Im Großen Goldenen Palast zu Washingtonia ist erneut Geschichte geschrieben worden. Oder zumindest drei Unterschriften, was im Imperium des Trumpius Caesar bekanntermaßen ungefähr dasselbe bedeutet.
Seine Erhabenheit Imperator Donaldus Trumpius Maximus, Erster seines Namens, Bezwinger widerspenstiger Papierstapel, Oberster Hüter des goldenen Filzstifts und ewiger Beschützer ordnungsgemäß abgehefteter Gesetzestexte, hat gleich drei neue Werke senatorischer Schreibkunst mit seiner kaiserlichen Signatur versehen.
Damit sind Wasser, Fisch und Ruhestand fortan offiziell geregelt.
Das Reich kann wieder schlafen.
Erstes Dekret: Mehr Freiheit für das Wasser
Mit dem Crow-Stammes-Wasserrechts-Flexibilisierungs-und-Damit-Endlich-Fertigwerden-Gesetz erhält die Crow Nation in Montana zusätzliche Möglichkeiten, bestimmte Wasserprojekte auf ihrem Reservatsgebiet umzusetzen.
Im Palast wurde dies umgehend als historischer Triumph über die gefährliche Eigenart von Wasser gewertet, grundsätzlich bergab zu fließen, ohne zuvor eine Genehmigung beim imperialen Verwaltungsapparat einzuholen.
Trumpius Caesar soll nach der Unterzeichnung zufrieden genickt haben.
„Wasser“, erklärte ein imaginierter Hofchronist ehrfürchtig, „ist sehr wichtig. Vielleicht sogar das nasseste Element, das wir haben.“
Mehr musste niemand wissen.
Die kaiserlichen Ingenieure erhielten anschließend den Auftrag, sicherzustellen, dass Aquädukte, Leitungen und andere moderne Zauberwerke künftig nicht daran scheitern, dass irgendwo noch ein Pergament aus dem vorletzten Jahrzehnt fehlt.
Rom hatte Aquädukte.
Washingtonia hat Änderungsanträge.
Fortschritt!
Zweites Dekret: Der große Fischpass beginnt
Noch bedeutender erscheint das Gesetz zur Bekämpfung illegaler Rot-Schnapper und verdächtiger Thunfische.
Denn das Imperium wird nicht länger tatenlos zusehen, wie Meeresbewohner womöglich unter falscher Herkunftsflagge in amerikanische Küchen eindringen.
Das Handelsministerium soll deshalb eine einheitliche Methode entwickeln, mit der sich per chemischer Analyse bestimmen lässt, aus welchem Land ein Fisch tatsächlich stammt.
Für die Unterwasserwelt beginnt damit eine neue Ära imperialer Grenzkontrolle.
Künftig könnte jeder Thunfisch gedanklich mit erhobenen Flossen vor dem Zoll stehen:
„Herkunftsland?“
Blubb.
„Papiere?“
Blubb.
„Chemische Analyse!“
Das Reich schlägt zurück.
Gerüchten zufolge wird im Palast bereits darüber beraten, ob verdächtige Garnelen künftig Fingerabdrücke abgeben müssen und ob Hummer bei Einreise erklären sollen, ob sie in den vergangenen Monaten Kontakt zu ausländischen Algen hatten.
Auch Muscheln könnten bald Schwierigkeiten bekommen. Wer sich konsequent weigert, den Mund aufzumachen, macht sich im Imperium schließlich automatisch verdächtig.
Der Rot-Schnapper jedenfalls weiß nun: Seine Tage der anonymen Globalisierung sind gezählt.
Drittes Dekret: Ruhestand durch Besitz
Schließlich unterzeichnete Trumpius Caesar noch den Retire-through-Ownership-Act, im imperialen Sprachgebrauch bereits liebevoll als „Ruhestand-durch-Aktien-und-bitte-nicht-nachfragen-Gesetz“ bekannt.
Das Gesetz präzisiert Regeln zur angemessenen Bewertung bestimmter Aktien nicht börsennotierter Unternehmen innerhalb des amerikanischen Rentenrechts.
Ein Thema von derart majestätischer Verständlichkeit, dass selbst erfahrene Senatoren vermutlich nach dem dritten Absatz beschlossen haben, einfach zustimmend zu schauen.
Im Palast wurde dennoch sofort verkündet, das Gesetz bringe „Klarheit“.
Klarheit ist bekanntlich immer dann erreicht, wenn ein Gesetz erklärt, was ein anderes Gesetz mit einem Begriff gemeint haben könnte, den zuvor niemand eindeutig definiert hatte.
Wer wissen möchte, was „angemessene Gegenleistung“ genau bedeutet, kann selbstverständlich die einschlägigen Vorschriften studieren.
Wer anschließend noch Fragen hat, darf zusätzlich die Erläuterungen studieren.
Wer danach alles verstanden hat, wird vermutlich direkt zum kaiserlichen Finanzorakel befördert.
So funktioniert Zivilisation.
Drei Gesetze. Ein Caesar. Unendliche Größe.
Am Ende des Tages standen drei frisch unterzeichnete Gesetze auf dem goldenen Tisch des Imperators:
Wasser darf flexibler fließen.
Fische müssen beweisen, woher sie kommen.
Und Aktien sollen wissen, was sie wert sind, bevor jemand damit in Rente geht.
Eine gewöhnliche Regierung hätte möglicherweise von drei technisch durchaus bedeutenden, aber eher speziellen Gesetzesänderungen gesprochen.
Nicht Washingtonia.
Im Reich des Trumpius Maximus wird selbstverständlich jede Unterschrift behandelt, als hätte Jupiter persönlich den Donnerhammer an die Verwaltung übergeben.
Frühere Herrscher bauten Straßen, führten Legionen und errichteten Monumente.
Alexander der Große eroberte Persien.
Caesar eroberte Gallien.
Augustus ordnete Rom neu.
Trumpius Maximus?
Trumpius zwang einen Thunfisch zum Herkunftsnachweis.
Und so wird man sich dieses goldene Zeitalter erinnern:
Nicht an einen neuen Kontinent.
Nicht an einen Triumphbogen.
Nicht an die Eroberung eines Weltreiches.
Sondern an jenen historischen Tag, an dem Washingtonia dem Rot-Schnapper mit eiserner Entschlossenheit zurief:
„Papiere, bitte.“
Der Fisch hatte keine.
Das Imperium hatte gewonnen.

