Imperium Trumpianum – Kaiserliche Hofberichterstattung vom VII. Oktober MMXXVI
Im Goldenen Palast zu Washingtonium wurde erneut Weltgeschichte geschrieben. Nicht durch Eroberungen, nicht durch Friedensverträge und schon gar nicht durch die versehentliche Entdeckung eines funktionierenden Verwaltungsapparates. Nein! Imperator Donaldus Trumpius Caesar Maximus, Bezwinger der Bürokratie, Herrscher über die Milliarden und oberster Rechnungsprüfer des Universums, setzte seine gewaltige kaiserliche Unterschrift unter gleich zwei Gesetze.
Die Hofchronisten sprechen bereits vom größten Verwaltungswunder seit der Erfindung des Formulars.
Ein Ansprechpartner! Das Imperium steht Kopf!
Das erste Dekret trägt den ehrfurchtgebietenden Namen Lex Identitatis Recuperandae Maxima – das Große Gesetz zur Wiederbeschaffung verschwundener Identitäten.
Bislang mussten Bürger des Imperiums, deren Sozialversicherungsnummer gestohlen oder deren Sozialversicherungskarte verloren gegangen war, durch das sagenumwobene Labyrinth der Administratio Securitatis Socialis wandern.
Dort erwarteten sie Warteschleifen, Weiterleitungen, verschlossene Türen und Sachbearbeiter, deren wichtigste Aufgabe darin bestand, den Bürger an einen anderen Sachbearbeiter zu verweisen.
Manche Untertanen sollen während der Bearbeitung ihres Anliegens gealtert sein. Andere wurden angeblich bereits als verstorben geführt, bevor sie überhaupt einen Mitarbeiter erreichten.
Doch damit ist nun Schluss!
Trumpius Caesar verfügte höchstpersönlich, dass betroffene Bürger künftig einen einzigen zentralen Ansprechpartner erhalten sollen.
EINEN!
Nicht sieben. Nicht zwölf. Nicht eine ganze Legion.
Einen einzigen!
„Noch niemals in der Geschichte der Menschheit hat jemand einen Ansprechpartner so großartig zentralisiert wie ich!“, verkündete der Imperator vor seinen ehrfürchtig applaudierenden Hofbeamten.
Der kaiserliche Verwaltungsminister Formularius Maximus fiel vor Begeisterung beinahe in Ohnmacht.
Allerdings wurde unmittelbar eine Arbeitsgruppe gegründet, um festzustellen, welcher Ansprechpartner künftig für die Benennung des zentralen Ansprechpartners zuständig sein soll.
Die Ergebnisse werden nach Abschluss einer umfassenden Zuständigkeitsprüfung erwartet.
Das Milliarden-Murks-Dekret: Wenn der Bau länger dauert als das Imperium
Das zweite Gesetz ist noch gewaltiger.
Es trägt den majestätischen Namen Lex Boondogglus Billionarius, im Volksmund auch bekannt als Gesetz gegen den kaiserlichen Milliarden-Murks.
Künftig müssen staatlich finanzierte Projekte jährlich gemeldet werden, wenn sie mehr als fünf Jahre hinter ihrem Zeitplan liegen oder ihre ursprüngliche Kostenplanung um mehr als eine Milliarde Dollar überschreiten.
Ein revolutionärer Gedanke!
Bislang galt im Imperium die traditionelle Bauvorschrift:
Was heute eine Million kostet, kostet morgen eine Milliarde. Und was übermorgen fertig werden soll, wird zunächst feierlich neu geplant.
Besonders betroffen ist das legendäre Bauprojekt Pontus Aureus Maximus, eine goldene Brücke, deren Bauarbeiten seit Jahrzehnten andauern.
Ursprünglich sollte sie zwei Flussufer miteinander verbinden.
Inzwischen verbindet sie hauptsächlich Haushaltsjahre miteinander.
Die Brücke besitzt weder Fahrbahn noch Geländer, dafür aber einen Verwaltungsbeirat, einen Untersuchungsausschuss und eine eigene Abteilung für die Fortschreibung der voraussichtlichen Fertigstellung.
Der kaiserliche Finanzverwalter Pecunius Verschwendicus erklärte stolz, das Projekt sei inzwischen so teuer, dass ein Baustopp aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr finanzierbar wäre.
Trumpius Caesar zeigte sich beeindruckt.
„Eine Milliarde Dollar Mehrkosten? Lächerlich! Ich habe Paläste gesehen, deren goldene Toiletten mehr gekostet haben. Aber wir werden diese Verschwendung aufdecken. Mit Berichten! Fantastischen Berichten! Den größten Berichten aller Zeiten!“
Die kaiserliche Revolution des jährlichen Berichtswesens
Besonders bemerkenswert ist die geniale Konstruktion des neuen Gesetzes.
Projekte, die seit Jahren aus dem Ruder laufen, müssen nun jährlich in einem Bericht erscheinen.
Damit verfügt das Imperium endlich über eine verlässliche Methode, Milliardenverschwendung nicht nur zu ertragen, sondern auch ordentlich zu dokumentieren.
Der Oberste Senator Berichtius Papierus lobte die Maßnahme als historischen Durchbruch.
„Früher wussten wir lediglich, dass unsere Projekte unbezahlbar waren. Künftig wissen wir es jedes Jahr schriftlich!“
Zur Umsetzung wurde vorsorglich die Commissio Maxima Contra Boondogglum vorgeschlagen, eine kaiserliche Kommission zur Überwachung der Berichterstattung über verspätete Großprojekte.
Ihr erstes Vorhaben: der Bau eines prachtvollen Verwaltungsgebäudes zur Unterbringung sämtlicher Berichte.
Geplante Fertigstellung: irgendwann.
Geplante Kosten: streng vertraulich.
Zwei Dekrete, ein Imperator, unendliche Größe
Am Abend ließ Trumpius Caesar seine Hofschreiber zusammenrufen, um die historischen Errungenschaften angemessen festzuhalten.
Das erste Gesetz soll dafür sorgen, dass Bürger nach einem Identitätsdiebstahl nicht länger durch zahllose Zuständigkeiten irren müssen.
Das zweite soll dafür sorgen, dass milliardenschwere Fehlplanungen wenigstens regelmäßig auf Papier erscheinen.
„Seht ihr?“, rief der Imperator triumphierend. „Ich habe die Bürokratie besiegt und die Verschwendung unter Kontrolle gebracht! Niemand hat jemals so viel Kontrolle gehabt!“
Die Senatoren applaudierten.
Die Hofbeamten verneigten sich.
Und irgendwo im Imperium wurde gerade ein gigantisches Bauprojekt um weitere sechs Jahre verschoben.
Doch niemand geriet in Panik.
Schließlich gab es jetzt ein Gesetz, das garantierte, dass die Katastrophe irgendwann in einem Jahresbericht auftauchen würde.
So endete ein weiterer glorreicher Tag im Imperium Trumpianum: Wer seine Identität verliert, bekommt einen Ansprechpartner. Wer eine Milliarde verliert, bekommt einen Bericht.
Und wer beides verliert?
Der wird zum kaiserlichen Projektleiter befördert.
AVE TRUMPIUS! Der Kaiser verliert niemals Geld. Er lässt es lediglich mit majestätischer Verzögerung verschwinden.

