WASHINGTONIUM, IMPERIUM AMERICANUM. Es gibt Dinge, die duldet Imperator Donaldus Magnus Trumpius Caesar nicht: schlechte Deals, schwache Grenzen, mittelmäßige Fernsehquoten – und neuerdings Transformatoren, die womöglich im Ausland heimlich darüber nachdenken, Amerika den Stecker zu ziehen.
Mit der ehrwürdigen Executive Order 14420, einem kaiserlichen Schriftstück von beachtlicher Länge und vermutlich ausreichendem Gewicht, um einen kleineren Schaltschrank zu erschlagen, hat Trumpius Caesar deshalb einen nationalen Energie-Notstand ausgerufen.
Der Grund: Das gewaltige amerikanische Stromnetz soll künftig nicht mehr von elektrischen Gerätschaften abhängig sein, bei denen niemand ganz genau weiß, wer sie gebaut hat, wer sie programmiert hat und ob irgendwo zwischen Firmware, Wartungszugang und Bedienungsanleitung noch ein kleiner digitaler Hintereingang mit der Aufschrift „Hier bitte fremden Geheimdienst eintreten lassen“ versteckt ist.
Die große elektrische Bedrohung des Imperiums
Trumpius Caesar betrachtet das amerikanische Hochspannungsnetz längst nicht mehr als bloße Ansammlung von Strommasten, Kraftwerken und Transformatoren.
Nein.
Es ist nun die elektrische Lebensader des Imperiums.
Denn ohne Strom keine Rechenzentren.
Ohne Rechenzentren keine Künstliche Intelligenz.
Ohne Künstliche Intelligenz keine gigantischen Datenfabriken.
Und ohne gigantische Datenfabriken müsste womöglich wieder jemand persönlich eine Excel-Tabelle öffnen.
Ein Zustand, den das Imperium selbstverständlich als unmittelbare Gefährdung der nationalen Sicherheit betrachtet.
Besonders nervös machen den Caesar importierte Komponenten. Schließlich könnten ausländische Hersteller theoretisch digitale Hintertüren einbauen, Fernzugriffe ermöglichen oder Ersatzteile plötzlich nicht mehr liefern.
Ein Transformator ist damit im trumpianischen Sicherheitsdenken nicht länger einfach ein Transformator.
Er ist ein mehrere Tonnen schwerer möglicher Spion mit Kupferwicklung.
Energius Maximus bekommt den Schlüssel zum Sicherungskasten
Die wichtigste Rolle fällt künftig dem kaiserlichen Energieminister zu, fortan ehrfürchtig bekannt als Secretarius Energius Maximus.
Er darf gemeinsam mit einer ganzen Legion hochrangiger Mitstreiter darüber entscheiden, welche ausländischen Stromgeräte dem Imperium gefährlich werden könnten.
Mit am Beratungstisch sitzen unter anderem:
Bellator Pentagonicus, zuständig für Krieg und martialisches Stirnrunzeln,
Commercius Negotiator, Hüter von Handel, Zöllen und möglichst amerikanischen Rechnungen,
Homelandicus Securitatis, oberster Wächter gegen alles Verdächtige,
sowie Intelligentius Maximus, dessen wichtigste Aufgabe darin besteht, Dinge zu wissen, von denen andere nicht einmal wissen dürfen, dass man sie wissen könnte.
Gemeinsam dürfen sie künftig feststellen, ob ein Gerät sabotagegefährdet ist, Fernzugriffe ermöglicht, Lieferkettenrisiken enthält oder sonst irgendwie aussieht, als könnte es nachts heimlich mit Peking telefonieren.
Verdächtige Transformatoren kommen in elektrische Quarantäne
Besonders majestätisch wird es bei bereits eingebauten Anlagen.
Denn auch Geräte, die schon seit Jahren friedlich ihren Dienst verrichten, können künftig unter verschärfte Beobachtung geraten.
Der Energius Maximus darf sie:
identifizieren,
überwachen,
isolieren,
absichern,
vom Netz trennen,
ersetzen
oder vollständig entfernen lassen.
Damit führt das Imperium praktisch die erste elektrische Sicherheitsverwahrung für Transformatoren ein.
Allerdings soll niemand überstürzt den riesigen roten Hauptschalter betätigen. Vor einer Abschaltung müsse geprüft werden, ob Ersatz verfügbar sei und ob dadurch die Stromversorgung gefährdet werde.
Eine ausgesprochen vernünftige Regel.
Denn selbst Trumpius Caesar weiß:
Wer aus Angst vor einem möglichen Stromausfall vorsorglich den Strom abschaltet, gewinnt zwar möglicherweise den Sicherheitswettbewerb, verliert aber gewisse Sympathiepunkte bei den Kühlschrankbesitzern.
69.000 Volt patriotischer Mindestspannung
Damit auch niemand auf die Idee kommt, dass künftig der chinesische Toaster aus dem Supermarkt vom Secretarius Energius beschlagnahmt wird, enthält das Dekret eine detaillierte Definition des betroffenen Stromsystems.
Es geht grundsätzlich um Übertragungsnetze ab 69 Kilovolt.
Das ist deutlich mehr als eine gewöhnliche Steckdose und ungefähr die elektrische Spannung, mit der Trumpius Caesar üblicherweise einen Raum betritt.
Betroffen sein können unter anderem:
Großtransformatoren, Generatoren, Turbinen, Batteriespeicher, Wechselrichter, Schutzrelais, Hochspannungsschalter, Steuerungssysteme, SPS-Anlagen und sämtliche digitale Komponenten, die für den Betrieb kritischer Energieinfrastruktur erforderlich sind.
Kurz gesagt:
Alles, bei dem ein Elektriker einen Helm trägt und ein normaler Mensch instinktiv Abstand hält.
Operation „Make Transformers American Again“
Doch Trumpius Caesar wäre nicht Trumpius Caesar, wenn die Sache nur bei Sicherheitskontrollen enden würde.
Das eigentliche Ziel lautet selbstverständlich:
Amerika soll seine Energieinfrastruktur wieder selbst bauen.
Innerhalb von 180 Tagen soll der Energius Maximus daher Vorschläge entwickeln, wie die staatlichen Beschaffungsregeln geändert werden können.
Künftig soll bei Transformatoren, Schaltanlagen und anderer Energieausrüstung nicht mehr nur gefragt werden:
„Was kostet das?“
Sondern auch:
„Ist es sicher?“
„Wer hat es gebaut?“
und vor allem:
„Warum wurde es nicht in Ohio hergestellt?“
Die kaiserliche Beschaffungsdoktrin lautet damit zunehmend:
Buy American, install American, electrify American.
Sollte ein amerikanischer Transformator doppelt so groß, dreimal so schwer und mit einem Adler auf der Seitenwand geliefert werden, dürfte dies im Zweifel sogar als zusätzlicher Sicherheitsstandard gelten.
Die Liste der elektrisch Erwählten
Besonders vertrauenswürdige Hersteller könnten künftig auf eine Liste sogenannter vorqualifizierter Anbieter aufgenommen werden.
Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten imperialer Wirtschaftsdiplomatie.
Hersteller könnten bald stolz verkünden:
„Officially Approved by the Imperial Department of Very Safe Electricity.“
Wer hingegen nicht auf der Liste steht, dürfte erleben, wie ein bislang harmloser Auftrag für einen Transformator plötzlich durch sechs Ministerien, sieben Sicherheitsprüfungen und vermutlich einen patriotischen Belastungstest wandert.
Der Transformator muss dabei möglicherweise beweisen, dass er:
keine ausländischen Hintertüren besitzt,
keine geheimen Firmware-Freunde kennt,
nicht nachts automatisch Updates aus zweifelhaften Ländern herunterlädt
und bei der Nationalhymne wenigstens symbolisch 60 Hertz hält.
Auch Verschwörungen gegen den Sicherungskasten sind verboten
Das Dekret verbietet ausdrücklich nicht nur unerlaubte Geschäfte.
Auch das Umgehen der Regeln wird untersagt.
Sogar Verschwörungen zur Umgehung sind verboten.
Damit dürfte künftig bereits ein Gespräch wie
„Könnten wir diesen verdächtigen Wechselrichter vielleicht über drei Zwischenhändler importieren?“
politisch ungefähr so willkommen sein wie ein Feuerwerk im Serverraum.
Trumpius Caesar hat also vorgesorgt.
Kein Schmuggel.
Keine Tarnfirma.
Kein Transformator mit falschem Schnurrbart.
Amerika entdeckt die Lieferkette
Hinter der majestätischen Inszenierung steckt allerdings ein ausgesprochen reales Problem.
Das amerikanische Stromnetz benötigt in den kommenden Jahren enorme Mengen neuer Ausrüstung.
KI-Rechenzentren, neue Fabriken, Rüstungsproduktion, Batteriespeicher und wachsende Elektrifizierung treiben den Strombedarf nach oben.
Damit werden Transformatoren, Wechselrichter und Steuerungssysteme plötzlich zu strategischen Gütern.
Trumpius Caesar blickt deshalb auf die globale Lieferkette und erkennt etwas, das moderne Industrienationen regelmäßig überrascht:
Man kann kritische Infrastruktur nur schlecht vollständig kontrollieren, wenn zentrale Bauteile auf der anderen Seite des Planeten gefertigt werden.
Das Imperium antwortet darauf nun mit einer Mischung aus Cybersicherheit, Industriepolitik und wirtschaftlichem Legionärstum.
Der Caesar hält die Hand am Hauptschalter
Und so steht Donaldus Trumpius Caesar symbolisch vor dem gigantischen Sicherungskasten der Vereinigten Staaten.
In der einen Hand das Dekret.
In der anderen vermutlich ein goldener Schraubendreher.
Hinter ihm Energius Maximus, Bellator Pentagonicus und eine ganze Kohorte von Sicherheitsbeamten.
Vor ihm Tausende Transformatoren.
Trumpius mustert jeden einzelnen streng.
„Wer hat dich gebaut?“
Der Transformator schweigt.
„Woher kommt deine Firmware?“
Der Transformator brummt verdächtig.
Trumpius verengt die Augen.
„Very suspicious transformer.“
Und irgendwo in Amerika beginnt bereits eine Fabrikhalle mit der Produktion des ersten vollständig patriotischen 500-MVA-Transformators.
Mit amerikanischem Stahl.
Amerikanischer Software.
Amerikanischer Kupferwicklung.
Und wahrscheinlich einem kleinen Schild:
MADE IN USA – NO BACKDOORS, ONLY FRONT DOORS.

