niedergang und vermutlich Heuschrecken bestraft.
Ein Mittelweg ist im Imperium nicht vorgesehen.
Denn Trumpius Caesar betreibt keine Politik.
Er betreibt kosmische Kausalität.
Wenn in Georgia eine Fabrik eröffnet, hat Trumpius sie gebaut.
Wenn ein Bauer Unterstützung bekommt, hat Trumpius persönlich die Scheune gerettet.
Wenn die Kriminalität sinkt, hat Trumpius nachts vermutlich eigenhändig durch Atlanta patrouilliert.
Und sollte irgendwo dennoch etwas schiefgehen, besitzt der Imperator schließlich noch immer das wichtigste Regierungsinstrument seiner zweiten Amtszeit:
Biden.

