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Trumpius Caesar und das Privileg der kaiserlichen Pressebank

21. September 2026  ·  admin  ·  4 Min. Lesezeit

Grafik: Trumpius Caesar sortiert die kaiserliche Presse
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Im Palatium Album zu Washingtonia wurde eine neue Staatslehre verkündet, die nach Ansicht des kaiserlichen Hofes eigentlich schon auf den Marmortafeln des alten Rom hätte stehen müssen:

Pressefreiheit ist ein Recht. Ein Stuhl in Caesars Pressezimmer hingegen ist ein Geschenk des Imperators.

So ungefähr lautet jedenfalls die jüngste Botschaft aus dem Reich des Imperator Donaldus Trumpius Maximus, nachdem die Chronisten von CNNius, MS-NOWicus und der Schriftrollenanstalt Politicus ihre Zugangstäfelchen zum Palast verloren hatten.

Der Hof begründete den Schritt mit jahrelanger angeblicher Falschberichterstattung. Und Trumpius Caesar ließ sinngemäß verkünden: Natürlich dürften die Schreiber weiterhin schreiben. Sie könnten schreiben, bis ihre Federn glühten, ihre Tastaturen rauchten und sämtliche Papyrusrollen Washingtonias aufgebraucht seien.

Nur müsse niemand daraus schließen, dass der Imperator ihnen deshalb automatisch einen gepolsterten Sitzplatz wenige Schritte vom kaiserlichen Rednerpult schulde.

Im neuen Staatsverständnis des Trumpianischen Reiches ist der Presseausweis nämlich ungefähr mit einer Einladung zum imperialen Bankett vergleichbar: Meinungsfreiheit garantiert das Recht, über das Essen zu berichten. Sie garantiert aber offenbar nicht, dass Caesar einen an den Tisch setzt.

Das große Archiv der gekränkten Kaiser

Zur Verteidigung ließ die Palastkanzlei anschließend das historische Archiv öffnen und präsentierte eine lange Schriftrolle mit dem Titel:

„Aber die anderen haben es doch auch gemacht.“

Darin tauchte zunächst Barackus Obamius, ehemaliger Konsul des Demokratischen Reichsteils, auf. Dessen Regierung hatte einst heftige Auseinandersetzungen mit Foxius Newsicus, dessen Journalisten teilweise als politische Akteure betrachtet wurden.

Trumpius’ Hofchronisten wedelten begeistert mit diesen alten Pergamenten.

„Seht!“, riefen sie sinngemäß. „Schon damals wurden Journalisten herumgeschubst! Wir haben das journalistische Herumschubsen also keineswegs erfunden!“

Eine bemerkenswerte Verteidigungsstrategie.

Nach derselben Logik könnte ein römischer Wagenlenker nach einem Zusammenstoß erklären:

„Natürlich bin ich gegen die Säule gefahren. Aber Marcus ist vor fünfzehn Jahren ebenfalls gegen eine Säule gefahren. Wo bleibt eure Empörung über Marcus?“

Die Säule wäre danach zwar immer noch kaputt, aber wenigstens wäre die historische Einordnung vollständig.

Josephus Bidenicus betritt die Schriftrolle

Auch Josephus Bidenicus, früherer Hausherr des Palatium Album, bekam seinen eigenen Abschnitt im imperialen Sündenregister.

Seine Regierung hatte die Regeln für dauerhafte Pressezugänge verändert, wodurch zahlreiche bisherige Ausweise ausliefen oder neu beantragt werden mussten. Der Trumpius-Hof interpretiert dies nun als weiteren Beweis dafür, dass Pressezugang schon immer reguliert worden sei.

Damit war das juristisch-politische Universalargument des Tages geboren:

Wenn irgendwo irgendwann irgendjemand schon einmal eine Tür geschlossen hat, darf Caesar selbstverständlich ebenfalls Türen schließen.

Der kaiserliche Türsteher wurde daraufhin vermutlich zum Verfassungsrechtler des Monats ernannt.

Die mathematische Kränkung des Imperators

Besonders majestätisch wurde es schließlich bei der Frage, wie freundlich die Medien über Trumpius berichten.

Der Hof berief sich auf eine Untersuchung des konservativen Media Research Center, nach der die Berichterstattung großer Fernsehsender über Trump in der Anfangsphase seiner zweiten Amtszeit überwiegend negativ gewesen sei. Derartige Bewertungen hängen allerdings stark von Methodik, Auswahl der Beiträge und Definition positiver beziehungsweise negativer Berichterstattung ab.

Für Trumpius Caesar war die Sache ohnehin wesentlich einfacher:

Positive Berichterstattung = Journalismus.

Negative Berichterstattung = politische Operation mit Kameras.

Sehr negative Berichterstattung = vermutlich gallische Verschwörung.

Ein Reporter, der fragte, ob Journalismus nicht gerade auch darin bestehe, Regierende kritisch zu beobachten, wurde vorsorglich gebeten, seine Zugangstafel einmal kurz beim Pförtner abzugeben.

Nur vorübergehend selbstverständlich.

Etwa bis zum Ende des Imperiums.

Caesar entdeckt die Pressefreiheit

Das eigentlich Faszinierende an der ganzen Affäre ist deshalb die neue trumpianische Definition der Pressefreiheit.

Die Presse darf alles schreiben.

Der Imperator darf aber offenbar entscheiden, welcher Teil dieser Presse ihm dabei persönlich nahe genug kommen darf, um anschließend Fragen zu stellen.

So entsteht eine außergewöhnlich komfortable Variante demokratischer Öffentlichkeit:

Freie Presse – mit kaiserlicher Gästeliste.

Im alten Rom hätte man dafür wahrscheinlich einen eigenen lateinischen Begriff erfunden.

Vielleicht:

Libertas Pressae Selectiva.

Die ausgewählte Pressefreiheit.

Und irgendwo im Palatium Album sitzt Trumpius Caesar vermutlich zufrieden auf seinem goldenen Stuhl, betrachtet die nun etwas übersichtlichere Presselandschaft und verkündet:

„Niemand liebt Pressefreiheit mehr als ich. Wirklich niemand. Die beste Pressefreiheit der Welt. Manche Presse muss nur leider draußen warten.“


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Freie Presse ja – aber bitte nach Gästeliste: Trumpius Caesar erklärt den Zugang zum Palatium Album zum exklusiven Privileg des imperialen Hofes.

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