Washingtonia, 27. August 2026.
Im Goldenen Palast des Imperiums endet eine Epoche. Eine sehr laute Epoche. Eine Epoche mit Mikrofonen, Kameras, empörten Zwischenrufen und jener besonderen Form republikanischer Diplomatie, bei der ein „Was für eine dumme Frage“ bereits als ausführliche Pressekonferenz gilt.
Karolina Leavittia Maxima, jüngste Hohe Sprecherin des Weißen Palastes aller Zeiten, legt nach historischem Dienst für Imperator Donaldus J. Trumpius Caesar Magnus ihr Amt nieder.
Und wie es sich für das Trumpianische Imperium gehört, geschieht dies selbstverständlich nicht still.
Nein.
Es geschieht HISTORISCH.
GRÖSSER.
BESSER.
Möglicherweise sogar mit einem unsichtbaren Triumphbogen vor dem James-S.-Brady-Colosseum.
Trumpius Caesar selbst erklärte Leavittia zu „einer der besten Pressesprecherinnen in der Geschichte des Amtes“. Was im Imperium praktisch bedeutet, dass irgendwo bereits überlegt wird, ihr Gesicht neben Washington, Lincoln und einem sehr großen goldenen T auf einen Berg zu meißeln.
Die Löwin im Brady-Colosseum
Karolina Leavittias Arbeitsstätte war offiziell ein Pressebriefingraum.
Inoffiziell handelte es sich um eine Gladiatorenarena mit Sitzplätzen für Journalisten.
Hier kämpfte sie täglich gegen die gefürchteten Legionen der Medius Mainstreamicus, gegen die Schreiberlinge der Fake-News-Provinzen, gegen skeptische Korrespondenten und gelegentlich offenbar auch gegen Fragen selbst.
Ihr taktisches Arsenal war dabei beeindruckend kompakt.
Wenn ein Journalist zu lange fragte, genügte manchmal:
„Was für eine dumme Frage.“
Die Effizienz war bemerkenswert.
Andere Regierungen beschäftigen ganze Referate, um auf schwierige Fragen 17 Seiten Antwortpapier zu produzieren.
Karolina Leavittia benötigte sechs Wörter.
Das nennt man Verwaltungsmodernisierung.
Besonders berühmt wurde ihre Methode des Journalistischen Soforturteils.
Wer ihrer Ansicht nach zu viel politische Haltung und zu wenig journalistische Reinheit mitbrachte, konnte blitzschnell zum Hackus Sinistrus, also zum linksgerichteten Hofnarren mit Presseausweis, erklärt werden.
Das sparte lästige Diskussionen darüber, wo Journalismus endet und politische Inszenierung beginnt.
Leavittia entschied das einfach vor Ort.
Sehr kundenorientiert.
Fakten nach Art des Hauses Trumpius
Auch komplexe Themen wurden unter Leavittia auf eine wunderbar imperiale Einfachheit reduziert.
Die Welt mag kompliziert sein.
Grenzpolitik mag kompliziert sein.
Migration mag kompliziert sein.
Aber im Trumpianischen Reich lautet die goldene Regel:
Wenn etwas kompliziert aussieht, braucht es einfach einen größeren Hammer.
Bei Fragen zu illegaler Migration erklärte Leavittia sinngemäß: Wer Gesetze illegal gebrochen habe, sei kriminell.
Juristische Fakultäten in zwölf Bundesstaaten sollen daraufhin kurz geprüft haben, ob ihre dreijährigen Studiengänge noch notwendig sind.
Auch bei außenpolitischen Fragen pflegte die Sprecherin jene diplomatische Feinmotorik, für die das Imperium inzwischen weltweit bekannt ist.
Als ein französischer Politiker die Freiheitsstatue zurückforderte, erinnerte Leavittia Gallia Francorum daran, dass Frankreich ohne Amerika heute womöglich Deutsch sprechen würde.
Es war ein historischer Augenblick der transatlantischen Freundschaft.
In Paris sollen mehrere Croissants spontan ihre Form verloren haben.
Gallia, Germania und das große Mundwerk
Auch Staatschefs anderer Länder lernten schnell, dass die Kommunikationsabteilung des Trumpius-Palastes kein Hort diplomatischer Wattebäusche war.
Als sich der südafrikanische Präsident kritisch über Amerika und Trumpius Caesar äußerte, diagnostizierte Leavittia öffentlich, dieser habe ein wenig zu viel den Mund aufgemacht.
Die traditionelle diplomatische Formulierung wäre vermutlich gewesen:
„Wir nehmen die Äußerungen unseres geschätzten Partners zur Kenntnis.“
Die Leavittia-Variante lautete sinngemäß:
„Der Mann redet zu viel.“
Das State Department benötigt künftig möglicherweise deutlich weniger Briefpapier.
Die große Schlacht gegen Democratia Chaotica
Ein zentraler Bestandteil ihres Amtes war selbstverständlich der tägliche Kampf gegen die Provinz Democratia, deren Bewohner nach offizieller imperialer Lesart gleichzeitig für Kriminalität, Bürokratie, schlechte Regierungsführung, hohe Ausgaben, mediale Manipulation und wahrscheinlich auch für kalten Kaffee verantwortlich sind.
Leavittia präsentierte regelmäßig Statistiken über demokratisch regierte Großstädte und machte daraus eine einfache Botschaft:
Niedergang ist eine Entscheidung.
Im Reich des Trumpius bedeutet dies:
Wenn eure Stadt Probleme hat, habt ihr möglicherweise den falschen Statthalter gewählt.
Oder zu wenig Trumpius.
Meistens beides.
Auch die frühere Regierung unter Josephus Bidenus Somnolentus blieb ein bevorzugtes Ziel.
Leavittia warf dem alten Hof eine gewaltige Vertuschung rund um Bidens Gesundheit und Amtsfähigkeit vor und erklärte, Teile der Presse hätten dabei geflissentlich weggesehen.
Für die Trumpianische Geschichtsschreibung steht damit fest:
Bidenus wurde nicht einfach älter.
Er wurde von einem ganzen Medienkartell gemeinsam älter gemacht.
Moralische Höhenlage des Imperators
Besonders wenig Geduld zeigte Leavittia, wenn jemand die moralische Überlegenheit des Kaisers infrage stellte.
Bei einem Vergleich zwischen Trumpius Caesar und dem iranischen Regime stellte sie klar:
Natürlich habe der Imperator die moralische Oberhand.
Alles andere sei beleidigend.
Im Weißen Palast soll daraufhin vorsorglich ein neues Messgerät bestellt worden sein:
Moral-O-Meter 47™
Skala:
0 = Gegner
50 = fragwürdig
100 = Trumpius
Gerüchten zufolge schlägt das Gerät bei Donaldus grundsätzlich bis zum Anschlag aus.
Die Hüterin der imperialen Schatzkammer
Auch beim Thema Staatsausgaben zeigte Karolina Leavittia große Begeisterung für jene Beispiele, die im Trumpianischen Reich traditionell in die Kategorie „Seht euch diesen Irrsinn an!“ fallen.
Millionen für internationale Programme?
Ausgaben für Projekte, deren Namen bereits wie Satire klingen?
Leavittia katalogisierte sie mit sichtbarer Freude und präsentierte sie dem Volk wie ein Auktionator besonders missglückter Regierungsentscheidungen.
Zwei Millionen hier! Sechs Millionen dort! Wer bietet mehr?
Der Unterschied zu einer echten Auktion:
Niemand wollte die Dinge kaufen.
Alle hatten sie bereits bezahlt.
Selbst die Mutterschaft musste kurz warten
Besonders eindrucksvoll war jene Episode, in der Leavittia ihre geplante Babypause verschob, nachdem ein Attentatsversuch auf Trumpius Caesar erfolgt war.
Sie erschien erneut vor der Presse, obwohl sie eigentlich bereits auf dem Weg in den Mutterschutz gewesen wäre.
In der offiziellen imperialen Legende gehört dies selbstverständlich längst zur Kategorie:
Karolina Leavittia – halb Mutter, halb Pressesprecherin, halb Prätorianergarde.
Ja, das sind drei Hälften.
Aber im Trumpianischen Reich sind auch 150 Prozent vollkommen legal, solange sie hervorragend aussehen.
Neue Medien für das neue Imperium
Unter Leavittia öffnete der Palast außerdem die Tore für neue Medienformen.
Podcaster.
Influencer.
Alternative Plattformen.
Digitale Kommentatoren.
Menschen, deren Studios teilweise aus einem Mikrofon, einem LED-Licht und einem sehr festen Glauben an ihre eigene Meinung bestehen.
Denn Trumpius Caesar wollte seine Botschaft überall verbreiten.
Die alte Presseordnung sollte erweitert werden.
Oder, je nach Perspektive, verwässert.
Doch eines war sicher:
Im Brady-Colosseum durfte künftig nahezu jeder eine Frage stellen.
Zumindest einmal.
Ob er danach noch einmal durfte, hing vermutlich von der Frage ab.
Selbst Kinder betraten die Arena
Am „Take Our Sons and Daughters to Work Day“ empfing Leavittia sogar Kinder im Briefingraum.
Eine vollkommen neue Situation.
Zum ersten Mal seit Jahren saßen dort Menschen, bei denen man Verständnis hatte, wenn sie eine naive Frage stellten.
Leavittia erklärte, das Schönste an ihrem Job sei das Beantworten solcher Fragen.
Und das Schwierigste?
Ebenfalls das Beantworten solcher Fragen.
Damit brachte sie die gesamte Philosophie moderner Regierungskommunikation auf einen Satz:
Fragen sind großartig, solange sie angenehm sind.
Der letzte Vorhang
Nun verlässt Karolina Leavittia Maxima die Bühne.
Hinter ihr bleiben Mikrofone, Kameras, verstörte Korrespondenten, glückliche Anhänger und vermutlich mehrere Notizblöcke voller Fragen, die nie vollständig beantwortet wurden.
Doch aus Sicht des Imperiums ist ihre Bilanz eindeutig:
Sie verteidigte Trumpius Caesar.
Sie verteidigte America Prima.
Sie kämpfte gegen Fake News.
Sie bekämpfte lange Fragen mit kurzen Antworten.
Und wenn ihr eine Frage vollkommen absurd erschien, setzte sie jene rhetorische Wunderwaffe ein, die wohl noch Generationen künftiger Palastsprecher studieren werden:
„Ihr macht Witze, oder?“
So endet ihre Amtszeit nicht mit einer Niederlage.
Nicht mit einem Rückzug.
Nicht einmal mit einem normalen Jobwechsel.
Sie verlässt den Palast selbstverständlich als Legende.
Denn im Reich des Trumpius gibt es keine ehemaligen Pressesprecher.
Es gibt nur Veteranen der Großen Mikrofonkriege.
Ave Karolina.
Ave Trumpius.
Und möge der nächste Sprecher einen sehr guten Helm besitzen.

