Es geschah am 18. Tage des Monats Augustus im Jahre 2026, als sich über dem Weißen Palatium die goldenen Vorhänge öffneten und die Herolde des Imperiums eine Botschaft verkündeten, die selbst die Marmorlöwen am Eingang vor Ehrfurcht nicken ließ: Donald Trumpius Maximus Caesar hatte das Verbrechen besiegt.
Nicht jedes einzelne Verbrechen natürlich. Einige Delinquenten hatten die kaiserliche Erfolgsmeldung offenbar noch nicht gelesen. Doch laut der frisch entrollten FBI-Schriftrolle über das Jahr 2025 war die Gewaltkriminalität um sagenhafte 9,3 Prozent gefallen – der größte jährliche Rückgang seit Beginn der imperialen Statistikführung.
Trumpius trat auf den Balkon, breitete die Arme aus und blickte über sein Reich.
„Niemand hat das Verbrechen jemals stärker gesenkt als ich“, hätte der Imperator vermutlich verkündet. „Andere Kaiser bauten Straßen, Aquädukte oder Kolosseen. Ich baue Statistiken. Wunderschöne Statistiken. Die besten Statistiken, die jemals statistisch erfasst wurden.“
Mordus verschwindet in den Katakomben
Besonders hart traf die neue imperiale Ordnung den gefürchteten Räuberhauptmann Mordus Maximus. Die Zahl der Tötungsdelikte sank laut Hofbulletin um 18,1 Prozent und erreichte damit einen der niedrigsten Werte der aufgezeichneten Geschichte.
In den dunklen Gassen des Imperiums soll daraufhin Panik unter den Berufsverbrechern ausgebrochen sein. Zahlreiche Bösewichte hätten angeblich ihre Dolche abgegeben und Umschulungen zum Unternehmensberater, Lobbyisten oder Kryptoexperten beantragt – Berufe, bei denen man traditionell weniger nachts durch Fenster steigen muss.
Auch Raubius Wegnehmus, der Schrecken sämtlicher Handtaschen, Geldbörsen und schlecht beleuchteter Parkhäuser, erlitt eine historische Niederlage. Die Zahl der Raubüberfälle sank um 18,5 Prozent. Das bedeutet laut kaiserlicher Schriftrolle beinahe 38.500 Raubtaten weniger.
Trumpius ließ unverzüglich prüfen, ob ihm sämtliche 38.500 nicht geraubten Geldbörsen persönlich als Triumphgeschenk überreicht werden könnten.
Die Legionen des Khaschius Patelius
An der Seite des Kaisers stand der oberste Fahndungspräfekt Khaschius Patelius, Direktor des mächtigen Foederalbüros Investigatius. Patelius hatte seine Ermittlungslegionen nach Darstellung des Palatiums aus den Archiven geholt, ihre Lupe poliert und ihnen einen klaren Auftrag erteilt: Verbrecher jagen, nicht Fußnoten.
Das Ergebnis könne sich sehen lassen, verkündeten die Hofschreiber: Fast 54.000 Festnahmen wegen Gewaltverbrechen, darunter mehr als 31.000 mutmaßliche Gewalttäter und Angehörige krimineller Banden. Die Gesamtzahl sei gegenüber dem Vergleichswert um 90 Prozent gestiegen.
Neun der zehn meistgesuchten Flüchtigen seien gefasst worden. Der zehnte wird vermutlich noch gesucht, weil eine vollständige Zehnerliste für das nächste Triumphbulletin benötigt wird.
Zusätzlich seien vier der meistgesuchten Betrüger festgenommen worden. Das sorgte im politischen Viertel kurzzeitig für Unruhe, bis klargestellt wurde, dass es sich um andere Betrüger handele.
Mehr als 5.000 mutmaßliche Kinderschänder und Menschenhändler seien ebenfalls verhaftet sowie über 11.000 minderjährige Opfer gefunden oder identifiziert worden. Hier endet selbst im Reich der Satire das Gelächter: Hinter solchen Zahlen stehen reale Schicksale, deren Rettung tatsächlich zählt – unabhängig davon, welcher Imperator sie später auf seine Triumphsäule meißeln lässt.
Selbst das Eigentum darf wieder ruhig schlafen
Auch die Eigentumskriminalität fiel laut Verkündung um 12,4 Prozent. Fast 750.000 Delikte weniger sollen registriert worden sein. Häuser, Wagen und Gartenzwerge konnten erstmals seit Generationen wieder ohne kaiserliche Leibwache schlafen.
Der schwere Angriff, im Lateinischen bekannt als Assaultus Aggravatus, ging um 7,2 Prozent zurück. Das entspreche über 62.700 Angriffen weniger. Die Zahl der Vergewaltigungen sank demnach um 7,6 Prozent, wodurch es mehr als 10.000 Opfer weniger gegeben habe.
Trumpius ließ deshalb bereits einen neuen Triumphbogen entwerfen. Er soll größer werden als alle bisherigen Triumphbögen, mit goldenen Prozentzeichen, diamantbesetzten Balkendiagrammen und einer mechanischen Tafel, die bei jeder Verbesserung automatisch „RECORD!“ ruft.
Für die Finanzierung erwägt das Schatzamt den Verkauf limitierter Statistikrollen. Jede Rolle soll vom Imperator persönlich nicht unterschrieben werden, was ihren Sammlerwert erheblich steigert.
Der Demokratius-Orden trägt die Schuldrolle
Kein Triumph des Trumpius wäre vollkommen, ohne dass jemand öffentlich für die vorherige Misere verantwortlich gemacht würde. Diese ehrenvolle Aufgabe fiel dem Orden der Demokratii zu.
Nach Darstellung des Weißen Palatiums hätten die Demokratii den Bürgern Chaos, Unsicherheit und eine „gescheiterte Verrücktheit“ hinterlassen. Trumpius hingegen habe die Stadtwachen gestärkt, dem FBI seine Jagdstiefel zurückgegeben und die Straßen vom Geist der Nachgiebigkeit befreit.
Das Concilium Criminalis Justitiae und das Collegium der Großstadtpräfekten würden ähnliche Entwicklungen melden, ließen die Herolde wissen. Damit war für den Hof endgültig bewiesen, dass nicht nur die kaiserliche Statistik, sondern auch andere Statistiken statistisch derselben Meinung waren.
Und 2026 wird noch rekordiger
Doch Trumpius Caesar begnügte sich nicht mit dem Sieg des vergangenen Jahres. Vorläufige Daten für das erste Halbjahr 2026 sollen eine weitere Abnahme der Gewaltkriminalität um 10,6 Prozent zeigen. Die Zahl der Tötungsdelikte sei zusätzlich um 23 Prozent, die Zahl der Vergewaltigungen um 18,6 Prozent und die der Raubüberfälle um 19,6 Prozent gesunken.
Sollte dieser Trend anhalten, könnte das Verbrechen nach Berechnungen des kaiserlichen Mathematikers Numerius Prozenticus spätestens im Jahre 2031 vollständig verschwunden sein. Danach müsste das FBI vermutlich Wetterballons kontrollieren, verlorene Sandalen suchen oder untersuchen, wer im Palatium ständig die Fernbedienung verlegt.
Auch im Reich der Cyberkriminalität, Spionage und des Terrorismus meldet das Hofbulletin Rekorderfolge. Hunderte kriminelle Netzwerke, digitale Räuberbanden und Spionageringe seien zerschlagen worden. Besonders enttäuscht zeigten sich Cyberkriminelle, deren geheime Server nach ihrer Festnahme langsamer beschlagnahmt wurden als zuvor das WLAN im Keller.
Am Ende der Zeremonie erhob Trumpius Caesar sein goldenes Zepter und fasste den Triumph in drei Punkten zusammen: weniger Morde, weniger Opfer, sicherere Straßen.
Dann begann das Orchester zu spielen, die Adler flogen über das Palatium, und Khaschius Patelius überprüfte vorsichtshalber, ob einer von ihnen auf der Liste der zehn meistgesuchten Vögel stand.
So ging ein weiterer Tag im Imperium zu Ende: Die Bürger schliefen ruhiger, die Fahnder arbeiteten weiter – und Donald Trumpius Maximus Caesar erklärte den größten Sieg über das Verbrechen seit der Erfindung der abschließbaren Tür.
Kaiserliche Fußnote: Diese Satire verarbeitet die Angaben und politischen Wertungen der Mitteilung des Weißen Hauses vom 18. August 2026. Sie stellt keine unabhängige Überprüfung der veröffentlichten Zahlen dar.

