Washingtonia, 18. September 2026 – Im prächtig vergoldeten Palast des Weißen Marmors wurde am Freitag erneut Geschichte geschrieben. Zumindest erklärte der kaiserliche Hofchronist, dass es Geschichte sei. Andere Beobachter hielten es eher für eine Unterschrift unter einem Blatt Papier – doch solche kleingeistigen Einwände werden im Imperium Trumpius traditionell mit einem empörten Blick und sofortigem Entzug der Audienz beantwortet.
Seine Allergoldigste Majestät Imperator Donaldus Trumpius Maximus, Bezwinger widerspenstiger Filzstifte und Erster Unterzeichner sämtlicher Dokumente, setzte seinen weltberühmten Namenszug unter das Gesetz H.R. 5334. Der Titel lautet in kaiserlicher Übersetzung: „Gesetz des Senators Lindseyus O. Grahamius zur sehr entschlossenen Sanktionierung von Russland und Iran im glorreichen Jahre 2026“.
Der Federstrich soll derart gewaltig gewesen sein, dass in Moskovia mehrere Rubel erschrocken vom Tisch rollten und im Persischen Reich vorsorglich ein Ölfass hinter einem Vorhang versteckt wurde.
Das neue Gesetz ermächtigt das Imperium, bestehende Sanktionen gegen Zar Vladimirus Putinius und sein Reich auszuweiten. Zusätzlich dürfen weitere Zölle, Verbote und besonders streng gefaltete Drohbriefe verhängt werden. Auch die bereits geltenden Strafmaßnahmen gegen den iranischen Ayatollahus Maximus werden verlängert. Damit erhält Trumpius Caesar ein beeindruckendes Arsenal wirtschaftlicher Belagerungsgeräte: vom kaiserlichen Strafzoll über die majestätische Handelssperre bis zur gefürchteten Excel-Tabelle des Schatzamtes.
Senator Lindseyus Grahamius, Hofritter der wechselnden Loyalitäten und Namenspatron des Gesetzes, lobte die Entschlossenheit des Imperators vermutlich bereits, bevor die Tinte vollständig getrocknet war. Im Palast gilt dies als Zeichen außergewöhnlicher politischer Schnelligkeit. Kritiker nennen es hingegen den Grahamius-Reflex: Sobald Trumpius eine Feder hebt, beginnt irgendwo ein Senator zu applaudieren.
Trumpius Caesar verkündete, niemand habe jemals härter, größer oder womöglich sanktionsreicher sanktioniert. Seine Sanktionen seien die besten Sanktionen – wunderschön, kraftvoll und von internationalen Fachleuten bewundert, deren Namen leider gerade nicht zur Hand seien. Russland und Iran würden schon bald erkennen, dass man sich mit dem Imperium nicht anlege, außer natürlich, es stehe demnächst ein überraschendes Gipfeltreffen, ein großartiger Deal oder ein spontanes Abendessen mit goldenen Dessertlöffeln bevor.
Der Hof betonte, das Gesetz werde Frieden durch Stärke schaffen. Wie genau, blieb offen. Wahrscheinlich soll so lange wirtschaftlicher Druck ausgeübt werden, bis alle Beteiligten erschöpft genug sind, um Trumpius Caesar für die Lösung eines Problems zu danken, das er zuvor mit einer Pressekonferenz auf die Größe eines Weltuntergangs aufgeblasen hat.
Nach vollbrachter Unterzeichnung hielt der Imperator das Dokument triumphierend in die Kameras. Es war unterschrieben, gesetzlich wirksam und vor allem hervorragend sichtbar. Damit waren sämtliche Anforderungen kaiserlicher Staatskunst erfüllt.
Moskovia und das Persische Reich erhielten Sanktionen. Lindseyus erhielt seinen Namen auf einem Gesetz. Und Trumpius Caesar bekam das, was im Imperium als wichtigstes Ergebnis jeder außenpolitischen Maßnahme gilt: ein neues Foto, auf dem er sehr beschäftigt aussieht.

