Im gewaltigen Imperium Americanum ist eine neue Bedrohung aufgetaucht. Keine fremde Armee. Keine Barbarenhorde. Kein Drache aus Kanada. Schlimmer: Hafermilch.
Zumindest wenn man den neuesten kaiserlichen Verkündungen aus dem Palatium Album Glauben schenkt.
Dort wurde nämlich festgestellt, dass finstere Kräfte daran arbeiten, den Sozialismus heimlich salonfähig zu machen. Nicht mehr mit roten Fahnen, klapprigen Panzern und Männern in schlecht sitzenden Uniformen, sondern mit Stoffbeuteln, kürzeren Arbeitswochen und Getränken, die einmal Hafer waren.
Für Imperator Donaldus Trumpius Maximus Caesar, Retter des Steaks, Beschützer der Zapfsäulen und Oberster Verteidiger des grenzenlosen Konsums, ist die Lage eindeutig:
Der kommunistische Umsturz beginnt offenbar im Coffee-Shop.
Der kleine rote Test des Untergangs
Besonders empört blickte das Palatium auf eine Veröffentlichung der Gazette Newsweekius, die ihren Lesern einen spielerischen „kleinen roten Test“ anbot.
Dort wurde gefragt, ob man Hafermilch mag, Stofftaschen benutzt oder womöglich sogar der grotesken Vorstellung anhängt, dass Menschen gelegentlich weniger arbeiten möchten.
Im Imperium Trumpius gilt das bereits als ideologisches Frühwarnsystem.
Wer Hafermilch bestellt, steht vermutlich kurz davor, eine Kolchose zu gründen.
Wer einen Stoffbeutel trägt, plant möglicherweise bereits die Enteignung des nächsten Walmartius.
Und wer eine kürzere Arbeitswoche attraktiv findet, dürfte spätestens am Freitagmittag den Winterpalast stürmen.
Trumpius Caesar ließ daher vorsorglich prüfen, ob amerikanische Cafés künftig verpflichtet werden sollten, beim Verkauf pflanzlicher Milch einen Loyalitätseid auf den Kapitalismus abzunehmen.
Das Gespenst trägt Jutebeutel
Das kaiserliche Dekret erinnerte anschließend daran, dass kommunistische und sozialistische Regime historisch enormes Leid, Hunger, Verfolgung und millionenfachen Tod verursacht haben.
Doch weil im Reich des Trumpius historische Einordnung niemals ohne mindestens zwölf Fanfaren, drei Ausrufezeichen und einen imaginären Weltuntergang auskommt, verwandelte sich diese ernsthafte historische Feststellung rasch in eine apokalyptische Vision vom bevorstehenden amerikanischen Gemüse-Regal.
Die Democratii Socialistici Americanorum sowie die gefürchtete Sinistra Radicalissima würden, so die kaiserliche Botschaft, bereits bereitstehen, um das Land in eine Mischung aus staatlicher Suppenküche, Grenzstation ohne Grenze und gigantischem Fahrradweg zu verwandeln.
Besonders verdächtig seien Pläne für eine umfassendere Gesundheitsversorgung.
Denn im Imperium Trumpius weiß man:
Sobald ein Bürger zum Arzt gehen kann, ohne anschließend sein Haus verkaufen zu müssen, beginnt irgendwo unweigerlich der Marxismus.
Neunundvierzig Billionen Gründe für Panik
Natürlich wäre kein kaiserliches Dekret vollständig ohne eine Zahl, die so groß ist, dass selbst Mathematiker kurz ihre Brille abnehmen und schweigend aus dem Fenster schauen.
Der Hofrat der ökonomischen Weissagung, bekannt als Consilium Economicorum Caesarum, errechnete daher gewaltige Kosten für die angebliche sozialistische Agenda.
Steuern würden steigen.
Löhne würden fallen.
Hypotheken würden explodieren.
Arbeitsplätze würden verschwinden.
Die Produktivität würde kollabieren.
Regale würden leer.
Ärzte würden rationiert.
Womöglich gäbe es am Ende sogar Supermärkte, in denen siebenundvierzig Sorten Frühstücksflocken nicht mehr als unveräußerliches Menschenrecht gelten.
Für Trumpius Caesar ist dies der endgültige Beweis dafür, dass Amerika nur zwei mögliche Zukunftsmodelle kennt:
Entweder goldene Türme, SUVs und Cheeseburger in imperialer Größe.
Oder Kuba.
Dazwischen existiert politisch offenbar lediglich Kanada, und selbst das steht unter Beobachtung.
Demokratii planen angeblich den Untergang
Besonders majestätisch wurde die Verkündigung, als den Democratii nicht bloß falsche Politik vorgeworfen wurde.
Nein.
Sie wollten laut kaiserlicher Botschaft Amerikas Wohlstand, Sicherheit und Freiheit absichtlich zerstören.
Das ist natürlich erheblich dramatischer als gewöhnliche politische Differenzen.
Ein Streit über Gesundheitspolitik?
Nein.
Sabotage des Imperiums.
Andere Vorstellungen von Einwanderung?
Revolution.
Klimapolitik?
Belagerung Roms.
Ein Politiker schlägt höhere Steuern vor?
Holt die Prätorianergarde.
So funktioniert Debatte im Trumpianischen Kaiserreich: Der politische Gegner hat keine andere Meinung. Er besitzt einen geheimen Plan, die Republik zu ruinieren, sämtliche Kühlschränke zu leeren und anschließend wahrscheinlich noch das Thermostat zu verstaatlichen.
Der große Schwur des Caesar
Am Ende ließ Trumpius Caesar die wichtigste Botschaft erneut in goldene Marmortafeln meißeln:
America Pulchra werde niemals ein kommunistisches Land sein.
Die Hofschreiber setzten vorsichtshalber besonders viele Ausrufezeichen dahinter, denn im Imperium gilt die Zahl der Satzzeichen bekanntlich als objektive Maßeinheit politischer Entschlossenheit.
Danach kehrte Ruhe im Palatium ein.
Die Legionen standen bereit.
Die Börse öffnete wie gewohnt.
Die Supermarktregale waren gefüllt.
Und irgendwo bestellte ein völlig ahnungsloser Bürger einen Latte mit Hafermilch.
Der Geheimdienst beobachtet die Lage.

