Im Weißen Marmorpalast herrschte historische Aufregung. Die Fanfaren wurden poliert, die Lorbeerkränze aufgeblasen und der Hofchronist angewiesen, das Wort „beispiellos“ vorsorglich auf jede freie Fläche zu schreiben. Trumpius Caesar hatte einen Geldtopf entdeckt.
Einen staatlichen Geldtopf.
Mit staatlichem Geld.
Das nun unter größtmöglichem kaiserlichem Eigenlob an Staatsbürger zurückgegeben werden sollte.
„Niemand hat jemals Geld so großartig zurückgegeben wie ich“, verkündete Seine Überweisende Majestät und betrachtete einen Einzahlungsschein, als habe er persönlich das Bankwesen erfunden. „Andere Kaiser hatten Aquädukte. Ich habe Direktgutschriften. Viel moderner. Die Römer wären begeistert gewesen.“
Der Anlass für den Triumphzug: Berechtigte Senioren des imperialen Medicare-Systems sollten einmalig neunzig Dollar erhalten, um ihre Beiträge für Teil B leichter bezahlen zu können. Eine Entlastung, die der Palast mit jener Bescheidenheit präsentierte, mit der man gewöhnlich einen neu eroberten Kontinent vorstellt.
Der Schatz, den nur Caesar finden konnte
Das Geld stammte aus dem Medicare-Verbesserungsfonds, einer staatlichen Schatzkammer, die laut Hofdarstellung seit ihrer Gründung ungenutzt geblieben war. Der Senatus Congressionalus hatte dort Mittel bereitgestellt. Doch erst Trumpius Caesar besaß offenbar die außerordentliche staatsmännische Fähigkeit, einen vorhandenen Topf zu öffnen.
Der Hof entwickelte daraus unverzüglich eine Heldensage.
„Frühere Herrscher gingen daran vorbei“, erklärte der kaiserliche Schatzmeister. „Unser Imperator blieb stehen. Er sah den Topf. Er erkannte: Da ist Geld drin. Solche Führungsqualitäten lernt man auf keiner Universität.“
Für die historische Inszenierung wurde bereits ein Deckengemälde bestellt: Trumpius, umringt von dankbaren Senioren, streckt seinen goldenen Zeigefinger einem Onlinebanking-Fenster entgegen. Arbeitstitel: Die Erschaffung der Gutschrift.
Die Auszahlung sollte überwiegend automatisch auf dem Konto landen. Wer keine Direktüberweisung nutzte, bekam einen Scheck. Damit erreichte das Goldene Zeitalter auch jene Untertanen, deren modernstes digitales Endgerät noch der Briefkasten war.
Gnade mit Fußnoten
Allerdings galt der kaiserliche Geldsegen nicht für jeden. Wer seine Beiträge bereits durch Medicaid bezahlt bekam oder einen einkommensabhängigen Zuschlag entrichtete, gehörte nicht zu den Begünstigten.
Denn selbst ein majestätisches Wunder benötigt eine Anspruchsprüfung.
Im Palast bezeichnete man diese Ausnahmen als „präzise gelenkte Großzügigkeit“. Die Verwaltung nannte sie Voraussetzungen. Der Hofpoet musste daraufhin erklären, weshalb sein Vers „Für jeden gibt der Kaiser Geld“ fachlich nicht freigegeben werden konnte.
Für Fragen standen die zuständigen Behörden bereit: Medicare für die Berechtigung, die Sozialversicherungsverwaltung für den Zahlungsstatus. Eine elegante Arbeitsteilung. Der Kaiser übernahm den Ruhm, die Behörden übernahmen die Warteschleifen.
Die Schurken stehen selbstverständlich schon fest
Natürlich durfte auch die imperiale Vorgeschichte nicht fehlen. Laut Palast hatten Barackus Obamicus und Josephus Bidenus das Gesundheitswesen mit Fehlverwaltung, Sonderinteressen und einem geradezu unpatriotischen Mangel an Trumpius versehen.
Die politische Anklageschrift war so ausgewogen wie eine Wippe, auf deren einer Seite der Kaiser samt Thron saß.
Versicherungskonzerne wurden zu geldgierigen Provinzfürsten erklärt, Pharmahersteller zu widerspenstigen Salbenhändlern und frühere Regierungen zu Plünderern der öffentlichen Schatztruhen. Trumpius hingegen erschien als alleiniger Retter, der gleichzeitig Betrug bekämpfte, Arzneipreise bändigte und vermutlich persönlich die Blutdruckmanschetten günstiger verhandelte.
Besonders stolz war der Hof auf seine Preisoffensive. Krankenhäuser sollten endlich offenlegen, was ihre Leistungen kosteten. Eine revolutionäre Idee in einem Reich, in dem ein Patient bisweilen erst nach der Behandlung erfuhr, ob sein Aufenthalt medizinisch notwendig oder finanziell ein kleines Eigenheim gewesen war.
Auch der „Große Gesundheitsplan“ wurde erneut beschworen. Schon der Name ließ keinen Zweifel: Wer dagegen war, musste offenbar einen kleinen, mittelmäßigen oder ausgesprochen kümmerlichen Gesundheitsplan bevorzugen.
Der teuerste Applaus kommt gratis
So rollte die imperiale Jubelmaschine an. Eine einmalige Beitragsentlastung wurde zur Zeitenwende, eine Überweisung zum Staatsakt und ein vorhandener Fonds zum Beweis übermenschlicher Herrscherbegabung.
Die Senioren durften sich über das Geld freuen. Trumpius Caesar freute sich darüber, dass sie sich unter seiner persönlichen historischen Aufsicht freuen durften.
Zum Abschluss hob er majestätisch die Hand.
„Diese neunzig Dollar werden euch helfen. Sehr helfen. Unglaublich helfen.“
Dann wandte er sich an den Hofchronisten:
„Schreib unbedingt dazu, dass es ihr eigenes Geld war.“
Der Chronist erstarrte.
Trumpius lächelte.
„So wirkt es noch großzügiger, dass ich es ihnen zurückgebe.“

