WASHINGTONIUM – Kaiserlicher Palast der goldenen Zolltarife.
Es gibt Augenblicke in der Geschichte großer Imperien, in denen ein Herrscher handeln muss. Caesar überschritt den Rubikon. Augustus ordnete Rom. Und Donaldus Maximus Trumpius Caesar Primus, Imperator der Vereinigten Provinzen von Americum, Beschützer der Kuhherden und Oberster Hüter des Cheddar, hat nun etwas mindestens ebenso Historisches getan:
Er legt sich mit kanadischem Käse an.
Jawohl.
Nachdem die Provinz Canadia Septentrionalis offenbar weiterhin amerikanische Milchprodukte mit jenen geheimnisvollen Instrumenten traktierte, die gewöhnliche Menschen „Zollkontingente“ nennen, Trumpius jedoch als „ungeheuerliche, schreckliche, wahrscheinlich sogar sehr unfaire Käseverschwörung“ bezeichnet, war die Geduld des Imperators erschöpft.
Bereits im Julius des Jahres MMXXVI hatte Trumpius Caesar zusätzliche Abgaben gegen ausgewählte kanadische Molkereierzeugnisse verhängt. Der kaiserliche Hof stellte nämlich fest, dass Canadia amerikanischen Käse schlechter behandle als Käse anderer Länder.
Ein unerhörter Affront.
Denn nach imperialer Handelslehre gibt es drei Kategorien internationaler Wirtschaftsbeziehungen:
- fair gegenüber Americum,
- unfair gegenüber Americum,
- noch nicht von Trumpius entdeckt.
Drei Tage Gnade – eine Ewigkeit nach Trumpius-Zeitrechnung
Im Augustus gewährte der gütige Imperator den Kanadiern sogar drei volle Tage Aufschub.
Drei!
Zeit genug, so jedenfalls die Auffassung des Palastes, um eine komplette nationale Handelspolitik zu ändern, mehrere Ministerien umzubauen, sämtliche Molkereigesetze neu zu schreiben und vermutlich noch Ottawa frisch zu streichen.
Canadia versprach zunächst Besserung.
Doch dann, so verkündet die kaiserliche Chronik, zog es seine Zusagen zurück und verhandelte nicht länger nach den Vorstellungen des Imperiums.
Damit war für Trumpius klar:
Die Diplomatie hatte versagt. Jetzt musste der Käse büßen.
Vom Zoll zum Käse-Cordon
Bisher mussten bestimmte kanadische Waren beim Grenzübertritt einen kaiserlichen Straftribut von 50 Prozent entrichten.
Doch offenbar genügte selbst diese finanzielle Käseglocke nicht.
Deshalb greift Trumpius nun zur ultimativen handelspolitischen Waffe:
Bestimmte kanadische Produkte dürfen überhaupt nicht mehr hinein.
Ab dem 29. September 2026 um exakt 00:01 Uhr Eastern Time senkt sich der imperiale Schlagbaum.
Dann könnten sich an der nördlichen Grenze dramatische Szenen abspielen.
„Was führen Sie mit sich?“
„Zwei Pullover, eine Zahnbürste und 800 Gramm kanadischen Käse.“
„Sir, treten Sie langsam vom Camembert zurück!“
Die Custodes Borderius Americanus, vulgär auch U.S. Customs and Border Protection genannt, erhält gemeinsam mit Schatzkammer, Handelsministerium und Handelsbeauftragten die ehrenvolle Aufgabe, das große imperiale Milchbollwerk umzusetzen.
Trumpius schützt das öffentliche Interesse vor Gouda
Besonders majestätisch ist die Begründung.
Der Importstopp liege im öffentlichen Interesse.
Sogar mehrfach.
Der Erlass erklärt sinngemäß, dass die Maßnahme dem öffentlichen Interesse entspreche, vom öffentlichen Interesse verlangt werde und wiederum dem öffentlichen Interesse dienen werde.
Mehr öffentliches Interesse passt vermutlich nur noch in die Proklamation, wenn man die Schriftgröße verkleinert.
Damit steht fest:
Das amerikanische Volk muss geschützt werden.
Vor Inflation?
Vielleicht.
Vor Naturkatastrophen?
Sicherlich auch.
Aber zunächst:
vor verdächtig kanadischem Käse.
Und falls ein Gericht den Käse rettet …
Trumpius wäre allerdings nicht Trumpius, hätte sein Hof nicht auch an den Fall gedacht, dass irgendein Richter plötzlich ruft:
„Moment! Dieser Käse darf rein!“
Auch dafür besitzt das Imperium einen Plan.
Sollte der Importstopp ganz oder teilweise für ungültig erklärt werden, fällt die betreffende Ware nicht etwa in die süße Freiheit des internationalen Handels zurück.
Nein.
Dann schlägt automatisch wieder der 50-Prozent-Zoll zu.
Das ist handelspolitisch ungefähr so, als würde ein Türsteher sagen:
„Sie dürfen hier nicht rein.“
Das Gericht sagt:
„Doch.“
Und der Türsteher antwortet:
„Gut. Dann kostet der Eintritt eben 50 Prozent Ihres Käses.“
Das Imperium hat gesprochen
So endet eine weitere große Episode aus der glorreichen Regierungszeit des Donaldus Maximus Trumpius Caesar Primus, dessen geopolitische Aufmerksamkeit inzwischen Gebiete erreicht, vor denen frühere Präsidenten ehrfürchtig zurückschreckten:
Milch.
Käse.
Zollkontingente.
Und Kanada.
Während frühere Imperatoren Länder eroberten, erobert Trumpius Zolltarifnummern.
Während Augustus Straßen bauen ließ, lässt Trumpius Anhänge zum Harmonized Tariff Schedule ändern.
Und während Caesar einst schrieb:
Veni, vidi, vici.
lautet die moderne imperiale Variante:
Veni, vidi, caseum prohibui.
Ich kam.
Ich sah.
Ich verbot den Käse.

