Im Weißen Palatium zu Washingtonium wurde eine historische Entdeckung verkündet: Amerika wurde zwar offiziell von allerlei Menschen aufgebaut, aber offenbar waren bereits im Jahre 1683 dreizehn Familien aus Krefeldium am Niederrhein zur Stelle, um dem jungen Kontinent endlich etwas deutsche Ordnung beizubringen.
Sie überquerten den Atlantik, überlebten Wind, Wellen und vermutlich mehrere Wochen ohne TÜV-geprüfte Rettungswesten und gründeten anschließend Germantownia in Pennsylvanien.
Imperator Donaldus Trumpius Caesar Maximus Germanicus Atlanticus, oberster Lenker des Imperiums, würdigte diese Tat mit angemessener Bescheidenheit.
„Dreizehn Familien! Unglaubliche Familien! Vielleicht die besten Familien, die jemals einen Ozean überquert haben. Niemand überquert Ozeane besser als Deutsche. Sehr gründlich. Wahrscheinlich hatten sie sogar Formulare dabei.“
Historiker konnten bislang nicht bestätigen, ob bereits bei der Landung ein Sachbearbeiter des Imperialen Amtes für Einwanderung, Sauerkraut und Wagenbau wartete.
Fest steht jedoch: Die Germanen blieben.
Sie bestellten Felder, bauten Werkstätten, gründeten Unternehmen und entwickelten jene besondere Form des amerikanischen Traums, bei der Freiheit, Unternehmergeist und ein ordentlich beschrifteter Werkzeugschrank friedlich nebeneinander existieren.
Über Generationen arbeiteten Deutschamerikaner auf Farmen und in Fabriken, dienten in den amerikanischen Streitkräften und beteiligten sich am wirtschaftlichen Aufbau des Landes.
Trumpius Caesar fasste diese Jahrhunderte gewohnt kompakt zusammen:
„Sie kamen. Sie arbeiteten. Sie bauten Dinge. Gute Dinge. Sehr solide Dinge. Und vermutlich hielten sie sich an Wartungsintervalle.“
Dann kam die NATO – und der kaiserliche Taschenrechner
Natürlich kann kein modernes Dekret des Trumpius Caesar lange über Geschichte sprechen, ohne irgendwann bei Geld, Verteidigungsausgaben und der Frage anzukommen, wer eigentlich die Rechnung bezahlt.
So führte der historische Weg von Krefeld über Germantown direkt zum Großen Nordatlantischen Legionärsbund, im Volksmund NATO genannt.
Trumpius erinnerte daran, dass unter seiner imperialen Führung die Verbündeten zu höheren Verteidigungsinvestitionen gedrängt worden seien.
Besonders Germania Magna unter Kanzlerus Friedrichus Merzius habe inzwischen verstanden, dass Bündnispolitik nach den Regeln des Trumpianischen Imperiums aus drei Säulen besteht:
gemeinsame Sicherheit, gemeinsame Verantwortung und möglichst viele Bestellungen bei amerikanischen Rüstungsschmieden.
Im Weißen Palatium wurde deshalb das Ministerium für Historisch Einmalige Historische Errungenschaften angewiesen, sämtliche bisherigen historischen Errungenschaften daraufhin zu überprüfen, ob sie historisch genug gewesen seien.
Erste Ergebnisse sollen zeigen, dass nahezu alles seit der Erfindung des Rades zwar bemerkenswert, aber nicht annähernd so historisch war wie ein Gipfeltreffen unter Trumpius.
Germania bestellt, America kassiert
Besonders erfreut zeigte sich der Imperator darüber, dass zusätzliche Verteidigungsinvestitionen auch der amerikanischen Industrie zugutekommen könnten.
Denn das ist die schönste Form transatlantischer Freundschaft:
Germania öffnet die Schatzkammer.
America öffnet den Auftragsordner.
Und Trumpius eröffnet anschließend eine Pressekonferenz.
Im Palatium soll bereits ein neues Wandgemälde geplant sein. Darauf zu sehen: Germania in Rüstung, einen Geldsack tragend, während Trumpius Caesar auf einem goldenen Adler sitzt und feierlich verkündet:
„Das ist keine Rechnung. Das ist Freundschaft mit Zahlungsziel.“
Die große germanisch-amerikanische Erfolgsgeschichte
Doch der German-American Day soll vor allem jene Generationen würdigen, deren Arbeit tatsächlich Teil der amerikanischen Geschichte geworden ist.
Farmer, Arbeiter, Unternehmer, Soldaten, Familien und Gemeinden prägten über Jahrhunderte das Land.
Trumpius Caesar zeigte sich deshalb tief bewegt.
So tief, dass das Kaiserliche Zeremonialamt für Übertreibung und nationale Großartigkeit sofort eine neue Ehrenordnung vorbereitete.
Vorgesehen sind der Goldene Sauerkraut-Adler erster Klasse, das Eiserne Brezelkreuz mit Senfband sowie die seltene Auszeichnung „Verdienstorden für außergewöhnliche transatlantische Pünktlichkeit“.
Letztere darf ausschließlich an Personen verliehen werden, die mindestens einmal einen Termin fünf Minuten zu früh erreicht und sich anschließend darüber beschwert haben, dass noch niemand da sei.
Dreizehn Familien und ein sehr langer Kassenbon
So schließt sich nach Jahrhunderten der große germanisch-amerikanische Kreis.
Einst kamen dreizehn Familien aus Krefeld über den Atlantik, um in einer neuen Welt ihr Glück zu suchen.
Sie brachten Arbeitskraft, Handwerk, Kultur und Hoffnung.
Jahrhunderte später blickt Trumpius Caesar auf ihre Nachfahren und die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika und erkennt darin selbstverständlich eine Botschaft von geradezu imperialer Klarheit:
Die Deutschen kamen einst nach Amerika, um eine neue Zukunft aufzubauen.
Heute bestellt Deutschland in Amerika Dinge für seine zukünftige Sicherheit.
Der amerikanische Traum funktioniert also noch immer hervorragend.
Nur inzwischen bekommt Germania die Rechnung.

