WASHINGTONIUM – Donaldus Trumpius Maximus Caesar, oberster Hüter der amerikanischen Lohntüte, Bezwinger fremdländischer Lebensläufe und Großmeister der vergoldeten Einreiseschranke, hat erneut gesprochen. Und wenn der Caesar spricht, beginnen selbst Visaformulare ehrfürchtig zu rascheln.
Per kaiserlicher Proklamation verlängerte Trumpius die Beschränkungen für bestimmte H-1B-Arbeitsvisa um ein weiteres Jahr. Damit dürfen hochqualifizierte Fachkräfte aus fernen Provinzen auch künftig nur dann ins Imperium einziehen, wenn ihr künftiger Arbeitgeber zuvor einen Tribut von 100.000 Dollar entrichtet. Talent allein genügt nicht mehr. Es muss nun von einem sehr überzeugenden Bankkonto begleitet werden.
Das H-1B-Programm war ursprünglich dafür gedacht, vorübergehend Spezialisten ins Land zu holen, wenn amerikanische Unternehmen besondere Kenntnisse benötigten. Nach Darstellung des Palastes wurde daraus jedoch ein internationaler Basar für preisgünstige Arbeitskraft. Besonders IT-Personaldienstleister und Outsourcing-Legionen hätten das Programm genutzt, um amerikanische Beschäftigte durch günstigere Fachkräfte zu ersetzen.
Trumpius erkannte das Problem sofort: Ausländische Arbeitnehmer waren offenbar zu billig. Die kaiserliche Lösung bestand deshalb darin, ihre Einreise sehr teuer zu machen. Das ist Wirtschaftspolitik nach der bewährten Methode des Palastes: Wenn ein Markt nicht gehorcht, stellt man eine goldene Schranke davor und erklärt die Maut zum Sieg.
Bereits im Vorjahr hatte der Caesar den Einreisetribut eingeführt. Seitdem seien die Anmeldungen großer IT-Auslagerungsfirmen dramatisch eingebrochen. Auch die Zahl der konsularischen Anträge sei stark gesunken. Der Hof wertet dies als überwältigenden Beweis für den Erfolg der Maßnahme. Kritiker könnten einwenden, dass weniger Anträge vor allem bedeuten, dass sich weniger Unternehmen das Verfahren leisten möchten. Doch solche Spitzfindigkeiten stammen vermutlich aus der Provinz „Unpatriotisches Nachrechnen“.
Gleichzeitig habe sich die Auswahl zugunsten besser bezahlter und höher qualifizierter Bewerber verschoben. Wer einen Masterabschluss, seltene Kenntnisse und einen Arbeitgeber mit gut gefüllter Schatzkammer besitzt, darf also weiterhin darauf hoffen, die Zugbrücke von Americum zu überqueren. Alle anderen können ihre Bewerbung demnächst vermutlich auf besonders hochwertigem Papier ablehnen lassen.
Unterstützt wird die Proklamation von den ehrwürdigen Reichsbehörden: dem Ministerium für Heimatschutzium, dem Arbeitsministerium für Lohnreinheit, dem Außenamt für Tributkontrolle und dem Justiztempelium. Gemeinsam sollen sie darauf achten, dass kein Spezialist ohne ordnungsgemäß bezahlten Eintrittsobolus durch das Tor schlüpft.
Ausnahmen bleiben möglich, sofern der Heimatschutzpräfekt entscheidet, dass einzelne Fachkräfte, Unternehmen oder ganze Branchen dem nationalen Interesse dienen. Mit anderen Worten: Die Mauer besitzt eine Tür, und der Schlüssel liegt praktischerweise beim Palast.
Trumpius begründete die Verlängerung mit weiterhin bestehender Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen, Lohndruck, Betrugsfällen und Gefahren für die nationale Sicherheit. Diese sehr unterschiedlichen Probleme wurden im kaiserlichen Kochtopf zu einer kräftigen Visa-Suppe verrührt und mit einer Prise Grenzschutz abgeschmeckt.
Nach der nächsten H-1B-Lotterie sollen die zuständigen Minister erneut prüfen, ob die Beschränkung nochmals verlängert werden muss. Das Ergebnis dürfte ungefähr so überraschend ausfallen wie die Frage, wer im Palast die größte Unterschrift besitzt.
So endet die neue Proklamation mit dem üblichen majestätischen Glanz: Donaldus Trumpius Maximus hat den Arbeitsmarkt gerettet, die Bürokratie vergoldet und aus einem Fachkräftevisum eine Premium-Mitgliedschaft gemacht. Amerika bleibt offen für die besten Köpfe der Welt – vorausgesetzt, sie erscheinen in Begleitung eines sehr zahlungskräftigen Geldbeutels.

