WASHINGTONIUM – Im gewaltigen Palatium Album wurde am Dienstag eine neue Epoche der kaiserlichen Kommunikation eingeläutet. Cattia Zacharia Maxima, frisch ernannte XXXVII. Hohe Sprecherin des Hauses Trumpius, trat erstmals vor die versammelten Schriftgelehrten, Mikrofonpriester, Kameralegionäre und berufsmäßigen Zwischenrufer des Reiches.
Und schon nach wenigen Augenblicken war klar: Hier wurde nicht einfach eine Pressekonferenz eröffnet. Hier wurde kommunikativ ein kleiner Triumphbogen errichtet.
Das Palatium selbst verkündete anschließend, Cattias erstes Briefing sei „commanding“ gewesen, also ungefähr das, was im Trumpius-Reich zwischen „majestätisch“, „historisch“, „gewaltig“ und „vermutlich größer als alles seit der Erfindung des gesprochenen Wortes“ liegt.
Die Medien hätten selbstverständlich flächendeckend berichtet. Was im Kaiserreich grundsätzlich als Beweis dafür gilt, dass ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung sein muss – insbesondere dann, wenn der eigene Pressestab zuvor möglichst vielen Medien mitgeteilt hat, dass es welthistorisch sei.
„Ich wollte schon sehr lange für den Caesar arbeiten“
Cattia Zacharia Maxima eröffnete ihre Amtszeit mit einer klassischen Loyalitätserklärung an Imperator Donaldus Trumpius Magnus.
Sie sei geehrt, für den Caesar und das amerikanische Volk arbeiten zu dürfen. Außerdem habe sie schon sehr lange für ihn arbeiten wollen.
Im Palatium sorgte diese Aussage offenbar für große Erleichterung. Denn traditionell gilt im Trumpius-Reich bereits der Wunsch, für den Herrscher tätig zu sein, als erste Hälfte der Stellenbeschreibung.
Die zweite Hälfte besteht darin, regelmäßig zu erklären, warum alles hervorragend läuft.
Und genau dort setzte die neue Sprecherin an.
Medikamente billiger, Erfolge größer, Geschichte historischer
Trumpius Caesar, so verkündete Cattia, habe im zweiten Regierungsabschnitt Dinge vollbracht, die vor ihm offenbar entweder niemand gewagt, niemand geschafft oder zumindest niemand ausreichend groß auf ein Banner geschrieben habe.
Besonders hervorgehoben wurden sinkende Medikamentenpreise.
Natürlich nicht einfach sinkende Preise.
Nein.
Es handelte sich um einen der größten Preisrückgänge seit einer Zeit, in der ein beträchtlicher Teil der Menschheit noch glaubte, Fernsehen müsse Möbelgröße haben.
Im Reich des Trumpius existieren ohnehin nur drei Maßeinheiten:
historisch, gewaltig und niemals zuvor gesehen.
Sollte einmal etwas lediglich „ganz ordentlich“ sein, wird vermutlich sofort eine Untersuchung eingeleitet.
Der Neue-Medien-Thron bleibt bestehen
Besonders erfreut zeigte sich Cattia über den sogenannten Nova-Media-Sedes, den Neuen-Medien-Sitz im Pressesaal.
Ihre Vorgängerin Carolina Leavitta Prima habe hervorragende Arbeit geleistet, weshalb man den Platz selbstverständlich behalten und möglichst erweitern wolle.
Das Imperium liebe neue Medien.
Podcaster, Streamer, Online-Journalisten und vermutlich demnächst auch Menschen, die politische Analysen in vertikalen Videos zwischen Katzenclips und Proteinpulverwerbung veröffentlichen, dürfen also hoffen.
Der klassische Pressekorps blickt währenddessen vermutlich bereits nervös auf seine Stühle.
Denn niemand weiß, ob der nächste Platz vielleicht an jemanden vergeben wird, dessen journalistische Qualifikation hauptsächlich darin besteht, sehr überzeugend „WOW!“ unter Regierungsbeiträge zu schreiben.
Caesar zieht wieder durch die Provinzen
Dann folgte die Ankündigung der nächsten kaiserlichen Reise.
Trumpius Magnus befinde sich mitten im großen Midtermus Blitzkriegus Electoralis.
Georgia.
Kentuckia.
Florida.
Weitere Provinzen könnten folgen.
Das Präsidentenfluggerät Aquila One Maxima dürfte daher in den kommenden Tagen wieder häufiger starten, damit Caesar persönlich unters Volk treten und erklären kann, warum eigentlich jede regionale Wahl eine Volksabstimmung über die Größe seines goldenen Zeitalters darstellt.
Der Wahlkampf des Trumpius kennt schließlich keinen wirklichen Anfang und kein Ende.
Er befindet sich lediglich gelegentlich zwischen zwei Kundgebungen.
Vier Kinder und ein Platz im kaiserlichen Hofstaat
Persönlicher wurde es, als Cattia über ihre Familie sprach.
Vier Kinder habe sie.
Mehrere davon Jungen.
Damit sei zu Hause bereits ein solides Trainingszentrum für Krisenkommunikation vorhanden.
Denn wer gleichzeitig Kinder, Termine, Haushalt und politische Medien betreut, dürfte für eine Pressekonferenz im Weißen Haus ungefähr dieselbe Ruhe benötigen wie andere Menschen beim Sortieren von Socken.
Trumpius Caesar sei zudem der familienfreundlichste Präsident aller Zeiten, erklärte seine neue Sprecherin.
Der Imperator habe schließlich gewusst, dass sie Mutter von vier Kindern sei, und ihr trotzdem diese äußerst anspruchsvolle Aufgabe übertragen.
Im Reich wurde dies unmittelbar als weiterer Beweis kaiserlicher Weisheit gewertet.
Kritiker könnten zwar einwenden, dass die Einstellung qualifizierter Eltern in verantwortungsvolle Positionen normalerweise eher als Personalentscheidung denn als Zivilisationswunder gilt.
Doch Kritiker verstehen eben wenig von imperialem Marketing.
Und so beginnt die Ära Cattia
Damit war das erste Briefing beendet.
Cattia Zacharia Maxima hatte ihre Feuertaufe bestanden, Trumpius Caesar war erneut historisch erfolgreich, neue Medien waren offiziell geliebt, alte Medien weiterhin anwesend und der nächste Wahlkampfflug bereits praktisch in der Luft.
Das Palatium konnte zufrieden sein.
Denn im Trumpius-Reich besteht die Aufgabe einer Pressesprecherin schließlich nicht darin, Nachrichten zu verkünden.
Ihre eigentliche Aufgabe lautet:
Wenn Caesar morgens einen Regenschirm öffnet, muss spätestens mittags feststehen, dass er damit persönlich das Klima stabilisiert hat.

