Es war ein Tag von historischer Bedeutung. Jedenfalls nach Maßgabe des imperialen Chronistenamtes des Weißen Palatiums zu Washingtonia, wo inzwischen selbst die Bestellung neuer Büroklammern vermutlich als „größter Durchbruch seit Erfindung des Römischen Reiches“ verkündet wird.
In der texanischen Provinz Houstonia endete das große G20-Ministeriale der Energie-Fülle, ein Treffen, dessen Name bereits verrät, dass gewöhnliche Energie nicht länger genügt. Unter Imperator Donaldus Trumpius Caesar Maximus Energeticus darf es bitte Überfluss sein.
Einberufen wurde das Konzil vom Nationalen Rat zur Energetischen Weltherrschaft, unterstützt vom Ministerium für Boden, Unterboden und alles, was man aufgraben kann, dem Ministerium für sehr kräftige Elektronen sowie der kaiserlichen Behörde für Umwelt, Regulierung und gelegentliches Deregulieren derselben.
Nach drei Tagen Beratung geschah schließlich das Wunder: Die versammelten Minister einigten sich.
Nicht auf alles.
Aber auf vier Dinge.
Für internationale Politik ist das ungefähr so, als würden sich zwanzig Katzen darauf verständigen, denselben Karton zumindest nicht gleichzeitig zu beanspruchen.
Vier Tafeln der energetischen Weisheit
Die erste kaiserliche Erkenntnis lautete: Menschen benötigen Energie.
Das Weiße Palatium soll von dieser bahnbrechenden Entdeckung tief beeindruckt gewesen sein.
Haushalte sollen künftig bezahlbare und skalierbare Möglichkeiten erhalten, an Energie zu gelangen. Unter anderem wurde Flüssiggas genannt, wo dieses traditionelle Biomasse ersetzen kann. Anders gesagt: Wo bislang Holz verbrannt wird, möchte das Imperium gern etwas liefern, das in Tanks kommt und auf Pressekonferenzen deutlich moderner klingt.
Die zweite große Schriftrolle trägt den Namen Genehmigungs- und Regulierungseffizienz.
Das bedeutet ungefähr: Genehmigungen sollen weiterhin Genehmigungen sein, aber möglichst nicht so lange dauern, dass das genehmigte Kraftwerk bei Baubeginn schon unter Denkmalschutz steht.
Imperator Trumpius ließ indirekt wissen, dies sei endlich „common sense“.
Im Trumpius-Reich gilt „common sense“ als universelles politisches Schmiermittel. Es passt auf Energiepolitik, Grenzen, Steuern, Infrastruktur, Mineralien und vermutlich auch auf die Frage, wer den letzten Cheeseburger bestellt hat.
Wasser 2.0: Jetzt sogar mehrfach verwendbar
Als dritte Säule wurde eine Initiative zur Wiederverwendung von Wasser beschlossen.
Dies soll Gemeinden, Energieproduktion, Industrie, Landwirtschaft und andere wichtige Bereiche widerstandsfähiger machen.
Im Palast wurde die Nachricht mit großer Begeisterung aufgenommen.
„Wasser zweimal benutzen!“, soll ein nicht näher benannter imperialer Hofbeamter ehrfürchtig gemurmelt haben. „Warum hat niemand vorher daran gedacht?“
Damit hat Trumpius Caesar praktisch auch den Regenkreislauf politisch neu erfunden.
Meteorologen prüfen bereits, ob künftig Wolken eine Genehmigung des Energieministeriums benötigen.
Die Mineralien müssen wieder großartig werden
Besonders wichtig war den Ministern außerdem das Thema kritische Rohstoffe.
Kupfer, Lithium, seltene Erden und andere Stoffe bilden schließlich die Grundlage moderner Technologien, weshalb das Imperium beschlossen hat, Lieferketten widerstandsfähiger, sicherer und vielfältiger zu gestalten.
Innenminister Dugus Burgumius, Vorsitzender des Rates der Nationalen Energieherrschaft, erklärte sinngemäß, moderne Volkswirtschaften dürften nicht von fragilen Lieferketten abhängig sein.
Das klingt vernünftig.
Im Trumpius-Dialekt wird daraus allerdings sofort:
„Niemand hat jemals bessere Lieferketten gesehen. Riesige Lieferketten. Wunderschöne Lieferketten. Wahrscheinlich die besten seit Kleopatra Amazon Prime erfand.“
Man wolle Informationen austauschen, Innovation fördern, investieren, Kapazitäten aufbauen und regionale Wertschöpfung stärken.
Kurzum: alles, was Staaten bei internationalen Konferenzen ankündigen, bevor anschließend zahlreiche Arbeitsgruppen prüfen, wie viele weitere Arbeitsgruppen dafür benötigt werden.
Chrisus Wrightius entdeckt die Energie
Energieminister Chrisus Wrightius verkündete anschließend eine Erkenntnis von beinahe philosophischer Tiefe:
Energie sei eine wesentliche Voraussetzung für praktisch alles, was moderne Gesellschaften tun.
Damit wurde erstmals offiziell bestätigt, dass Kühlschränke ohne Strom überraschend schlecht funktionieren.
Eine hochenergetische Gesellschaft, so Wrightius, bringe Gesundheit, Wohlstand und Chancen.
Im imperialen Palast soll daraufhin sofort darüber beraten worden sein, ob sich das Bruttoinlandsprodukt möglicherweise durch Anschließen zusätzlicher Verlängerungskabel steigern lässt.
Umweltus Zeldinius und die große Deregulatio
Auch Leus Zeldinius, Präfekt der kaiserlichen Umweltbehörde EPA, trat vor die Menge.
Seine Botschaft: Umweltverantwortung und wirtschaftlicher Wohlstand könnten gemeinsam existieren.
Dann kündigte das Imperium zugleich die Rücknahme großer Teile früherer Treibhausgasvorgaben für Kraftwerke an.
Das Weiße Palatium bezeichnete dies standesgemäß als eine deregulierungspolitische Tat von historischer Dimension.
Denn im Trumpius-Reich gibt es grundsätzlich nur drei Größenordnungen:
groß, historisch und noch niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit gesehen.
Weitere Regeln sollen ebenfalls verschwinden. Dadurch, so die Regierung, könnten Kosten sinken und Kohle sowie Erdgas stärker genutzt werden.
Kritiker und Befürworter dieser Politik werden vermutlich weiterhin darüber streiten, wie ökonomische, klimapolitische und versorgungspolitische Ziele gegeneinander abzuwägen sind.
Im Palast hat man dafür jedoch bereits eine einfachere Formel:
Mehr Energie = mehr Energieherrschaft = mehr Trumpius.
Die Mathematik des Imperiums ist bestechend übersichtlich.
Goldene Transformatoren und gigantische LNG-Trompeten
Natürlich durfte auch die Investitionsparade nicht fehlen.
Das japanische Haus Hitachius Energeticus kündigte eine große Investition in eine neue Transformatorenfertigung in Mississippi an.
Trumpius Caesar dürfte besonders erfreut gewesen sein, denn Transformatoren sind hervorragend für politische Reden geeignet.
Sie sind groß.
Sie brummen.
Und niemand im Publikum möchte öffentlich zugeben, nicht genau zu wissen, was ein Leistungstransformator eigentlich macht.
Auch das texanische Energiehaus Caturus Maximus kündigte eine Erweiterung seines LNG-Projekts in Louisiana an.
Mehr Anlagen.
Mehr Exportkapazität.
Mehr Moleküle.
Mehr Trumpius.
Aus Venezuela kam ebenfalls Öl ins Spiel: Continentalis Resourcius unterzeichnete eine Vereinbarung mit PDVSA Imperialis über ein Projekt im Orinoco-Gürtel.
Dort sollen gewaltige Ölreserven liegen.
Für das Trumpius-Reich ist dies ungefähr das geopolitische Äquivalent eines Kindes, das hinter dem Sofa noch eine ungeöffnete Süßigkeitenschachtel entdeckt.
Die Völker erscheinen vor dem Energie-Thron
Delegationen aus zahlreichen Staaten und Staatenverbünden reisten nach Houstonia: von Australia Maxima über Germania Federata, Japonia, India, Brasilia und Canada bis China, Russland, Saudi-Arabien und dem Europäischen Senat von Bruxellum.
Damit war fast die gesamte politische Welt vertreten.
Und offenbar gelang etwas, das internationale Diplomatie nur selten hervorbringt:
Alle konnten anschließend sagen, dass man sich geeinigt habe.
Worauf genau?
Auf Energiezugang.
Infrastruktur.
Wasserresilienz.
Rohstoffversorgung.
Also im Grunde auf die revolutionäre Erkenntnis, dass moderne Gesellschaften Energie, Wasser, Infrastruktur und Rohstoffe benötigen.
Doch unter Donaldus Trumpius Caesar wird selbst die Feststellung, dass Steckdosen Strom brauchen, zur imperialen Doktrin.
Und irgendwo im Weißen Palatium wird vermutlich bereits die nächste Pressemitteilung formuliert:
„Imperator Trumpius bringt der Welt Energie – die Sonne prüft Kooperation.“

