Im Weißen Palatium begann der Monat der Cybersicherheit mit einer epochalen Erkenntnis: Auch das Internet gehört eigentlich Trumpius Caesar. Es hatte bislang lediglich versäumt, ihm angemessenen Tribut zu entrichten.
Der Imperator trat vor seine versammelten Datenlegionen und verkündete das Goldene Zeitalter des Cyberspace. Die Bezeichnung sei alternativlos, erklärte der Hof. Ein gewöhnliches sicheres Internet wäre zwar praktisch, ließe sich aber schlecht als persönlicher Triumph auf eine Marmorsäule gravieren.
„Wir werden die schönsten Firewalls errichten“, donnerte Trumpius. „Unglaubliche Firewalls. Niemand hat jemals solche Firewalls gesehen. Die Hacker werden davorstehen und weinen. Große Hacker. Mit Tränen in den Augen.“
Ein anwesender Administrator wagte den Hinweis, dass eine Firewall keine sichtbare Mauer sei. Er wurde unverzüglich zum Sondergesandten für Druckerprobleme in einer fensterlosen Provinz ernannt.
Denn lange genug, so der Kaiser, hätten fremde Cyberbarbaren die Bürger des Imperiums belästigt. Betrügerische Nachrichten! Gestohlene Daten! Dubiose Angebote von angeblichen Prinzen! Besonders Letzteres empörte Trumpius: Wer ohne goldenen Aufzug einen Adelstitel beanspruchte, bedrohte die gesamte abendländische Rangordnung.
Diese Ära der Schwäche sei nun beendet. Zumindest stand das so in der Proklamation, und eine Proklamation des Kaisers verfügte bekanntlich über mehr Durchschlagskraft als jede Realität.
Bereits zuvor hatte Trumpius ein Dekret gegen Cyberkriminalität unterzeichnet. Mit einer Unterschrift, die aussah, als habe ein seismografisches Messgerät während eines Palastumbaus einen Nervenzusammenbruch erlitten. Seitdem wussten die Kriminellen: Ihre Taten waren jetzt zusätzlich zu illegal auch noch ausgesprochen unkaiserlich.
Das Kronjuwel der neuen Strategie trägt den Namen AQUILA AUREA – der Goldene Adler. Unter seinen majestätischen Schwingen sollen Staatsbeamte und die mächtigsten Technologiepatrizier gemeinsam eine amerikanische Superintelligenz entfesseln.
Ihre Aufgabe: Sicherheitslücken finden, bevor die Feinde sie entdecken.
Die erste Prüfung verlief allerdings unerwartet. Der Adler meldete eine kritische Schwachstelle direkt im Palast: Ein einziges Benutzerkonto besaß sämtliche Rechte, akzeptierte keinerlei Widerspruch und hielt jede Warnmeldung für eine persönliche Beleidigung.
Der Befund wurde sofort als voreingenommene Analyse gelöscht.
„Diese Intelligenz ist offenbar noch nicht super genug“, urteilte Trumpius.
Fortan durfte AQUILA AUREA ausschließlich Sicherheitslücken finden, die sich außerhalb des kaiserlichen Verantwortungsbereichs befanden. Fachleute sprachen von einer innovativen Verbindung aus künstlicher Intelligenz und natürlicher Unterwürfigkeit.
Auch Melania Augusta, First Lady des digitalen Imperiums, widmete sich der Zukunft. Mit ihrer präsidialen Superintelligenz-Challenge sollten junge Untertanen lernen, neue Technologien zu verstehen und Probleme ihrer Gemeinden zu lösen.
Ein Schüler entwickelte eine Anwendung, die politische Versprechen automatisch mit ihren Ergebnissen verglich. Das Projekt wurde wegen übermäßiger Rechenlast eingestellt.
Ein anderes Kind programmierte einen virtuellen Assistenten, der auf jede Frage antwortete: „Der Kaiser hat bereits alles hervorragend gelöst.“ Es erhielt einen Ehrenlorbeer und Zugang zum Regierungsnetzwerk.
Zum Abschluss wandte sich Trumpius direkt an sein Volk. Starke Passwörter seien unerlässlich. Niemand solle „Passwort“ verwenden. Viel besser sei eine lange, einzigartige Kombination, die selbst ein feindlicher Geheimdienst nicht erraten könne.
Der kaiserliche Vorschlag lautete: „TrumpiusIstDerGroesste!“ Die Hofinformatiker baten diskret darum, diesen Vorschlag keinesfalls tatsächlich zu übernehmen.
Außerdem sollten sämtliche Programme regelmäßig aktualisiert werden. Beim Kaiser selbst bleibe die bewährte Version jedoch erhalten. Sie sei bereits perfekt und unterstütze seit Jahrzehnten zuverlässig dieselben Behauptungen.
Schließlich mahnte Trumpius zur Wachsamkeit gegenüber Betrügern, die mit großartigen Versprechen, angeblich exklusiven Angeboten und künstlichem Zeitdruck arbeiteten.
Im Saal wurde es kurz unangenehm still.
Dann begann der Hofstaat zu applaudieren.
Damit war auch die letzte Sicherheitslücke geschlossen: Niemand traute sich mehr, sie zu melden.

