Wenn Imperator Donaldus Trumpius Maximus nach Texania reist, besucht er selbstverständlich keinen gewöhnlichen Bundesstaat. Nein. Texania ist nach kaiserlicher Darstellung vielmehr eine Mischung aus Schatzkammer, Grenzfestung, Wirtschaftsorakel und gigantischem Parkplatz für Unternehmen, die offenbar nur darauf gewartet haben, bis Trumpius persönlich den imperialen Daumen hebt.
Das Weiße Palatium verkündete deshalb einen Triumphbericht, bei dem selbst römische Geschichtsschreiber vermutlich vorsichtshalber noch ein paar Lorbeerkränze nachbestellt hätten.
Die große Steuerbefreiung von Texania
Zunächst erhob sich Trumpius, Senker der Abgaben und Beschützer des Überstundentalers, und erklärte, die arbeitenden Menschen Texanias dürften nun wieder mehr von ihrem Geld behalten.
Besonders die Überstunden seien vom kaiserlichen Zugriff teilweise befreit worden. Das bedeutet im Reich praktisch: Wer länger arbeitet, darf künftig einen größeren Teil seines Geldes behalten, bevor der Staat höflich fragt, ob vielleicht trotzdem noch irgendwo ein Denar herumliegt.
Auch die Senioren wurden bedacht. Millionen ältere Texanier erhielten neue steuerliche Entlastungen, sodass das Imperium ihnen nun feierlich weniger Geld abnimmt und sich anschließend dafür feiern lässt, es ihnen nicht weggenommen zu haben.
Ein Verwaltungskunststück, das im Palatium bereits als „historische Rückgabe zuvor nicht eingesammelter Einnahmen“ geführt wird.
Hinzu kommen größere Steuererstattungen, Milliarden an gesichertem Wirtschaftsvolumen und gewaltige Summen für Arbeitsplätze und ländliche Gesundheitsversorgung.
Trumpius soll daraufhin auf einer Landkarte auf Texania gezeigt und ausgerufen haben:
„Seht! Wohlstand! Sehr großer Wohlstand! Vermutlich der wohlhabendste Wohlstand, den Wohlstand je erlebt hat!“
Pax Trumpiana auf den Straßen
Auch die Kriminalität sei gefallen, heißt es aus dem Palatium.
Morde herunter. Gewalt herunter. Verbrechen herunter.
Die kaiserlichen Schreiber präsentierten Zahlenreihen so erfreulich, dass man den Eindruck gewinnen konnte, selbst texanische Bankräuber hätten inzwischen beschlossen, lieber in die Halbleiterfertigung zu wechseln.
Plano, Laredo und Arlington erscheinen plötzlich als beinahe mythische Städte der Ordnung, in denen möglicherweise bald selbst verlorene Portemonnaies eigenständig zur Polizeiwache laufen.
Für Trumpius natürlich kein Zufall.
Denn wo der Imperator regiert, gilt das Prinzip:
Veni. Vidi. Sicherheitsstatistik verbessert.
Die Mauer des Trumpianus
Besonders stolz zeigt sich der Hof auf die Südgrenze.
Die sei nun praktisch so sicher, dass vermutlich selbst ein Gürteltier vorher einen Einreiseantrag ausfüllen müsse.
Grenzfestungen werden weitergebaut, Texas erhält Milliarden zur Erstattung früherer Ausgaben, und die Zahl bestimmter Grenzübertritte sei drastisch gefallen.
Im Palatium sprach man bereits vom Limes Trumpianus Maximus, einer Grenzanlage, die laut Legende zugleich Migration stoppt, Wahlkampf gewinnt, Betonhersteller erfreut und künftig vermutlich auch schlechtes Wetter aus Mexiko zurückweisen kann.
Imperator Trumpius betrachtet die Grenze ohnehin nicht als einfache Linie auf einer Landkarte.
Sie ist Bühne.
Kulisse.
Heiligtum.
Und vermutlich demnächst UNESCO-Weltkulturerbe des politischen Symbolbaus.
Wasser, Würmer und kaiserliche Fliegen
Texania wäre allerdings nicht Texania, wenn nicht auch Wasser, Viehzucht und Würmer in die imperiale Erfolgschronik aufgenommen würden.
Mexiko soll Wasser liefern. Farmer erhalten Unterstützung. Rancher werden geschützt.
Und gegen den gefürchteten Schraubenwurm entsteht sogar eine gewaltige Anlage zur Zucht steriler Fliegen.
Damit erreicht die Trumpius-Regierung endgültig jene Verwaltungsstufe, auf der selbst Insekten Teil der nationalen Sicherheitsstrategie werden.
Im Ministerium für Landwirtschaft, Rinderwohlfahrt und strategische Fliegenvermehrung erklärte ein imaginärer Beamter stolz:
„Die Fliegen mögen steril sein. Unsere Förderprogramme sind es nicht.“
Trumpius nickte zufrieden.
Ein Imperium, das sogar die Fortpflanzung seiner Fliegen kontrolliert, kann unmöglich schlecht organisiert sein.
Der große Marsch der Milliarden
Dann beginnt allerdings der wahre Höhepunkt des Triumphzuges.
Unternehmen investieren.
Viele Unternehmen.
Sehr viele Unternehmen.
So viele, dass das Release irgendwann wirkt wie die Gästeliste einer Wirtschaftskonferenz, auf der jeder Teilnehmer beim Eingang einen Milliardenbetrag abgeben muss.
Pharmafirmen bauen Werke. Autobauer investieren. Halbleiterunternehmen erweitern Fabriken. Datenzentren entstehen. Schiffswerften werden geplant. Aluminium wird recycelt. Magnete produziert. Server gebaut. Brot gebacken.
Ja, sogar Paris Baguettus zieht in die ökonomische Legion ein.
Von Toyota Maximus über SpaceXus Muskovius bis zu Vantage Data Centurion reiht sich ein Konzern an den nächsten.
Milliarden hier.
Milliarden dort.
Noch mehr Milliarden dahinter.
Irgendwann benötigt das kaiserliche Schatzamt vermutlich wissenschaftliche Notation, nur um das Pressepapier fertigzustellen.
Der Höhepunkt: riesige Rechenzentren, neue Chipfabriken und milliardenschwere Industrieprojekte sollen Texania zur Zukunftswerkbank des Imperiums machen.
Es fehlt eigentlich nur noch die Meldung:
„Mond kündigt Investition in Texas an.“
Texas First, Trumpius First – und danach kommt lange nichts
Am Ende bleibt die Botschaft des Palatiums denkbar schlicht:
Niedrigere Steuern.
Sicherere Straßen.
Geschlossene Grenze.
Neue Fabriken.
Mehr Arbeitsplätze.
Und natürlich die politische Warnung, dass all dies augenblicklich zu Staub zerfallen könnte, sobald ein Demokrat irgendwo einen Kugelschreiber aufschraubt.
Trumpius Caesar erhebt also erneut das goldene Megafon und verkündet:
„America First bedeutet Texas First!“
Daraufhin brach im kaiserlichen Protokollamt Panik aus.
Denn wenn America First ist und Texas ebenfalls First, wer ist dann tatsächlich zuerst?
Die Hofmathematiker wurden zusammengerufen.
Sie rechneten.
Sie zeichneten Diagramme.
Sie konsultierten Aristoteles, Euklid, Fox News und schließlich einen Mann aus Florida, der „sehr gut mit Zahlen“ sein soll.
Nach drei Tagen legten sie dem Imperator das Ergebnis vor:
Es sei mathematisch unmöglich, dass zwei Dinge gleichzeitig alleiniger Erster seien.
Trumpius betrachtete die Berechnung.
Dann betrachtete er die Mathematiker.
Dann strich er die Mathematik.
Seitdem gilt im Imperium eine neue Zahlenordnung:
Trumpius First.
Danach kommt America.
Danach Texas.
Danach die Wirtschaft.
Danach die Grenze.
Danach die Milliarden.
Und irgendwann, weit hinter den Rechenzentren von Shackelford County und einer sterilen Fliege aus Edinburg, kommt möglicherweise die gewöhnliche Arithmetik.
Das Palatium ließ hierzu mitteilen, die neue Reihenfolge sei „historisch korrekt“.
Historiker widersprachen.
Sie wurden daraufhin in Historikerus Fakeus umbenannt.
Doch damit war das philosophische Problem noch nicht vollständig gelöst.
Denn wenn America wegen Trumpius gewinnt, Texas wegen Trumpius boomt, die Grenze wegen Trumpius sicher ist, die Straßen wegen Trumpius sicherer werden, Bauern wegen Trumpius Geld bekommen, Konzerne wegen Trumpius Milliarden investieren und sogar die Schraubenwürmer wegen Trumpius schlechtere Zukunftsaussichten besitzen – wozu braucht das triumphale Narrativ eigentlich noch Texas?
Eine heikle Frage.
Das Ministerium für Kaiserliche Selbsterklärung untersuchte sie gründlich.
Das Ergebnis:
Texas ist der Ort, an dem Trumpius recht hat.
America ist der Ort, an dem Trumpius größer recht hat.
Und die Welt ist jener bislang noch nicht vollständig erschlossene Teil der Landkarte, der irgendwann ebenfalls merken wird, dass Trumpius bereits recht hatte.
Damit erreicht der Triumphbericht seine endgültige Form.
Es geht nicht mehr um Steuern.
Nicht um Grenzen.
Nicht um Kriminalität.
Nicht einmal um die Milliarden.
All diese Dinge sind nur Kulissen im größten Infrastrukturprojekt des Imperiums:
dem Bau eines Universums, in dessen Zentrum Donaldus Trumpius Maximus steht und in dem selbst die Sonne morgens nur deshalb über Texas aufgeht, weil der Imperator es genehmigt hat.
Am Abend verschwindet sie wieder hinter dem Horizont.
Nicht etwa wegen der Erdrotation.
Das wäre Wissenschaft.
Nein.
Sie zieht sich zurück, damit Trumpius den Sonnenuntergang persönlich gewinnen kann.
Und sollte eines Tages tatsächlich der Mond seine Fabriken nach Texas verlegen, wird das Weiße Palatium selbstverständlich erklären, auch dies sei Teil des Plans gewesen.
Denn unter Trumpius Caesar gibt es keine Zufälle.
Es gibt nur Erfolge, die noch nicht offiziell verkündet wurden.
Veni. Vidi. Vici.
Trumpius kam.
Trumpius sah.
Trumpius gewann.
Und Texas?
Texas durfte dabei sein.

