Im glorreichsten aller Reiche hat Imperator Donaldus Trumpius Maximus, Erster seines Namens, Bezwinger der Bürokratie und oberster Hüter des kaiserlichen Steaks, ein neues Dekret verkündet: Die Rancher des Imperiums sollen wieder reich, ihre Herden wieder gewaltig und die Hamburger der Untertanen wieder bezahlbar werden.
Denn, so ließ der Hof des Caesar verkünden, das amerikanische Rind befinde sich in einer historischen Krise. Der nationale Viehbestand sei auf dem niedrigsten Stand seit rund 75 Jahren angekommen – eine Situation, die Trumpius selbstverständlich nicht als schnöde Agrarstatistik betrachtet, sondern als persönliche Beleidigung des gesamten Imperiums.
Während die Nachfrage nach Rindfleisch in den vergangenen zehn Jahren um fast zehn Prozent gestiegen sei, hätten Dürre, Waldbrände, knapperes Futter und allerlei regulatorisches Ungemach die Herden dezimiert. Für Trumpius ist allerdings klar, wer im historischen Drama mindestens eine Gastrolle als Bösewicht erhält: die vorherige Herrschaft des Josephus Bidenus Somnolentus, unter dessen Regentschaft Klimaaktivisten, Inflation und Verwaltungsvorschriften angeblich gemeinsam auf den amerikanischen Rinderbestand losgelassen worden seien.
Trumpius greift deshalb zum mächtigsten Werkzeug eines modernen Caesars: dem Executive Order Pergamentum Maximus.
Fortan sollen Behörden des gesamten Reiches ihre Vorschriften danach durchsuchen, ob irgendwo ein Rancher unnötig gequält, ein Rind administrativ belästigt oder ein Steak durch Bürokratie verteuert wird. Innenministerium, Landwirtschaftsministerium, Handelsapparat, Lebensmittelbehörde und Kleinunternehmerverwaltung erhalten den kaiserlichen Auftrag, alles zu prüfen, was den Rancher daran hindern könnte, erfolgreich Rinder über die Prärie zu geleiten.
Operation Lupus Interruptus
Besonders dramatisch wird es beim Wolf.
Die grauen und mexikanischen Wölfe stehen im Verdacht, sich nicht ausreichend mit den wirtschaftspolitischen Prioritäten des Imperiums abgestimmt zu haben.
Der kaiserliche Praefectus Interioris soll daher prüfen, ob Grauwölfe und mexikanische Wölfe weiterhin den Schutz des Endangered Species Act benötigen oder ob sie auf der Liste gefährdeter Arten heruntergestuft beziehungsweise gestrichen werden können.
Auch dem Senat sollen entsprechende Empfehlungen unterbreitet werden. Die Bundesstaaten wiederum werden ermuntert, ähnliche Schritte zu prüfen.
Kurz gesagt:
Der Wolf bekommt eine Leistungsbeurteilung.
Und wenn Lupus Maximus beim jährlichen Mitarbeitergespräch nicht überzeugend erklären kann, warum er ständig kaiserliche Kälber verspeist, könnte seine Karriere im Naturschutzbereich gewisse Rückschläge erleiden.
Zugleich sollen Rancher für Verluste durch Raubtiere besser entschädigt werden. Wo erforderlich, soll außerdem die Genehmigung zur tödlichen Entnahme von Problemraubtieren erleichtert werden.
Von welchem Reich stammt dieses Steak?
Auch die Herkunftskennzeichnung von Rindfleisch landet erneut auf dem Altar kaiserlicher Prüfung.
Der Agricultura-Praefectus soll untersuchen, ob neue Regeln notwendig sind, damit das Volk beim ehrfürchtigen Öffnen einer Fleischpackung erkennen kann, ob das darin befindliche Rind tatsächlich unter dem Sternenbanner aufwuchs oder seine Jugend möglicherweise in irgendeinem verdächtig steakproduzierenden Fremdreich verbrachte.
Bereits seit Januar 2026 existiert das neue Siegel „Product of USA“ für Fleisch, Geflügel und Eier, die vollständig in den Vereinigten Staaten geboren beziehungsweise erzeugt, aufgezogen, verarbeitet und produziert wurden.
Doch im Imperium Trumpius gilt bekanntlich:
Wenn ein Etikett patriotisch ist, kann man immer darüber nachdenken, ob es noch patriotischer werden könnte.
Der Rancher soll investieren – und der Fiskus schweigen
Trumpius verweist außerdem stolz auf seine kaiserlichen Steuerreformen.
Neue Geschäftsinvestitionen sollen schneller abgeschrieben werden können, bestimmte Betriebsausgaben sofort abziehbar sein und der 20-prozentige Steuerabzug für kleine Unternehmen dauerhaft bestehen bleiben.
Auch die Erbschaftsteuerfreigrenze wurde erhöht, damit Familienranches nicht nach jedem Generationenwechsel erst einen Zenturio, drei Steuerberater und einen mittelgroßen Opferaltar benötigen.
Zusätzliche Steueranreize für Kreditgeber sollen wiederum Darlehen für Ranchland günstiger machen.
Das kaiserliche Ideal lautet offenbar:
Mehr Kühe. Weniger Formulare. Und möglichst niemand vom Finanzamt auf der Weide.
Der große Kampf um die imperiale Herde
Auch der Zugang zu öffentlichen Weideflächen wurde ausgeweitet. Millionen Hektar staatlichen Landes sollen weiterhin zur Beweidung verfügbar sein, Genehmigungen beschleunigt und Vieh sogar zur Verringerung von brennbarem Pflanzenmaterial eingesetzt werden.
Damit erhält die Kuh im Imperium endgültig mehrere Funktionen gleichzeitig:
Lebensmittellieferant, Landschaftspfleger, Wirtschaftsfaktor und nun offenbar auch vierbeinige Feuerwehrprävention mit Wiederkäufunktion.
Hinzu kommt der Kampf gegen den gefürchteten Cochliomyia Hominivorax Barbaricus, besser bekannt als New World Screwworm. Nach Angaben des kaiserlichen Hofes existieren in den Vereinigten Staaten nur noch zwei aktive Fälle. Gleichzeitig wird der Ausbau von Anlagen zur Produktion steriler Fliegen beschleunigt.
Ja, im Imperium Trumpius bekämpft man Parasiten offenbar dadurch, dass man ihnen massenhaft unfruchtbare Verwandte schickt.
Die moderne Agrarpolitik ist manchmal satirischer als jede Satire.
Dünger, Schulen und das heilige Schulsteak
Trumpius präsentiert außerdem eine ganze Kavalkade weiterer Maßnahmen.
Rancher, die wegen Dürren Vieh verkaufen mussten, erhielten Steuererleichterungen. Ein „Ranchers First“-Programm soll den Viehbestand wieder vergrößern. Ein Dekret gegen Preisabsprachen und wettbewerbswidrige Praktiken soll Lebensmittelpreise schützen.
Im Juni wurden bestimmte Zölle auf Phosphatdünger aus Marokko zeitweise ausgesetzt. Gleichzeitig fließen 500 Millionen Dollar in ein Programm zur Stärkung der heimischen Düngerproduktion.
Und mit der Initiative „Harvest to Hallways“ soll mehr amerikanisches Rindfleisch seinen Weg in Schulmahlzeiten finden.
Damit wird das Schulessen möglicherweise zum patriotischsten Teil des Stundenplans.
Mathematik: schwierig.
Chemie: kompliziert.
Mittagspause: USA! USA! USA!
Das Evangelium des Beefus Americanus
Hinter all diesen Maßnahmen steht ein sehr Trumpius-typisches Prinzip:
Amerika soll möglichst viel selbst produzieren, möglichst wenig Bürokratie dulden und möglichst viele Dinge mit dem Wort „American“ versehen.
Der Rancher wird dabei vom einfachen Viehhalter zum Verteidiger der nationalen Versorgungssicherheit erhoben.
Das Rind wiederum avanciert zum geopolitischen Vermögenswert.
Und Trumpius Caesar?
Der steht gedanklich auf einem goldenen Balkon über der Prärie, blickt auf eine langsam anwachsende Herde und verkündet:
„Sehet! Die Kühe kehren zurück!“
Ob daraus tatsächlich niedrigere Preise für Verbraucher entstehen, wird die Realität zeigen müssen. Das Dekret verlangt jedenfalls ausdrücklich, dass die Behörden bei ihren Maßnahmen auch sinkende Verbraucherpreise berücksichtigen.
Doch im Imperium Trumpius ist die Richtung bereits klar.
Die Rancher sollen prosperieren.
Die Herden sollen wachsen.
Die Wölfe sollen ihre Personalakte überprüfen.
Und irgendwo in Washington wird vermutlich bereits eine Tafel vorbereitet, auf der in gewaltigen goldenen Lettern steht:
MAKE AMERICA MOO AGAIN.

