Im ruhmreichen Imperium Americanum ist ein Wunder geschehen! Fabriken entstehen, Hochöfen glühen, Atomreaktoren warten auf ihre Segnung und Milliarden bewegen sich in solchen Mengen durch das Reich, dass selbst die kaiserlichen Buchhalter inzwischen einen Taschenrechner mit Sauerstoffversorgung benötigen.
Seine Allerprächtigste Majestät Imperator Donaldus Trumpius Caesar Maximus, Bezwinger der Arbeitslosigkeit, Schutzpatron der Stahlträger und persönlich ernannter Oberster Gehaltszettelverteiler, hat verkündet: Amerika wird wieder großartig produzieren!
„Wir werden alles hier bauen! Alles hier betreiben! Und alles hier bezahlen! Niemand hat jemals so viele Dinge hier gemacht wie ich! Sogar das Wort hier wurde unter meiner Herrschaft großartiger!“, donnerte der Imperator vor einer jubelnden Versammlung sorgfältig ausgewählter Wirtschaftspropheten.
Iowa bekommt Stahl – und der Kaiser bekommt ein Denkmal aus Hochöfen
Den Anfang macht die ehrwürdige Provinz Iowanicum, wo die mächtige Schmiedegilde Mesabi Metallicus einen gigantischen Stahlkomplex errichten will.
Fünfzehn Milliarden imperiale Golddollar sollen in die Anlage fließen. Es wäre das größte Stahlwerk, das jemals auf amerikanischem Boden entstanden ist.
Trumpius Caesar zeigte sich begeistert.
„Das ist nicht einfach Stahl! Das ist der beste Stahl! Unglaublicher Stahl! Stahl, der härter ist als die Fragen der feindlichen Presse und glänzender als meine persönliche Siegesstatue!“
Die kaiserlichen Berater versprechen Tausende Arbeitsplätze und einen wirtschaftlichen Aufschwung von nahezu mythologischen Ausmaßen.
Besonders stolz ist der Imperator auf seine Strafzölle, die ausländischen Stahl angeblich so sehr erschreckt haben, dass amerikanisches Eisenerz inzwischen freiwillig aus dem Boden springt.
Ein Minister schlug bereits vor, jedem Stahlträger vor seiner Auslieferung einen Treueeid auf Trumpius Caesar abzunehmen.
Der Imperator genehmigte den Vorschlag unter der Bedingung, dass die Stahlträger dabei applaudieren.
Admiral Andurilius baut Schiffe – auch wenn noch niemand weiß, wohin mit dem ganzen Ruhm
In der Küstenprovinz Marylandium entsteht unter Führung der Rüstungsschmiede Andurilius Armamentarius ein gewaltiger neuer Werftkomplex namens Arsenal Secundus.
Dort sollen künftig Bauteile für die mächtigen Unterwasserkriegsschiffe der Virginia-Klasse gefertigt werden.
Die privaten Investoren bringen Milliarden mit, die kaiserliche Marine ebenfalls. Gemeinsam soll daraus die größte amerikanische Werftoffensive seit dem Zweiten Weltkrieg entstehen.
Trumpius Caesar war tief bewegt.
„Wir werden Schiffe bauen! Riesige Schiffe! Die schönsten Schiffe! Manche werden sogar unter Wasser fahren! Niemand wusste, dass das möglich ist, bevor ich darüber gesprochen habe!“
Ein Admiral versuchte vorsichtig zu erklären, dass U-Boote bereits seit geraumer Zeit existieren.
Er wurde daraufhin zum kaiserlichen Beauftragten für unnötige historische Informationen ernannt.
Korea schickt Milliarden – Trumpius bestellt gleich die Zukunft
Besonders majestätisch geriet die Verkündung eines südkoreanischen Investitionspakets von bis zu zweihundert Milliarden Golddollar.
Geplant sind gewaltige Atomkraftwerke, ein gigantisches Flüssiggasprojekt in Alaskania und eine monumentale Gaskraftanlage in Texanicum.
Trumpius Caesar präsentierte die Pläne persönlich auf einer goldenen Weltkarte.
„Die Koreaner bringen uns Energie! Sehr viel Energie! Wir werden so viel Strom haben, dass selbst unsere Stromrechnungen beleuchtet sein werden!“
Sein kaiserlicher Energieberater schlug vor, die neuen Atomreaktoren nach den wichtigsten Persönlichkeiten des Reiches zu benennen.
Nach intensiver Beratung einigte man sich auf Donaldus I, Donaldus II, Donaldus III und Donaldus IV.
Die übrigen Reaktoren sollen nach weiteren herausragenden Persönlichkeiten benannt werden.
Die Auswahl ist noch offen, weil Trumpius Caesar darauf besteht, auch diese persönlich zu verkörpern.
Vancius Junior entdeckt Alaska und verlegt vorsichtshalber ein Kabel
Während der Imperator die Weltwirtschaft neu ordnete, durfte sein treuer Vizekaiser J. D. Vancius Junior ebenfalls eine historische Tat vollbringen.
In Alaskania soll eine neue Stromtrasse entstehen, finanziell unterstützt durch das kaiserliche Energieministerium.
Die Leitung verbindet entlegene Regionen und soll die Energieversorgung stärken.
Vancius erklärte stolz, man bringe endlich Elektrizität dorthin, wo sie dringend gebraucht werde.
Trumpius Caesar zeigte sich überrascht.
„Alaska hat Strom? Fantastisch! Dann können wir dort jetzt noch mehr Strom hinbringen! Niemand hat jemals so erfolgreich Elektrizität elektrifiziert wie wir!“
Zur Feier des Tages ließ der Imperator einen goldenen Lichtschalter anfertigen.
Leider war dieser an keine Leitung angeschlossen.
Das Weiße Palatium bezeichnete den Vorfall dennoch als historischen Durchbruch in der kabellosen Symbolpolitik.
Patriotische Spritzen: Amerika wird bis zur Nadelspitze großartig
Auch die medizinische Versorgung des Imperiums erhält einen gewaltigen Schub.
Die ehrwürdige Heilmittelmanufaktur Bectonus Dickinsonius kündigte umfangreiche Investitionen an. Künftig sollen sämtliche in Amerika verkauften Nadeln des Unternehmens im eigenen Land und mit amerikanischem Stahl gefertigt werden.
Für Trumpius Caesar ein emotionaler Augenblick.
„Unsere Nadeln werden amerikanisch sein! Hundert Prozent! Keine ausländischen Nadeln mehr, die heimlich versuchen, unseren Patienten fremde Ideen einzuspritzen!“
Das Gesundheitsministerium prüft bereits, ob jede Spritze künftig vor der Anwendung die Nationalhymne summen muss.
Ein kaiserlicher Hofarzt warnte, dies könne die Behandlungsdauer erheblich verlängern.
Trumpius Caesar widersprach energisch:
„Eine patriotische Spritze wirkt mindestens tausend Prozent besser! Das haben mir sehr kluge Menschen gesagt. Menschen mit weißen Kitteln. Manche waren sogar Ärzte!“
AstraZenecius entdeckt das goldene Rezept
Auch der Pharmagigant AstraZenecius Medicinalis möchte das Imperium mit einer milliardenschweren Investition in Massachusetts beglücken.
Neue Forschungsanlagen, zusätzliche Produktionskapazitäten und hochqualifizierte Arbeitsplätze sollen entstehen.
Trumpius Caesar erklärte daraufhin, seine Wirtschaftspolitik habe nicht nur die Industrie geheilt, sondern möglicherweise bereits die gesamte Medizin erfunden.
„Früher hatten wir Krankheiten! Jetzt haben wir Investitionen! Und Investitionen sind die beste Medizin! Besonders wenn mein Name daraufsteht!“
Seine Berater bemühten sich anschließend um die Klarstellung, dass eine milliardenschwere Forschungsinvestition nicht automatisch sämtliche Krankheiten beseitigt.
Der Imperator ordnete daraufhin eine Untersuchung an, warum seine Berater ständig schlechte Nachrichten verbreiteten.
Der kaiserliche Schlussbericht: Wenn Milliarden applaudieren, wird die Buchhaltung nebensächlich
Am Ende der großen Verkündung versammelten sich die Minister im Goldenen Palatium, um dem Imperator die wirtschaftlichen Triumphe zusammenzufassen.
Stahlwerke! Werften! Atomkraft! Gasleitungen! Stromtrassen! Spritzen! Medikamente!
Überall Milliarden, überall Versprechen, überall die unverwechselbare Handschrift des größten Wirtschaftsherrschers seit Erfindung der römischen Steuererklärung.
Ein mutiger Finanzbeamter wagte schließlich die Frage, wann sämtliche angekündigten Projekte tatsächlich fertiggestellt würden und wie viele der versprochenen Arbeitsplätze bereits entstanden seien.
Im Thronsaal wurde es still.
Trumpius Caesar erhob sich langsam von seinem goldenen Sitz.
„Fertiggestellt? Arbeitsplätze entstanden? Was für absurde Fragen! Wir haben Milliarden angekündigt! Historische Milliarden! Die größten Milliarden aller Zeiten!“
Der Finanzbeamte wollte gerade erklären, dass eine Investitionsankündigung noch keine fertige Fabrik sei.
Doch der Imperator hatte bereits einen neuen Erlass unterzeichnet:
Ab sofort gelten im Imperium Americanum sämtliche angekündigten Investitionen als vollendete wirtschaftliche Wunder, sobald der Kaiser darüber gesprochen hat.
Und weil Trumpius Caesar grundsätzlich niemals halbe Sachen macht, wurde gleichzeitig verfügt, dass jede angekündigte Milliarde automatisch als persönlicher Verdienst des Imperators zu verbuchen sei.
Das Finanzministerium jubelte. Die Wirtschaftsberater applaudierten. Die Hofpresse veröffentlichte eine Sonderausgabe.
Nur der kaiserliche Schatzmeister blieb merkwürdig still.
Er hatte gerade festgestellt, dass sämtliche Milliarden bisher ausschließlich auf dem Papier existierten.
Trumpius Caesar lächelte überlegen.
„Perfekt! Dann drucken wir eben mehr Papier. Und schon haben wir noch mehr Milliarden!“
So sprach Trumpius Caesar. Und das Imperium verneigte sich vor dem ersten Herrscher der Weltgeschichte, der die Wirtschaft nicht mehr aufbauen musste – weil es vollkommen genügte, ihren Aufbau anzukündigen.

