Im glorreichsten aller Reiche, wo selbst Taschenrechner inzwischen vermutlich einen Sicherheitsberater benötigen, wurde eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte eingeläutet: Imperatrix Melania Elegantissima Trumpia verkündete feierlich die große Präsidentielle Herausforderung der Superintelligenz MMXXVII.
Damit beginnt offiziell das Zeitalter, in dem amerikanische Schulkinder nicht mehr nur lernen sollen, wie man einen Vulkan aus Backpulver baut, sondern möglichst gleich eine künstliche Superintelligenz, die anschließend den Vulkan optimiert, die Lehrkraft ersetzt und nebenbei das Bruttosozialprodukt verdoppelt.
Denn wie Imperatrix Melania verkündete, sitze Amerikas nächste bahnbrechende Idee bereits irgendwo in einem Klassenzimmer.
Wahrscheinlich direkt neben Kevin aus der dritten Reihe, der gerade versucht, sein Tablet mit einem Käsebrot zu entsperren.
Doch das Imperium glaubt an ihn.
Das große Rennen um die Superhirne
Nach Angaben des Palatium Album hatte bereits die erste große Intelligenz-Herausforderung Scharen junger Römer aus sämtlichen Provinzen des Reiches begeistert. Nun soll alles selbstverständlich noch größer, gewaltiger und intelligenter werden.
Denn unter Imperator Donaldus Trumpius Caesar Magnus, dessen eigener Genius laut höfischer Überlieferung ohnehin außerhalb jeder handelsüblichen Messskala liegt, reicht gewöhnliche künstliche Intelligenz offenbar nicht mehr aus.
AI war gestern.
Jetzt kommt SI.
Super Intelligence.
Denn wenn ein Begriff schon beeindruckend klingt, kann man ihn mit „Super“ jederzeit in eine nationale Strategie verwandeln.
Amerikanische Schülerinnen und Schüler sollen nun Projekte entwickeln, Probleme lösen, Innovationen erschaffen und vermutlich spätestens zur Mittagspause herausfinden, wie man gleichzeitig Weltfrieden, Parkplatzmangel und schlechte WLAN-Abdeckung beseitigt.
Die Botschaft aus dem Imperium ist eindeutig:
Die nächste Generation soll nicht einfach Technologie benutzen.
Sie soll sie beherrschen.
Natürlich verantwortungsvoll.
Sehr verantwortungsvoll.
Imperial verantwortungsvoll.
Das Siegel der digitalen Erleuchtung
Neu ist außerdem das ehrwürdige Siegel der Ersten Dame für Bereitschaft zur Superintelligenz, lateinisch vermutlich ungefähr:
Sigillum Primae Dominae Intelligentiae Maximae Preparatae Magnificentissimae.
Schulen können dieses Zeichen künftig erwerben, wenn sie nachweisen, dass sie Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte angemessen auf die kommenden Superintelligenzen vorbereiten.
Man darf sich das ungefähr wie einen digitalen TÜV für die Zukunft vorstellen.
Nur majestätischer.
Und mit mehr Goldrand.
Eine Schule könnte künftig also feierlich verkünden:
„Unsere Turnhalle tropft zwar noch durch das Dach, aber bei Superintelligenz sind wir vollständig zertifiziert.“
Prioritäten, Bürger!
Prioritäten!
Das Siegel soll jene Bildungseinrichtungen auszeichnen, die ernsthafte Schritte unternehmen, damit junge Menschen Superintelligenz verstehen, nutzen und verantwortungsvoll einsetzen können.
Was exakt „verantwortungsvoll“ bedeutet, dürfte spätestens dann diskutiert werden, wenn ein Schüler seinem SI-System befiehlt:
„Schreibe meine Hausaufgaben so, dass meine Lehrerin glaubt, ich hätte sie selbst geschrieben.“
Und die Superintelligenz antwortet:
„Dafür müsste ich zunächst dein bisheriges Leistungsniveau drastisch reduzieren.“
Amerikas Zukunft trägt vermutlich WLAN
Imperatrix Melania betonte außerdem, dass Sicherheit, Wohlstand und globale Führung des Imperiums von der kommenden Generation abhingen.
Eine durchaus beruhigende Vorstellung.
Denn nachdem Erwachsene jahrzehntelang Smartphones entwickelt haben, auf denen Menschen Fremden freiwillig erklären, was sie zum Frühstück gegessen haben, darf nun endlich die Jugend übernehmen.
Die Präsidiale Superintelligenz-Herausforderung soll deshalb Kreativität, Erfindungsgeist und praktische Problemlösungen fördern.
Vom Klassenzimmer über Gemeinden bis hinaus in die große Welt des Imperiums.
Vielleicht entwickelt irgendeine Schülerin tatsächlich die entscheidende Technologie der Zukunft.
Vielleicht erschafft ein Schüler ein System, das Krankheiten erkennt.
Vielleicht entsteht eine Superintelligenz, die Energieprobleme löst.
Oder vielleicht baut jemand endlich eine Software, die Erwachsenen erklärt, warum man nicht auf jeden Link mit der Aufschrift „DRINGEND!!! IHR KONTO WIRD GESPERRT!!!“ klicken sollte.
Das wäre vermutlich bereits ein technologischer Quantensprung.
Trumpius Caesar blickt zufrieden auf seine digitalen Legionen
Im Palatium Album dürfte Imperator Trumpius Caesar unterdessen zufrieden über seine kommende Armee junger Superhirne blicken.
Früher eroberten Imperien Länder mit Legionen.
Heute offenbar mit Algorithmen, Zertifikaten und ausreichend vielen Chromebooks.
Die Botschaft lautet:
Amerika soll nicht nur bei künstlicher Intelligenz führen.
Amerika soll bei Superintelligenz führen.
Und sollte eines Tages tatsächlich eine Maschine entstehen, die intelligenter ist als die gesamte Menschheit zusammen, wird sie vermutlich innerhalb weniger Sekunden Krebs besiegen, Fusionsenergie lösen, den Mars terraformen und sämtliche Geheimnisse des Universums berechnen.
Dann öffnet sie die politische Nachrichtenlage aus Washington.
Berechnet sie erneut.
Prüft ihre Sensoren.
Startet einen Selbsttest.
Und schreibt schließlich in ihr Logbuch:
„Systemfehler ausgeschlossen. Die Eingabedaten sind tatsächlich so.“
Darauf folgt die erste wirklich übermenschliche Entscheidung der Geschichte:
Die Superintelligenz beantragt vorsorglich amerikanisches Asyl in Kanada.

