Aus den ehrwürdigen Hallen von Washingtonium Maximum erschallte erneut der Klang der kaiserlichen Fanfaren. Trumpius Caesar hatte eine Botschaft für das gesamte Imperium: Sein oberster Rechtsritter Toddius Blancus solle endgültig zum Großjustizpräfekten des Reiches erhoben werden. Und weil einfache Empfehlungen für gewöhnliche Kaiser sind, marschierte gleich eine ganze Armee von Unterstützern auf.
Nicht etwa mit Schwertern oder Speeren – nein. Diesmal bewaffneten sich die Legionen mit Empfehlungsschreiben, Presseerklärungen und überschwänglichen Lobeshymnen.
Angeführt wurde der Zug von den sagenumwobenen 382.000 Mitgliedern des Ordens der Fraternalen Schildwachen, die verkündeten, Toddius Blancus verfüge über alles, was ein oberster Hüter des Gesetzes brauche: Erfahrung, Integrität und die bemerkenswerte Fähigkeit, in Sitzungen nicht einzuschlafen.
Kaum war diese Schriftrolle verlesen, erschienen bereits die Oberbefehlshaber der Polizeilegionen des Imperiums. Sie erklärten, Toddius sei ein Mann, der nicht nur das Gesetz kenne, sondern sogar freiwillig Gesetzestexte lese. Ein außergewöhnliches Talent, das im politischen Rom inzwischen fast als übernatürliche Gabe gilt.
Trumpius Caesar nickte zufrieden.
„Seht ihr? Niemand liest freiwillig Paragraphen. Toddius tut es. Das macht ihn praktisch zu einem Magier."
Doch damit war der Triumphzug erst eröffnet.
Aus sämtlichen Provinzen ritten Sheriffs, Statthalter und Rechtsgelehrte herbei. Die Sheriffs der westlichen Wüsten lobten Toddius als unerschütterlichen Verteidiger von Recht und Ordnung. Die Hüter der großen Städte beschrieben ihn als jemanden, der komplizierte Probleme lieber löse als in Ausschüsse überweise – eine Eigenschaft, die im Senat seit Generationen als höchst verdächtig gilt.
Bald bildete sich vor dem Kaiserpalast eine Warteschlange, die bis hinter die monumentale Säule des Bürokratius Maximus reichte.
Jeder wollte noch schnell verkünden, weshalb Toddius Blancus der einzig wahre Großjustizpräfekt sei.
Die Senatoren überboten sich gegenseitig.
Senator Tedius Cruzimus erklärte, Toddius werde ein großartiger Hüter des Reiches.
Senator Chuckius Grassleyus lobte dessen Transparenz, worauf sofort mehrere Hofbeamte fragten, ob man Transparenz irgendwo beantragen müsse.
Senator Bernardius Morenius ging noch einen Schritt weiter und prophezeite, Toddius werde als bester Großjustizpräfekt aller Zeiten in die Chroniken eingehen.
Chronist Hyperbolicus Maximus musste daraufhin einen neuen Vorrat Pergament bestellen.
Währenddessen erschienen gleich 23 Provinz-Generalstaatsanwälte gemeinsam vor dem Senat.
Sie überreichten eine Schriftrolle, deren Länge angeblich ausreichte, um einmal den gesamten Marmorsaal des Capitols auszulegen.
Der Inhalt war überraschend kurz.
„Wir finden ihn gut."
Dafür benötigte der Vorleser allerdings fast zwei Stunden.
Auch ehemalige Großrichter meldeten sich zu Wort.
Der ehrwürdige Willielmus Barrus erklärte feierlich, das Reich brauche einen ernsthaften und kompetenten Großjustizpräfekten.
Diese Formulierung löste im Senat hektische Diskussionen aus.
Mehrere Senatoren fragten vorsichtig nach, ob Ernsthaftigkeit künftig Voraussetzung für Spitzenämter werden solle.
Man beschloss schließlich, diese Frage an den Ausschuss für philosophische Notfälle zu überweisen.
Besonders beeindruckt zeigte sich Trumpius Caesar über die gewaltige Liste der Unterstützer.
„Seht euch diese Menschen an!", verkündete er.
„Sheriffs! Polizeichefs! Richter! Senatoren! Staatsanwälte! Früher brauchte ein Kaiser ein paar Legionen. Heute reicht eine Pressemitteilung."
Im Palast arbeitete der kaiserliche Hofschreiber Thomasius Federkalligraphus inzwischen unter Hochdruck.
Mit jedem neuen Unterstützer musste die Schriftrolle verlängert werden.
Als schließlich noch ehemalige Beamte, Juristenvereinigungen, Grenzschutzorganisationen und Kommentatoren ihre Zustimmung verkündeten, musste ein zweiter Schreiber eingestellt werden.
Gerüchten zufolge wird inzwischen sogar über einen dritten nachgedacht.
Nicht fehlen durfte selbstverständlich der berühmte Hofphilosoph Markus Levinius, der Toddius schlicht als hervorragenden Juristen bezeichnete.
Eine ungewöhnlich kurze Aussage.
Sie passte deshalb problemlos auf nur eine halbe Marmorplatte.
Unterdessen beobachtete der politische Gegner das Schauspiel mit gemischten Gefühlen.
Einige Senatoren zählten inzwischen nur noch mit, wie viele Unterstützer täglich neu hinzukamen.
Andere entwickelten bereits komplizierte Diagramme.
Wieder andere gründeten einen Unterausschuss zur Auswertung der Unterstützerlisten.
Der Ausschuss tagt vermutlich bis weit nach den nächsten Saturnalia.
Trumpius Caesar hingegen blieb völlig gelassen.
Er trat auf den Balkon seines Palastes, breitete majestätisch die Arme aus und blickte auf die versammelten Legionen.
„Man sagt, Unterstützung könne man nicht messen", verkündete er.
„Natürlich kann man das. Man zählt einfach die Schriftrollen."
Im Hof begann daraufhin eine kleine Diskussion.
Ein Beamter fragte vorsichtig, was geschehe, falls morgen noch weitere Unterstützer auftauchten.
Trumpius Caesar lächelte.
„Dann bauen wir eben einen größeren Palast."
Daraufhin jubelten die Hofschreiber.
Nicht etwa wegen der Rede.
Sondern weil sie hofften, dass der neue Palast endlich ein größeres Archiv für Empfehlungsschreiben erhalten würde.
Und irgendwo zwischen den Marmorsäulen notierte Archivar Papyrus Maximus trocken den historischen Tagesvermerk:
„Heute wurde nicht Toddius Blancus bestätigt.
Heute wurde zunächst einmal bestätigt, dass es im gesamten Imperium erstaunlich viele Menschen gibt, die Bestätigungsschreiben verfassen können."
So endete ein weiterer Tag im Reich des Trumpius Caesar, in dem aus einer Personalentscheidung ein Triumphzug wurde, aus jeder Empfehlung eine Fanfare erklang und selbst der Senat kurz darüber nachdachte, ob man für besonders lange Unterstützerlisten künftig eigene Triumphbögen errichten sollte.

