Washingtonium, Imperium Americanum. Kaum zwei Jahre hat Donaldus Trumpius Maximus Caesar Primus, Erretter der Grenzen, Bezwinger der Bürokratie, Meister der Ölquellen und vermutlich persönlicher Erfinder des wirtschaftlichen Aufschwungs, benötigt, um nach eigener kaiserlicher Geschichtsschreibung sämtliche Probleme des Imperiums zu lösen.
Andere Herrscher benötigen Jahrzehnte. Trumpius braucht offenbar nur einen goldenen Schreibtisch, einen Stapel Dekrete und jemanden, der anschließend „historisch“ oft genug in eine Pressemitteilung schreibt.
Die offizielle Reichschronik verkündet deshalb bescheiden:
Versprochen. Gehalten. Geliefert. Vermutlich sogar persönlich verpackt.
Die Große Mauer des Trumpius
Als Trumpius Caesar seinen zweiten Triumphzug durch Washingtonium begann, fand er – selbstverständlich – ein Reich vor, das nach Darstellung des Palastes ungefähr fünf Minuten vom völligen Untergang entfernt war.
Die Grenzen? Offen.
Die Wirtschaft? Ruiniert.
Die Armee? Verwirrt.
Die Energie? Offenbar noch nicht dominant genug.
Und irgendwo hatte vermutlich ein Beamter vergessen, „America First“ auf seinen Kaffeebecher zu schreiben.
Also erhob Trumpius seine kaiserliche Hand und befahl:
„CLAUDITE PORTAS!“ – Macht die Tore zu!
Seither, so berichtet das Ministerium für Kaiserliche Erfolgsmessung, habe das Imperium die stärkste Grenze seit der Erfindung des Zaunes. Millionen Menschen seien gegangen, Zehntausende Kriminelle gefasst und zahllose Visa widerrufen worden.
Trumpius ließ Kartelle zu Terrororganisationen erklären und verwandelte die Grenzpolitik damit endgültig in eine Mischung aus römischem Feldzug, Polizeiserie und Wahlkampfspot.
Die Straßen werden sicher – und die Brunnen auch
Doch ein Caesar kümmert sich nicht nur um Grenzen.
Nein.
Er kümmert sich auch um Springbrunnen.
Unter Trumpius sei die Mordrate auf historische Tiefstände gefallen, verkündet der Palast, während Washingtonium zugleich mit Tausenden Festnahmen bedacht wurde.
Aber der wahre Beweis imperialer Ordnung lautet:
Auch Statuen, Denkmäler und Brunnen seien wiederhergestellt worden.
Rom hatte Aquädukte.
Trumpius hat offenbar funktionierende Fontänen.
Historiker werden entscheiden müssen, welche Zivilisation damit endgültig überlegen ist.
Pecunia! Geld für das Volk!
Anschließend wandte sich Trumpius Caesar der Wirtschaft zu.
Und siehe:
Fabriken entstanden.
Steuern sanken.
Investitionen erschienen.
Arbeitsplätze vermehrten sich.
Und selbst Medikamentenpreise sollen beim bloßen Anblick des kaiserlichen Siegels erschrocken nach unten gefallen sein.
Besonders stolz präsentiert der Hof die Trumpius-Konten für Kinder, bei denen Nachwuchs-Römer ein staatliches Startkapital erhalten.
Damit ist geklärt:
Andere Kaiser hinterließen ihren Untertanen Straßen.
Trumpius hinterlässt ihnen ein Depot.
Zugleich seien über elf Billionen Dollar Investitionen in das Imperium gelockt worden.
Appleus, Amazonicus und sogar die reichen Emirate des fernen Arabia hätten ihre Schatzkammern geöffnet.
Die Botschaft ist eindeutig:
Geld fließt nicht nach Amerika.
Geld pilgert zu Trumpius.
Pax Trumpiana – Frieden durch maximale Bescheidenheit
Auch international blieb der Imperator selbstverständlich nicht untätig.
Nach Darstellung des Palastes habe Trumpius nicht einen, nicht zwei, sondern gleich acht Kriege und Konflikte beendet.
Alexander der Große eroberte die bekannte Welt.
Caesar bezwang Gallien.
Trumpius beendet Konflikte offenbar zwischen Frühstück und Golfabschlag.
Hierzu wurde sogar ein „Board of Peace“ erschaffen, denn gewöhnlicher Frieden war für die Trumpius-Dynastie offenbar administrativ nicht groß genug.
Die NATO habe Trumpius ebenfalls erfolgreich dazu gebracht, mehr Geld für Verteidigung auszugeben.
Ein Vorgang, den spätere Mosaike vermutlich so darstellen werden:
Trumpius steht auf einem goldenen Streitwagen.
Hinter ihm ziehen europäische Staatsoberhäupter riesige Säcke mit der Aufschrift „5 %“.
Öl! Gas! Kohle! Mehr Öl!
Nachdem Frieden, Grenzen und Wirtschaft erledigt waren, widmete sich Trumpius der Energie.
Ölförderung: Rekord.
Gasförderung: Rekord.
Exporte: Rekord.
Flüssiggas: Rekord.
Wahrscheinlich meldete irgendwann sogar die Kaffeemaschine im Weißen Palast Rekordproduktion.
Besonders majestätisch klingt der angeblich größte Ölhandel der Welt, durch den Amerika Zugriff auf gigantische venezolanische Reserven erhalten habe.
65 Milliarden Barrel!
Genug, um selbst den kaiserlichen Triumphwagen bis zum Jahr 4872 zu betanken.
Auch die „schöne saubere Kohle“ feiert unter Trumpius ihre Wiederauferstehung.
Denn nur im Imperium Trumpianum können zwei Wörter wie „sauber“ und „Kohle“ gemeinsam auftreten, ohne sofort diplomatische Spannungen auszulösen.
Bürokratie wird geköpft – metaphorisch natürlich
Auch die Verwaltung musste erfahren, was geschieht, wenn Caesar seinen Rotstift zieht.
Regulierungen verschwanden.
Behörden schrumpften.
Milliarden seien eingespart worden.
Der Bundesapparat habe inzwischen den niedrigsten Personalstand seit 1966 erreicht.
Vermutlich gibt es inzwischen Behörden, bei denen der automatische Anrufbeantworter gleichzeitig Abteilungsleiter ist.
Trumpius nennt das:
Effizienz.
Andere nennen es womöglich:
„Hat jemand Kevin gesehen? Der war doch gestern noch für Genehmigungen zuständig.“
Trumpius erklärt die Wirklichkeit
Natürlich genügt es einem Imperator nicht, Politik zu gestalten.
Er muss auch definieren, wie Realität funktioniert.
Also wurden Programme zu Diversität, Geschlecht und Gleichstellung zurückgedrängt oder beendet, während der Palast triumphierend die Rückkehr des „gesunden Menschenverstands“ verkündete.
Der bemerkenswerte Vorteil dieses Regierungskonzepts:
Was „gesunder Menschenverstand“ bedeutet, entscheidet praktischerweise derselbe Mann, der ihn gerade verkündet.
Sehr effizient.
Fast schon dereguliert.
Auch das Mittagessen wird kaiserlich
Schließlich erreichte die Trumpius-Revolution sogar Amerikas Kühlschränke.
Lebensmittelhersteller sollen künstliche Farbstoffe reduzieren.
Neue Ernährungsrichtlinien empfehlen unverarbeitete Lebensmittel.
Vollmilch kehrt in Schulen zurück.
Und über TrumpRx sollen Arzneimittel günstiger werden.
Damit kontrolliert der Caesar inzwischen Grenzen, Militär, Energie, Medikamente und Schulmilch.
Es fehlt eigentlich nur noch ein Dekret über die korrekte Dicke von Pfannkuchen.
Und der Sieger ist … Trumpius!
Nach all diesen Triumphen kommt die kaiserliche Chronik schließlich zu einem völlig überraschenden Ergebnis:
Amerika gewinnt wieder.
Warum?
Weil Trumpius regiert.
Grenzen geschlossen?
Trumpius.
Jobs?
Trumpius.
Billigere Medikamente?
Trumpius.
Öl?
Trumpius.
Frieden?
Trumpius.
Milch?
Natürlich Trumpius.
Sollte demnächst irgendwo in Ohio eine Familie feststellen, dass am Samstag die Sonne scheint, dürfte das Weiße Haus vermutlich spätestens Sonntag eine Mitteilung veröffentlichen:
„President Trump Delivers Historic Weekend Weather for the American People.“
Und Donaldus Trumpius Maximus Caesar Primus wird vom Balkon seines Palastes blicken und zufrieden verkünden:
„Ich erbte Regen. Ich lieferte Sonnenschein. Noch nie hat jemand das Wetter so erfolgreich regiert.“
Senatus schweigt.
Populus staunt.
Trumpius siegt.
Veni. Vidi. Tweeti.

