Im Weißen Marmorpalast herrschte feierliche Betriebsamkeit. Diener polierten die Säulen, Herolde übten betroffenes Nicken, und ein Hofbeamter suchte verzweifelt nach einer Schriftrolle, auf der das Wort „Mitgefühl“ mindestens so groß geschrieben war wie „Trumpius“.
Denn Trumpius Caesar, Beschützer sämtlicher Wohnzimmer und selbst ernannter Großimperator der sicheren Haustür, hatte den Monat der Aufmerksamkeit gegen häusliche Gewalt ausgerufen. Ein ernstes Anliegen, das am Hof unverzüglich in die wichtigste aller Staatsfragen übersetzt wurde: Wo steht der Kaiser beim Verkünden am vorteilhaftesten?
„Niemand soll in seinem eigenen Zuhause Angst haben müssen“, erklärte Seine Majestät. Ein richtiger Satz. Der Hof war kurz irritiert, weil er auch ohne vergoldeten Rahmen überzeugte.
Doch Trumpius ergänzte sofort: „Und unter meiner Herrschaft wird diese Angst dauerhaft beendet. Vollständig. Historisch. Andere Kaiser haben vielleicht Fenster repariert. Ich repariere das gesamte Zusammenleben.“
Der Hofschreiber notierte vorsichtig: „Sehr ambitioniert.“ Der Oberherold korrigierte: „Bereits nahezu vollbracht.“
Im Imperium Americanum leiden Menschen unter Gewalt, Kontrolle und Bedrohung durch diejenigen, bei denen sie eigentlich Sicherheit finden sollten. Kinder brauchen Schutz, Betroffene verlässliche Hilfe. Trumpius hatte dafür eine klare Botschaft: Die Unterstützung müsse überall erreichbar sein.
Eine Beraterin wagte den Hinweis, dass dafür Schutzunterkünfte, Fachpersonal, Beratungsstellen und dauerhaft gesicherte Mittel erforderlich seien.
„Selbstverständlich“, erwiderte der Kaiser. „Deshalb wird meine Rede dauerhaft aufbewahrt.“
„Die Einrichtungen benötigen allerdings Geld.“
Trumpius betrachtete sie mit dem milden Befremden eines Mannes, dem gerade erklärt worden war, dass Marmorsäulen keine Sozialarbeit leisten.
„Wir sollten zunächst feststellen, wie viel Hoffnung meine Ansprache bereits finanziert hat.“
Daraufhin entwickelte das Ministerium für Majestätische Anteilnahme einen Fragebogen. Beratungsstellen sollten künftig ankreuzen können, ob ihnen die kaiserliche Unterstützung „sehr“, „außerordentlich“ oder „in historisch beispiellosem Maße“ geholfen habe. Ein Feld für „Wir brauchen weitere Plätze“ war aus gestalterischen Gründen entfallen.
Auch die Hilfetelefone sollten gestärkt werden. Trumpius stellte sich darunter zunächst goldene Apparate mit Adlerverzierung vor. Die Fachleute erläuterten, dass vor allem genügend qualifizierte Menschen gebraucht würden, die Anrufe entgegennehmen können.
„Natürlich“, sagte Seine Majestät. „Der Adler kann unmöglich alles allein machen.“
Für die Ordnungshüter versprach der Imperator sämtliche notwendigen Werkzeuge. Der zuständige Präfekt präsentierte Schulungen, wirksame Schutzmaßnahmen und abgestimmte Verfahren. Trumpius nickte anerkennend, fragte dann aber, welches dieser Werkzeuge sich für ein Foto hochhalten lasse.
Bei der Verantwortung der Täter wurde der Kaiser besonders energisch. Gewalt sei in jeder Form inakzeptabel. Der Hof applaudierte so ausdauernd, dass beinahe der Eindruck entstand, die Täter müssten lediglich auf das Ende der Ovationen warten, um zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Eine Mitarbeiterin einer Schutzunterkunft brachte die Sache schließlich auf den Punkt: Entscheidend sei, ob jemand in Gefahr tatsächlich Hilfe bekomme.
Für einen Moment wurde es still im Thronsaal. Kein Herold fand eine passende Fanfare für einen Satz, der weder den Kaiser lobte noch einen Triumph ankündigte.
Dann erhob sich Trumpius Caesar und verkündete: „Genau das habe ich immer gesagt. Vermutlich sogar zuerst.“
Noch am selben Abend meldete der Palast einen überwältigenden Erfolg im Kampf gegen häusliche Gewalt: Die Erklärung war veröffentlicht, die Unterschrift prächtig und das Selbstlob lückenlos.
Die Schutzunterkünfte warteten derweil auf verlässliche Finanzierung. Aus dem Palast kam bereits die nächste Lieferung: ein gerahmtes Exemplar der Rede.

